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Anwohner in Böckingen beschreiben Täter als Sonderling

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Ein Mann erschießt in Heilbronn-Böckingen seine betagte Mutter und anschließend sich selbst. Warum? Anwohner beschreiben den Täter als einen schwierigen Charakter.

Donnerstagmorgen kurz nach halb sechs hören Anwohner einen Knall. Später erfahren sie, dass sich der 55-Jährige in seinem Hof erschoss.
Foto: Alexander/stock.adobe.com
Donnerstagmorgen kurz nach halb sechs hören Anwohner einen Knall. Später erfahren sie, dass sich der 55-Jährige in seinem Hof erschoss. Foto: Alexander/stock.adobe.com  Foto: U. J. Alexander/stock.adobe.com

Warum bringt ein 55 Jahre alter Mann aus Heilbronn-Böckingen seine pflegebedürftige Mutter und danach sich selbst um? Äußerungen von Nachbarn und Anwohnern über die Familie gleichen sich in vielen Punkten.

"Schrecklich", kommentiert eine Frau aus der Nachbarschaft das Geschehen. Laut Staatsanwaltschaft Heilbronn erschoss der 55-Jährige seine 91 Jahre alte Mutter, danach sich selbst. Passanten entdeckten am Donnerstagmorgen von der Straße aus die Leiche des Mannes im Hof seines Hauses, das in einer kleinen Seitenstraße in Böckingen steht.


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Was Nachbarn über den 55-Jährigen sagen

"Er war ein Sonderling." "Er war komisch. Ich wollte nichts mit ihm zu tun haben." "Normal mit ihm reden konnte man nicht." "Er war kein böser Mensch, aber cholerisch." So beschreiben Menschen aus der Umgebung, die ungenannt bleiben wollen, den 55-Jährigen. Sie kennen die getötete Seniorin und ihren Sohn zum Teil schon ihr Leben lang. Sie erzählen, dass die Mutter Zeugin Jehovas gewesen und ihr Kind wohlbehütet aufgewachsen sei. Er sei tierlieb gewesen.

Als junger Mensch soll er Haft verbüßt haben

Einigen, die ihn kannten, ist im Gedächtnis, dass der 55-Jährige als Kind schwer zu erziehen war. Als Junge habe er nicht oft mit Gleichaltrigen gespielt. Andere berichten übereinstimmend, dass er als Heranwachsender eine Art Casino in Böckingen überfallen habe und eine Strafe im Jugendgefängnis Adelsheim verbüßte. Damals, sagen Anwohner, entdeckte die Polizei im Haus viele Waffen. Der Vater des 55-Jährigen sei früh verstorben.

Intensiven Kontakt zum 55-Jährigen unterhielt in der Straße keiner. Dessen "radikale Lebenseinstellung" machte ihn anscheinend zu einem schwierigen Zeitgenossen. Er sei Impfgegner gewesen, ein Querdenker. Auf seiner Facebook-Seite gelten einige "Gefällt mir"-Angaben der AfD.

Probleme am Arbeitsplatz und in der Partnerschaft

Nach Stimme-Informationen gab es Schwierigkeiten am Arbeitsplatz. Der 55-Jährige sei in jüngster Zeit nicht mehr zur Arbeit gegangen, sagen Anwohner. Dazu kommen offensichtlich Probleme in der Partnerschaft. Seine Frau haben ihn vor einigen Wochen mit zwei Kindern verlassen. Von einem der beiden Kleinen ist der 55-Jährige der leibliche Vater. Weitere Kinder gingen aus vorherigen, gescheiterten Beziehungen hervor.

"Er ist durchgedreht", versucht eine Anwohnerin die Taten zu erklären. Frau und Kinder weg, Arbeit weg - das habe ihm den Rest gegeben. Die pflegebedürftige 91-Jährige soll bis vor einigen Jahren in einem Pflegeheim gelebt haben. Der 55-Jährige habe sie nach Hause geholt, weil die Einrichtung ihm zu teuer geworden sei, erzählt ein Anwohner. Eine Frau aus der Straße vermutet: Er brachte die Mutter um, weil er ihr seinen Selbstmord nicht zumuten wollte.

Polizei ermittelt weiter

Der Vorfall in Böckingen hinterlässt Fragen. Woher stammte die Waffe? Was löste die Tat aus? Stimmt es, dass gefälschte Impfnachweise ihn den Job kosteten? Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Heilbronn dauern die Ermittlungen der Polizei an.

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