Aus für Landliebe-Werke in Heilbronn und Schefflenz ist besiegelt
Gespräche mit dem Eigentümer Müller über eine Fortführung der beiden Traditionsstandorte von Landliebe sind gescheitert. Nun geht es in den Sozialplanverhandlungen um Abfindungen für Mitarbeiter.

Der Kampf um die Landliebe-Werke in Heilbronnund Schefflenz ist verloren. Die beiden Standorte werden definitiv in den nächsten Jahren geschlossen. 420 Mitarbeiter stehen damit vor einer ungewissen Zukunft.
Aus für Landliebe in Heilbronn: Müller lehnte alle Alternativkonzepte ab
Bis zuletzt hatten der Landliebe-Betriebsrat in Heilbronn und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) versucht, das Aus für die Traditionsstandorte zu vermeiden. "Doch alle Alternativen wurden von Müller abgelehnt", berichtet der Heilbronner NGG-Chef Frank Meckes. Wie berichtet hatten die Arbeitnehmervertreter Konzepte entwickelt, wie die schwache Auslastung im Heilbronner Werk mit neuen Produkten gesteigert werden könnte. Auch einen Verkauf der beiden Werke konnten sie sich vorstellen, doch der Eigentümer Müller winkte ab. Der Molkereiriese hatte die beiden Landliebe-Werke erst im April 2023 erworben. Müller begründet die Schließung damit, dass die beiden Werke nicht profitabel seien und ein enormer Investitionsbedarf bestehe.
Gewerkschafter Meckes: Müller wollte keine Lösung für Heilbronner Landliebe-Standort
Für Gewerkschafter Meckes ist das Verhalten des Eigentümers nicht nachvollziehbar. Er vermutet wie andere Branchenexperten, dass Müller die Landliebe-Werke nur gekauft hat, um einen Konkurrenten loszuwerden und sich die Markenrechte zu sichern. In den Verhandlungen habe das Unternehmen keinerlei Bereitschaft gezeigt, die Werke unter anderen Voraussetzungen weiterzuführen. "Wenn der Wille da gewesen wäre, hätte man sicher ein tragfähiges Konzept erarbeiten können", sagt Meckes, der nach eigenen Angaben "richtig angefressen" ist.
Enttäuschung beim Betriebsratsvorsitzenden von Landliebe in Heilbronn
Enttäuscht ist auch Achim Steinbach, Betriebsratsvorsitzender von Landliebe in Heilbronn. "Die Arbeitgeberseite hat bei einer Mitarbeiterversammlung am 15. Mai den Beschäftigten erläutert, warum unsere Vorschläge nicht tragfähig sind", sagt Steinbach. Damit sind die Verhandlungen über eine Fortführung oder den Verkauf der Werke gescheitert. "Das Aus ist besiegelt, die Schließung ist unabwendbar", stellt Gewerkschafter Meckes klar.
Sozialplanverhandlungen: Nun geht es ums Geld für die Mitarbeiter
Nun geht es vor allem darum, für die 420 Beschäftigten das Beste herauszuholen. "Am Dienstag und Mittwoch dieser Woche haben wir mit den Verhandlungen über einen Sozialplan begonnen", berichtet Steinbach. Solche Verhandlungen verliefen immer zäh, "doch diese waren verdammt zäh", sagt der Betriebsratsvorsitzende. Es geht jetzt um die Abfindungen für die Beschäftigten, da liegen die Vorstellungen von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite noch weit auseinander. Dennoch hofft Steinbach auf eine zeitnahe Einigung, um Klarheit für die Beschäftigten zu schaffen.
Gewerkschafter: Müller muss einen vernünftigen Sozialplan machen
Ob das gelingt, ist fraglich. "Müller sagt mit Hinweis auf die roten Zahlen an den Standorten, dass kein Geld für einen Sozialplan da sei", berichtet Meckes. "Das ist lächerlich", sagt er mit Blick auf die 8,8 Milliarden Euro Umsatz, den die Müller-Gruppe zuletzt erwirtschaftet hat. Für den Gewerkschafter hat Müller nun "die verdammte Pflicht, einen vernünftigen Sozialplan zu machen". Dabei gehe es auch um die Wertschätzung und den Respekt für die Menschen, die nun ihre Arbeitsplätze verlieren.
Jeden Tag verliert Landliebe Fachkräfte
Wann das genau der Fall sein wird, ist derzeit nicht abzusehen. Ursprünglich hatte Müller angekündigt, das Joghurtwerk in Heilbronn und das Schichtkäsewerk in Schefflenz bis Mitte 2026 schrittweise zu schließen. Gewerkschafter Meckes weist jedoch darauf hin, dass bereits jetzt jeden Tag Fachkräfte das Unternehmen verließen. Das könne irgendwann dazu führen, dass die Produktion nicht mehr gewährleistet werden könne. Zuletzt waren im Heilbronner Werk 400 Mitarbeiter und in Schefflenz 20 Mitarbeiter beschäftigt.
Der Müller-Konzern wollte sich zu dem Thema auf Stimme-Anfrage nicht äußern.
Breite Protestbewegung gegen die Schließung
Die Schließung des Landliebe-Werks in Heilbronn durch den neuen Eigentümer Müller hat in der Region große Wellen geschlagen. Mitarbeiter, Betriebsrat und die Gewerkschaft NGG organisierten Proteste gegen die Pläne und arbeiteten an Konzepten, wie die Werke in Heilbronn und Schefflenz fortgeführt werden könnten. Auch Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel machte sich für einen Erhalt der Standorte stark und verwies auf das Beispiel Knorr, wo die Schließung verhindert werden konnte. Gewerkschafter Frank Meckes startete eine Online-Petition "Landliebe muss bleiben!", die bis zum gestrigen Freitag von 5079 Menschen unterzeichnet wurde. Genützt hat das alles nichts. Müller wird die Schließung der Werke durchziehen.
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Stimme.de
Kommentare
Björn Thieme am 25.05.2024 22:05 Uhr
Das war doch schon bei den Übernahmeverlautbarungen von Anfang an eigentlich absehbar und viele haben das ja vorhergesagt, da dies bei Müller-Milch seit Jahrzehnten deutschlandweit schon System hat!
Unter anderem auch im Harz wurden familiengeführte Betriebe mit kräftig Druck und vielen Versprechungen übernommen, um sich damit die Markenrechte sowie Markennamen zu sichern.
Seitdem kommt z.B. auch dieser Harzer Käse aus Leppersdorf/ Sachsen und hat weder geschmacklich noch qualitatsmäßig irgendetwas mit dem damaligen Produkt zu tun 👎🏻👎🏻