Magie der Stimmen in Heilbronn: Andrang beim Wirtshaussingen in Nikolaikirche

   | 
Lesezeit  2 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

Mit zwölf Ensembles und Chören in Heilbronn gibt es bei Magie der Stimmen weniger Musik als früher. Publikumsmagnet ist das gemeinsame Singen in der Nikolaikirche. Die Stimmung der Händler nach dem verkaufsoffenen Sonntag ist durchwachsen.  


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Ob ihr der verkaufsoffene Sonntag „Magie der Stimmen“ etwas bringt? „Die Leute wollen beim Event keine Tüten herumtragen, die Frauen haben ihre Männer dabei. Und die sollen nicht sehen, was sie ausgeben.“ Sabine Keicher vom gleichnamigen Geschäft in der Kirchbrunnenstraße zuckt die Schultern. Die Lage sei derzeit nicht vergleichbar mit vergangenem Jahr, sie schaut von Monat zu Monat. Damals wollte sie schon alles hinschmeißen.

Aber: „Ich liebe den Job. Ich will nicht aufgeben.“ Drogen würden bei den Blumentöpfen hinterlegt, Kunden so verscheucht. „Heilbronn hat leider einen schlechten Ruf“, sagt eine Kundin aus Weinsberg und kommt dafür extra im BH aus der Umkleidekabine. 

Magie der Stimmen und verkaufsoffener Sonntag ziehen Besucher an: „Heilbronn war schon schlimmer“

Hilda Sakar (34) und ihr Mann Deniz sind heute für die Musik und zum Bummeln da, sie geben ein schwäbisches Kompliment: „Heilbronn war schon schlimmer.“ Die Neckarmeile habe sich gemacht, die Cafés, sagt der Ingenieur (28). Aber seine Frau, die einen Beauty-Salon betreibt, räumt ein: „Wenn ich richtig Lust auf Shoppen habe, mache ich das Online, ganz ohne Stress.“ 


„Bella Ciao“ singt die A-Capella-Band Vocabular aus Luzern virtuos auf dem Marktplatz. Ciao sagt auch bald Alexander Knaf mit seinem Mode-Geschäft in der Kirchbrunnenstraße. Mitte Mai macht er zu. Genau wie eine Kollegin im hochwertigen Damensegment. Der Online-Handel, die Kosten, „das rechnet sich nicht mehr“, sagt Knaf. 4500 Euro Miete, 5500 Euro mit Nebenkosten, zahlt er im Monat. „Und wir hatten schon verkaufsoffene Sonntag mit zehntausenden Menschen in der Stadt aber nur zwei Belegen in der Kasse.“ Perspektivisch kämen junge Menschen mit jungen Ideen, Heilbronn könne sich im Handel positiv entwickeln, „aber nicht mehr für uns“.

Events sollen Menschen nach Heilbronn bringen – Magie der Stimmen mit zwölf Ensembles

Steffen Schoch, Geschäftsführer der Heilbronn Marketing GmbH, und sein Team wollen den Besuchern die City schmackhaft machen. „Events wie dieses sollen die Menschen in die Innenstadt bringen.“ Denn: „Die Liebe zur Stadt ist etwas verloren gegangen.“ Die Schließungen relativiert er: „Wandel gibt es immer, das ist normal.“

Mit zwölf Ensembles und Chören ist heute musikalisch weniger los als früher. Es gab Jahre, da hatten sie 32 Chöre und zwei A-Capella-Gruppen. Corona habe für einen gewissen Schwund gesorgt. Als „gut“ bezeichnet Christian Geiger von Metzgerei und Restaurant Geiger am Rathausplatz und Mitglied im Vorstand der Stadtinitiative die Stimmung im Handel.

Petra Kern vom Modegeschäft „Viva“ in der Kirchbrunnenstraße etwa hat heute für ihre Modenschau zehn Models am Start. Mann und Sohn bauen die Bühne auf. Sie setzt auf blau, gelb, rose in diesem Frühling und auf „vorwärts denken“.  Auch Fabienne Fatosch von der Boutique Laufsteg in der Biedermanngasse sagt: „Wir machen das wegen Heilbronn. Wir hatten heute eine Kundin, die extra aus Ludwigsburg gekommen ist für den verkaufsoffenen Sonntag und die Musik.“ 

Magie der Stimmen in Heilbronn: Beim Wirtshaussingen in Nikolaikirche drängen sich Menschen

„Wenn dir einer sagt, du bist nicht schön“, singen die Power Voices an der Bühne am Wollhaus einen Song von Marius Müller-Westernhagen, und die Zuhörer wippen mit. Nicht „Steh auf“, sondern „steh an“ heißt es dagegen an der Nikolaikirche beim „Wirtshaussingen“. Dicht gedrängt sind Alt und Jung mit Rollator und ohne in der Veranstaltungskirche und schmettern Volkslieder.

„Das sollte man viel öfter machen“, sagt eine Sängerin zu ihrer Nachbarin. Klar kennt sie die Lieder, „alles noch aus meiner Schulzeit und nie vergessen“.  Bei „Heilbronner Wei, des isch koi Ranzenspanner“, analog zu Griechischer Wein von Udo Jürgens, gibt es kein Halten mehr. „Denn ohne Woi bleibt auch der beschte Schwob alloi“, tönt es von drinnen vielstimmig, während draußen ein Mann Neuankömmlingen den Ratschlag gibt: „Einfach neidrücke.“ 




Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben