Streit um „Masturbationsräume“ in Künzelsauer Kita: Wie ist das Konzept in Heilbronn?
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Ein Künzelsauer Kindergarten löst mit einem sexualpädagogischen Konzept eine Kontroverse aus. Auch die Stadt Heilbronn hat ein Konzept – und erläutert ihren Ansatz.
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Kürzlich löste das neue sexualpädagogische Konzept des Kindergartens Taläcker in Künzelsau eine Kontroverse in den sozialen Netzwerken aus. Ein aus dem Zusammenhang gerissener Auszug enthielt den Begriff „Masturbationsräume“, in denen Kinder ihren Körper erkunden könnten. Eine Gefahr der Sexualisierung für unsere Kinder, befürchteten manche Eltern. Ein Fachbegriff in einem Pilotprojekt, hieß es von Seiten der Erzieher.
Fakt ist: Kitas sind dazu verpflichtet, Schutzkonzepte für die Kinder vorzulegen. Darin kann auch der sexualpädagogische Ansatz der Einrichtung verankert sein. In Heilbronn beispielsweise hat die Stadt ein Rahmenkonzept erarbeitet, das sowohl Maßnahmen zum präventiven Schutz vor sexuellen Übergriffen durch Erzieher, als auch den pädagogischen Ansatz zur kindlichen Sexualität enthält.
Sexualpädagogisches Konzept der Stadt Heilbronn: Das gilt in den Kitas
„Uns ist es wichtig, das Thema Sexualpädagogik ganzheitlich zu denken, daher die Verankerung in der Rahmenkonzeption“, gibt Achim Bocher, Leiter des Amts für Familie, Jugend und Senioren gegenüber unserer Redaktion an. Grundlage bilde der Orientierungsplan für Bildung und Erziehung des Landes Baden-Württemberg. Die Kitas entscheiden dann mithilfe des Rahmenkonzepts der Stadt individuell, wie sie die Sexualpädagogik speziell in ihrer Einrichtung umsetzen, erläutert Bocher.
Aber was beinhaltet der sexualpädagogische Ansatz der Stadt Heilbronn? Zunächst einmal sei dieser Bereich ein selbstverständlicher Teil der Persönlichkeitsentwicklung, betont Bocher. In dem Konzept sei der Begriff der kindlichen Sexualität definiert, der mit Entwicklungsfeldern wie Sinne, Körper, Gefühl und Sprache zusammenhänge.
Präventives Schutzkonzept vs. sexualpädagogisches Konzept
Das Schutzkonzept ist dazu da, um Kinder vor Missbrauch durch Erzieher zu schützen. Bei einem sexualpädagogischen Konzept geht es darum, dass Kinder ein Gefühl für Nähe und Distanz, Körperlichkeit, angemessene Verhaltensweisen und Grenzen entwickeln.
Auf Anfrage unserer Redaktion erklärt Suse Bucher-Pinell von der Stadt Heilbronn, dass das präventive Schutzkonzept und das sexualpädagogische Konzept entweder in einem Gesamtkonzept oder als zwei eigenständige Konzepte abgebildet werden können. Die Stadt Heilbronn konkret hat sich dafür entschieden, beide Konzepte zusammenzufügen. Sexualpädagogik bildet in dem Schutzkonzept also ein Kapitel. Die Einrichtungen seien grundsätzlich frei darin, wie sie das Konzept umsetzen.
„Masturbationsräume“: Sexualpädagogisches Konzept in Heilbronn führt Begriff nicht
In dem sexualpädagogischen Konzept der Stadt Heilbronn sind Entwicklungsziele der Kinder definiert. „Ein wichtiges Ziel dabei ist, ein Bewusstsein für den eigenen Körper zu entwickeln, eigene Bedürfnisse ernst zu nehmen und vor allem zu lernen, dass man Nein sagen darf/muss, wenn einem etwas nicht gefällt“, erklärt Achim Bocher. Außerdem wird darin beschrieben, wie sich die Entwicklungsziele im Kita-Alltag erreichen lassen. Bei der Umsetzung werden dann auch die Eltern aktiv mit einbezogen. Bocher: „Oft geht das nur ganz individuell im Einzelgespräch.“
Zu dem aktuellen Fall in Künzelsau will die Stadt Heilbronn keine Stellung beziehen. „Grundsätzlich bewerten wir Projekte anderer Träger nicht“, stellt Bocher klar. Der Begriff „Masturbationsräume“ stelle aber in Heilbronn keinen gängigen Fachbegriff dar und werde auch in keinem Kita-Konzept verwendet. Ihnen sei wichtig, dass die Begriffe und Themen von den Erziehern, Eltern und Kindern richtig eingeordnet werden und „keine Phantasien oder auch Verunsicherungen erzeugen“.
Diskussionen um Konzepte zur kindlichen Sexualität in Kitas nicht neu
Diskussionen wie in Künzelsau sind dem Heilbronner Familienamt indes nicht neu. Bereits im Jahr 2023 hatte eine Kita in Hannover für Wirbel gesorgt, weil sie einen „Körpererkundungsraum“ hatte einrichten wollen. „Jedes Kind entscheidet selber, ob und mit wem es körperliche und sexuelle Spiele spielen will“, so zitiert unter anderem der NDR aus dem damaligen Elternbrief. Eine Sprecherin des niedersächsischen Kultusministeriums hatte anschließend verkündet, der Ansatz gefährde das Kindswohl.
Schon damals habe die Stadt Heilbronn gegenüber Medienanfragen erklärt, einen solchen Ansatz für die eigenen Kindergärten nicht zu verfolgen, erinnert sich Bocher. Diese Diskussion sei aber ein Anlass gewesen, in ihrem Rahmenkonzept noch sensibler auf die Thematik zu schauen.
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