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Gefahr durch K.o.-Tropfen auf Toilettenpapier? Das sagen Experten aus Heilbronn

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K.o.-Tropfen in Getränken sind als Gefahr, gerade in der Faschingszeit, bekannt. Jetzt kursieren Warnungen vor den toxische Substanzen auf Toilettenpapier. Was ist dran?  Wir haben Experten aus der Region Heilbronn dazu befragt.


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Die Hinweise klingen alarmierend und beängstigend zugleich: Die Freie Narrenzunft Waldschreck aus Bad Saulgau im südöstlichen Baden-Württemberg warnt in einem Facebook-Beitrag davor, dass K.o.-Tropfen angeblich nicht mehr nur „wie bisher über Getränke, sondern vereinzelt über Toilettenpapier auf Damentoiletten verteilt worden seien“. Die Aufnahme der Substanzen, die meist zu Müdigkeit, Verlangsamung und Desorientierung führen, soll dann über die Schleimhäute erfolgen. 

Täter verbreiten K.o.-Tropfen, um beispielsweise im Anschluss Straftaten wie Sexual- oder Diebstahldelikte an den dann oft wehrlosen Geschädigten zu begehen. Die Freie Narrenzunft Waldschreck empfiehlt daher, gerade wegen der bereits – wie mit dem Prunksitzungen in Gundelsheim und Co. – laufenden Faschingskampagnen in ihrem Beitrag: „Wenn möglich, führt eigene Taschentücher mit euch. Passt auf euch auf und bleibt achtsam.“

K.o.-Tropfen auf Klopapier: Wie groß ist die Gefahr an Fasching?

Dass die farb- und geschmacklosen K.o.-Tropfen, in Getränken verabreicht, Missbrauchsszenarien nach sich ziehen können, ist unstrittig. Sollte man nun jedoch auch auf Toiletten diesbezüglich besondere Vorsicht walten lassen? Weder der Heilbronner Polizei noch in den Heilbronner SLK-Kliniken sind Fälle bekannt, in denen K.o.-Tropfen über die Benutzung von Toilettenpapier in den Körper von Geschädigten gelangt sein könnten.

Auch Markus Weyhing ist von der Warnung der Waldschreck-Narrenzunft überrascht: „Von einem solchen Szenario habe ich noch nie etwas gehört“, berichtet der Umzugsminister der Wimpfener Faschingsgesellschaft (WFG), die in diesem Jahr bereits ihre ersten Prunksitzungen gefeiert hat. Er gibt zu Bedenken: „Falls jemand Toilettenpapier mit K.o.-Tropfen versetzt, wäre das Papier ja so nass, dass es niemand benutzen würde, um sich zu reinigen.“

Taten unter Einsatz von K.o.-Tropfen: die Zahlen der Polizei Heilbronn

Aus Apothekerkreisen ist zu hören, dass über die Schleimhäute mindestens ein Gramm der toxikologischen Substanz aufgenommen werden müsste, um Symptome wie Bewusstseinsstörungen hervorzurufen. Die Darmbakterien wirken entsprechender Gefährdung zudem entgegen.

Generell ist das Thema K.o.-Tropfen in der Region, was offizielle Zahlen angeht, kein übermäßiges. „Im Präsidiumsbereich der Polizei Heilbronn sehen wir in der Tatbegehung durch K.o.-Tropfen kein besonders nennenswertes Risiko“, erklärt Andreas Blind, Sprecher der Polizei Heilbronn. Im Jahr 2023 seien vier Fälle bekannt geworden, bei denen die Stoffe Gamma-Butyrolacton (GBL) oder Gammahydroxybuttersäure (GBH) als Tatmittel fungierten. 2024 seien es fünf Fälle gewesen. Blind: „Der Trend für 2025 ist rückläufig.“

Polizei Heilbronn: Hohe Dunkelziffer bei K.o.-Tropfen denkbar

Andreas Blind betont allerdings auch, „dass in diesem Deliktsbereich eine hohe Dunkelziffer zu erwarten ist, da wahrscheinlich viele Fälle, aus welchen Gründen auch immer, etwa Scham oder fehlendes Bemerken, der Polizei nicht gemeldet werden“.

Dr. Jan Groß, ärztlicher Leiter der zentralen Notaufnahme der SLK-Kliniken in Heilbronn, stellt ebenfalls keine Häufung von K.o.-Tropfen-Fällen fest. Er betont allerdings: „Grundsätzlich ist der Nachweis wegen unbekannter Substanzen und kurzer Halbwertszeit schwierig und nicht Standard in der Notaufnahme. Unerkannte Fälle sind damit möglich, zumal eine zusätzliche Alkoholisierung die Erkennung weiter erschwert.“ Von den Substanzen selbst seien bei der versehentlichen Einnahme keine langfristigen Schäden zu erwarten.

Markus Weyhing von der WFG empfiehlt dennoch, auf öffentlichen Veranstaltungen stets wachsam zu sein: „Man sollte Getränke nie offen herumstehen lassen. Wer vorsichtig feiert, tut einiges dafür, dass es auch beim erhofften Vergnügen bleibt – und es später kein böses Erwachen gibt.“




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