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Spektakulärer Prozess: Folter, Orgien und Millionen-Betrug mit Corona-Tests

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Ein Mann soll mehr als 170.000 Corona-Tests gefälscht – und dadurch mehr als 1,7 Millionen Euro unrechtmäßig erhalten haben. Beim Prozess in Heilbronn geht es auch um pikante Details. 


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Er soll von Beilstein aus Corona-Testzentren betrieben, nur wenige Covid-Tests durchgeführt – dafür aber umso mehr abgerechnet haben. Wegen Computerbetrugs in besonders schwerem Fall muss sich seit Dienstag ein 45-Jähriger vor dem Heilbronner Landgericht verantworten.

Zwischen Juli 2021 und Dezember 2023 soll der Mann gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KWBW) mehr als 170.000 Corona-Tests zu Unrecht abgerechnet haben. Auf diese Weise soll der Angeklagte fast 1,75 Millionen Euro unrechtmäßig erhalten haben. Nur etwa acht Prozent der angegebenen Tests haben mutmaßlich tatsächlich stattgefunden.

Prozess am Heilbronner Landgericht wegen Corona-Test-Betrug gestartet

Zum Prozessstart hat der Angeklagte im Heilbronner Landgericht den Tatvorwurf im Wesentlichen eingeräumt, wie Landgericht-Sprecherin Stephanie Morgenstern mitteilt. Schuldfähig sei er nach eigener Aussage nicht, da er sich im Zeitraum der Taten in einer manischen Phase befunden und die Kontrolle über sich verloren habe. Drei der Corona-Testzentren sollen sich in Beilstein im südlichen Landkreis Heilbronn, eins in Bad Wimpfen befunden haben. 

Wie die „Stuttgarter Nachrichten“ berichten, hat sich der Angeklagte beim Gerichtsauftakt ausführlich zu seiner Biografie und seinem Sexualleben geäußert. Von seinem Großvater soll er jahrelang sexuell missbraucht und im Keller gefoltert worden sein. Auch Freunde des Opas sollen ihn missbraucht haben.

Im Alter von 20 Jahren habe er geheiratet, mit 28 Jahren will er seine Homosexualität bekannt gemacht haben. Was seinen beruflichen Werdegang angeht, habe er jeweils eine Lehre zum Versicherungskaufmann und zum Schauspieler abgeschlossen.

Heilbronner Landgericht: Angeklagter kauft Haus für Callboy – mit Geld aus Betrug

Laut Gerichtssprecherin Stephanie Morgenstern erklärte der Angeklagte am ersten Prozesstag, er habe im Alter von etwa 28 Jahren eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt und eine längere Therapie vollzogen. Morgenstern: „Etwa im Alter von 38 oder 39 Jahren, jedenfalls über den gesamten Zeitraum der ihm vorgeworfenen Taten, soll er dann nach seinen Angaben an manischen Episoden gelitten haben. In dieser Zeit soll er ein ausschweifendes Sexualleben geführt haben und das vereinnahmte Geld für Escort-Dienste und persönliche Bekanntschaften verausgabt haben.“

Die „Ludwigsburger Kreiszeitung“ nennt weitere Details: Der Angeklagte behauptet, 40.000 Euro an Escort-Dienste verschenkt zu haben. Innerhalb von drei Tagen will er sich mit einem brasilianischen Callboy verlobt und diesem in dessen Heimatland ein Haus gekauft haben. Zwei seiner Helfer in den Coronatest-Stationen habe er angeblich je 15.000 Euro an monatlichem Gehalt bezahlt. Von dem im Zuge der gefälschten Corona-Tests erhaltenen Geld sei daher nichts mehr übrig.

Urteil wegen Millionenbetrugs mit Corona-Tests voraussichtlich am 24. März

Im Zuge seiner manischen Phase will der Angeklagte Dinge getan haben, ohne über deren Folgen nachzudenken, berichten die „Stuttgarter Nachrichten“. So habe sich der 45-Jährige am ganzen Körper tätowieren lassen und habe mit 1500 Männern Geschlechtsverkehr gehabt. Bei den Abrechnungen der niemals stattgefundenen Corona-Tests will sich der Angeklagte von einem Zufallsgenerator fiktive Namen und Adressen erstellen lassen haben. Diese habe er dann an die KWBW übermittelt. Dies habe problemlos funktioniert. Nachprüfungen zu den Angaben habe es lange keine gegeben.

Irgendwann sei jedoch aufgefallen, dass die angegebenen Straßen in Beilstein gar nicht existieren. Das brachte die Ermittlungen gegen den ausgebildeten Schauspieler ins Rollen. Im Anschluss an den Prozess am Heilbronner Landgericht will der Angeklagte nach eigener Aussage versuchen, den entstandenen Schaden zu begleichen und nach dem Ende seiner Therapie wieder einer geregelten Arbeit nachgehen.

Der Prozess gegen den 45-Jährigen geht am kommenden Donnerstag, 19. März, weiter. Dabei sind auch einige der insgesamt neun Zeugen geladen. Mit einem Urteil ist voraussichtlich am Dienstag, 24. März, zu rechnen. Derzeit sorgt auch ein Prozess um einen getöteten Zwölfjährigen in Niedernhall für überregionales Interesse.




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