Polizist im Niedernhaller Mordprozess: Zeuge sprach von Jagd auf zwölfjährigen Jungen
Im Niedernhaller Mordprozess vor dem Heilbronner Landgericht sagte am Mittwochnachmittag der Hauptsachbearbeiter der Kriminalpolizei aus. Demnach passen die Schilderungen des Angeklagten nicht zu den Beobachtungen mehrerer Zeugen.
Die Einlassung, die der Angeklagte K. im Niedernhaller Mordprozess am Vormittag des ersten Verhandlungstages am Mittwoch über seinen Rechtsanwalt Andreas Kugel abgegeben hatte, hat die Eltern des totgefahrenen zwölfjährigen Jungen offenbar bis ins Mark getroffen. „Diese Einlassung hat meine Mandanten noch weiter traumatisiert“, sagte Rechtanwältin Sophie Bechdolf-Reif am Rande des Prozesses vor der 15. Großen Jugendkammer des Heilbronner Landgerichts.
Laut eigener Darstellung habe der 18-jährige K., der am 11. September 2025 einen zwölfjährigen Jungen mit seinem Audi A3 auf dem Edeka-Parkplatz in Niedernhall totgefahren haben soll, zu keiner Zeit die Absicht gehabt, tätlich gegen den Jungen und dessen 13 Jahre alten Freund vorzugehen. Er habe vielmehr nach einem vorangegangenen Streit mit den Kindern die Örtlichkeit verlassen wollen und dabei einen Fahrfehler begangen. Er habe seinen Führerschein noch nicht lange und wenig Fahrpraxis.
Polizist im Niedernhaller Mordprozess: Aussagen der Zeugen „ziemlich eindeutig“
Diese Variante deckt sich offenbar nicht mit den Aussagen von Zeugen, die den tödlichen Vorfall auf dem Parkplatz beobachtet haben sollen. Das sagte am Nachmittag der Hauptsachbearbeiter der Kriminalpolizei Künzelsau im Zeugenstand aus. „Diese Aussagen waren ziemlich eindeutig“, so der Polizeibeamte. Demnach habe der Angeklagte den Jungen „regelrecht über den Haufen gefahren“. Ein Zeuge habe von einer Jagd auf den Jungen gesprochen. Ein anderer habe gesehen, wie der Zwölfjährige sich auf seiner Flucht noch habe retten wollen.

„Mit Vollgas, laut aufheulendem Motor und quietschenden Reifen“ sei K. aus der Parklücke auf das spätere Opfer zugefahren und habe ihn ohne zu bremsen angefahren. Bremslichter am Fahrzeug habe auch keiner der Zeugen gesehen, als der Angeklagte das Kind mit seinem Auto erfasst und 20 bis 30 Meter mitgeschleift habe bevor er zum Stehen gekommen sein soll.
Auch am Mittwochnachmittag brachen die Eltern des Opfers immer wieder in Tränen aus. Die Mutter verließ zwischenzeitlich den Gerichtssaal. Als etwa der Polizeibeamte die Verletzungen ihres toten Sohnes beschrieb. Unter anderem soll der Halswirbel des Jungen gebrochen worden sein.
Niedernhaller Mordprozess: Polizist schildert Aussagen des Mitfahrers
Auch der 16 Jahre alte Begleiter des Angeklagten, der zur mutmaßlichen Tatzeit im Audi A3 saß und zuvor in den Streit mit den beiden Kindern verwickelt gewesen sein soll, hatte gegenüber dem Polizisten von einem Fahrfehler nichts erwähnt. Vielmehr habe er zu A. gesagt, er solle das lassen. „Er habe sogar noch überlegt, ins Lenkrad zu greifen. Habe sich aber nicht getraut“, sagte der Beamte.
Danach soll sich der Angeklagte nicht um den unter seinem Auto liegenden Jungen gekümmert haben. K. soll vielmehr gesagt haben, dass er jetzt wohl seinen Job und seinen Führerschein verlieren werde. Das wollen Zeugen gehört haben, die die beiden Insassen zum Aussteigen aufgefordert hätten. Erst im Krankenwagen soll er sich nach dem Zwölfjährigen erkundigt haben.
Teile des Niedernhaller Mordprozesses werden nichtöffentlich verhandelt
Der zweite Prozesstag geht am Dienstag, 17. März, weiter. Teile des Prozesses werden aus Jugendschutzgründen nichtöffentlich verhandelt. Das kündigte der Vorsitzende Richter Thilo Kurz bereits am Mittwochvormittag an.
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