Mächtig Zoff rund um das Süddeutsche Eisenbahnmuseum in Heilbronn

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Die Eisenbahn-Idylle trügt: Im Südwestdeutschen Eisenbahnmuseum in Böckingen gibt es seit einigen Jahren ein Hauen und Stechen. Ein negativer Höhepunkt: Der Pächter hat dem Eigentümer des Geländes Betretungsverbot erteilt. Die Justiz beschäftigt sich mit dem Fall.

Die Lok-Parade im Süddeutschen Eisenbahnmuseum in Böckingen. Wird es nach den jüngsten Vorgängen jemals wieder Dampftage geben?
Die Lok-Parade im Süddeutschen Eisenbahnmuseum in Böckingen. Wird es nach den jüngsten Vorgängen jemals wieder Dampftage geben?  Foto: Friese

Es ist ungeheuerlich, was sich seit nunmehr drei Jahren im Verborgenen rund um das Süddeutsche Eisenbahnmuseum (SEH) im Heilbronner Stadtteil Böckingen abspielt und nun an die Öffentlichkeit gespült wurde. Die Vorwürfe reichen von Bereicherung, illegalem Gewerbe, Vernichtungsfeldzug bis widerrechtlichem Umgang von Privatvermögen und Hausfriedensbruch. Die Skandale beschäftigen zwischenzeitlich auch das Amtsgericht Heilbronn.

In die falsche Richtung gelaufen

Seinen Anfang nahm der Wirbel 2019, nachdem dem Unternehmer Raimund Wilhelm als Eigentümer des ehemaligen DB-Geländes am Sonnenbrunnen und Geschäftsführer der SEH-Verwaltungs-GmbH Zweifel gekommen waren, ob das Süddeutsche Eisenbahnmuseum (SEH) als Verein und Generalmieter das Areal weiter nach seinen Vorstellungen entwickeln kann.


Mehr zum Thema

Donnerstagmorgen kurz nach halb sechs hören Anwohner einen Knall. Später erfahren sie, dass sich der 55-Jährige in seinem Hof erschoss.
Foto: Alexander/stock.adobe.com
Stimme+
Heilbronn
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Anwohner in Böckingen beschreiben Täter als Sonderling


Zumal sich auf dem Museumsgelände eine große Eisenbahn-Privatsammlung von Wilhelm befand und noch immer befindet. Nach seinem überraschenden Tod kümmerte sich fortan seine Witwe um die Belange und näherte sich dem Verein Historischer Dampfschnellzug (HDS) an. Der Verein wurde Generalpächter, das Süddeutsche Eisenbahnmuseum Untermieter.

 

Per Zufall auf Vergehen aufmerksam geworden

In den stillen Corona-Jahren entwickelte die HDS nach Informationen der Heilbronner Stimme ein zunehmendes Eigenleben, von dem lange nichts bekannt war. "Durch Zufall kamen wir darauf, dass sich der Verein mit Patrick Schönenberg an der Spitze immer mehr herausnahm und Frau Wilhelm auch übergangen hat", schildert Thomas Ehrmann, Bevollmächtigter der SEH-Verwaltungs-GmbH, die unschöne Entwicklung.


Mehr zum Thema


Der Höhepunkt sei schließlich die "schockierende Erkenntnis" gewesen, dass der HDS entfernt, das SEH-Gelände gewerblich genutzt und dabei hohe Umsätze erzielt habe. Unter anderem wurden nach den Worten von Ehrmann Flix-Fernbusse von angeworbenen Subunternehmen gewartet.

Einstweilige Verfügung beantragt

Trotz mehrfacher Mahnung, dies zu unterlassen, habe HDS nicht reagiert. Stattdessen habe der Verein völlig unerklärlich als Gegenreaktion auf die Kündigung gegenüber dem Grundstückseigentümer ein Betretungsverbot ausgesprochen und die Schlösser ausgetauscht. "Das ist zum Kotzen. So ein Umgang ist unter aller Sau", erregt sich Ehrmann. Vor dem Amtsgericht Heilbronn will die SEH-GmbH nun mit einer einstweiligen Verfügung erwirken, dass "wir wieder auf unser eigenes Gelände dürfen". Die für gestern anberaumte Sitzung beim Amtsgericht wurde wegen "unsachgemäßer Zustellung von Unterlagen" verschoben. Neuer Termin ist der 12. Mai, 14 Uhr.

Zukunft des Museums offen

Die Zukunft des Süddeutschen Eisenbahnmuseums hängt nun davon ab, welche Strategie HDS in Sachen Kündigung fährt. Sollte HDS den blauen Brief zum 30. September akzeptieren, könnte der Verein Süddeutsches Eisenbahnmuseum bis Ende des Jahres bleiben. Sollte es zu einer fristgerechten Kündigung mit HDS erst zum 30. Juni 2023 kommen, würde die Frist bis Ende 2023 verlängert. Eine Zusage über die jeweiligen Enddaten hinaus macht Ehrmann dem SEH-Verein nicht. Aus seiner Sicht seien noch inhaltliche Fragen zu beantworten.

Vereinsvorsitzender spricht von Vernichtungsfeldzug

Auch beim Süddeutschen Eisenbahnmuseum hat man zwischenzeitlich die HDS-Praktiken satt. "Uns gegenüber wird ein Vernichtungsfeldzug mit tausend Messerstichen geführt, obwohl wir nach einer kleinen Durststrecke wieder pünktlich unsere Miete bezahlen", erregt sich Vorsitzender Oliver Sauer. In den vergangenen Jahren habe der Verein zudem in ehrenamtlicher Arbeit viel Geld in die Anlage investiert. Und so hoffen Sauer und seine Mitglieder, dass zu dem Zeitpunkt, wenn alles ausgestanden ist, es zu Gesprächen zwischen der SEH-Verwaltungs-GmbH und dem SEH-Verein kommt, um die Zukunft des Museums im positiven Sinn zu klären. GmbH und Verein sind rechtlich unabhängige Einrichtungen.

Mehrfache Versuche, per Telefon und E-Mail-Verkehr Verantwortliche des Vereins Historischer Dampfschnellzug (HDS) für eine Stellungnahme zu erreichen, blieben ohne Ergebnis. Es wurde weder zum Hörer gegriffen, noch per Mail geantwortet.




Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben