Kassenbonpflicht nervt Händler in Heilbronn: "Unsere Mülleimer sind voll davon"
Gerade, wenn es um kleine Einkäufe beim Bäcker oder Imbiss geht, halten Händler die Pflicht zum gedruckten Kassenbon für unnötig. Was sagt die Verbraucherzentrale?
Händler in Heilbronn sind sich einig: Die Kassenbonpflicht, die seit 2020 gilt, ist in vielen Fällen unnötig. "Unsere Mülleimer sind voll davon", sagt Fayyaz Khan, Inhaber der Subway-Filiale im K3. Demonstrativ deutet er auf einen Behälter hinter der Kasse, in dem sich die Kassenzettel türmen. "Kaum ein Kunde fragt danach." Seiner Erfahrung nach würden etwa 80 Prozent der Kunden den Bon ablehnen. Dennoch druckt die Kasse automatisch bei jedem Sandwich-Kauf einen Beleg aus. Er findet: Das muss nicht sein.
"Es ist doch alles in der Kasse gespeichert. Wieso man Papier benutzt, weiß ich nicht." Auch in der Lotto-Filiale nebenan landen 90 Prozent der Zettel im Müll, bestätigt Sabrina Zachleder, die dort hinter der Kasse steht. Ein Händler an der Allee will der Papierflut derweil mit einer ganz eigenen Methode ein Ende bereiten: Serbest Savur, Mitinhaber der Bäckerei Sultan, hat ein System entwickelt, mit dem die Kunden sich ihre Belege per E-Mail oder SMS schicken lassen können.
Digitaler Kassenbon: So wird er von Heilbronner Kunden genutzt
Das Problem: Bislang nutzt keiner von Savurs Kunden die Option des digitalen Kassenbons. "Einerseits sagen viele Kunden, sie legen Wert auf Umweltfreundlichkeit. Aber wenn es um den digitalen Bon geht, lehnt jeder ab." Kein einziger Kunde der am 9. September neu eröffneten Filiale habe bislang die neue Kassenbon-Option genutzt. "Viele wollen ihre Daten nicht preisgeben." Also doch wieder ausdrucken und wegschmeißen.
Savur findet: Wer eine Kleinigkeit kauft, braucht in der Regel keinen Bon. "Eine Brezel kostet etwa einen Euro, ein Kaffee zwei Euro. Was soll ein Kunde hier mit einem Beleg anfangen?" Lediglich Kunden, die für ihre Firma einkaufen, würden einen Beleg fordern. Das Papier, das er zum Drucken in die Kasse einspanne, sei immer innerhalb kurzer Zeit bedruckt. "Der Staat sollte diese Regel präziser erklären."
Kassenbon-Pflicht: Verbraucherzentrale sieht aktuell keine andere Lösung
Obwohl er die Kritikpunkte der Händler verstehe, führt laut Oliver Buttler, Abteilungsleiter Telekommunikation, Internet und Verbraucherrecht (TIV) bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, kein Weg an der Bonpflicht vorbei. "Vieles wurde zuvor von den Händlern über die Handkasse abgewickelt. Finanzbehörden konnten nicht richtig nachvollziehen, wie viel tatsächlich über die Theke gegangen ist."
Auf die Frage, ob es keine andere Nachweismöglichkeit gebe als gedrucktes Papier, sagt Buttler: "Es wäre ohne diese Methode schwer nachzuvollziehen, ob ein Einkauf tatsächlich boniert wurde." Natürlich könne der Vorgang auch auf einem Display abgebildet werden. "Ob der Einkauf fix im Kassensystem verbucht wurde, sieht man aber tatsächlich erst, wenn der Bon ausgedruckt wurde."
Warum die Verbraucherzentrale weiter am gedruckten Kassenbon festhält
An technischen Möglichkeiten, aufs Digitale umzusteigen, mangle es laut Buttler eigentlich nicht. "Es gibt findige Startups, die entsprechende digitale Apps entworfen haben. Die Frage ist natürlich dann nur: Ist der Vorgang in der Kasse tatsächlich hinterlegt?" Natürlich könne man Datenströme auswerten. "Dann haben wir aber ein riesiges Datenproblem, da in solchen Apps wahnsinnig viele Kundendaten zusammenlaufen." Über die Kunden sei demnach viel bekannt. "Und da ist die Frage, ob man das möchte."
Umweltfreundlicher wäre eine digitale Lösung zweifelsohne. "Zumal der Bon ja häufig nicht ein normaler Papierzettel ist, der abgebaut wird, sondern oftmals hochgiftiges Thermopapier, das eigentlich nur in den Sondermüll kann." Trotz aller Kritik seien die Regelungen laut Buttler nicht umsonst eingeführt worden. "Und wenn man sich mal die südlichen Länder in Europa anguckt, haben die alle eine Bonpflicht, weil da in der Vergangenheit sehr viele Schwarzgeschäfte getätigt wurden."
Buttler betont: "Der Staatshaushalt geht uns alle etwas an, und insofern ist es natürlich wichtig, dass wir eine Steuergleichheit und Sicherheit haben, dass entsprechend Steuereinnahmen fließen."
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Kommentare
Thomas Gaukel am 02.10.2024 09:29 Uhr
Ich bin an der Ecke ja nur Programmierer, der das teilweise Dinge mitbekommt.
Alle Kassen Übertragen und speichern die TSE-Daten ja sowieso. (Wenn man dann die teilweise Wochen Bearbeitungszeit bei der TSE-Anmeldung beim Finanzamt mal geschafft hat....)
Und aus *technischer* Sicht könnte die Ansteuerung eines *Druckers* genauso manipuliert sein wie eine Anzeige auf einem *Display*. Der Kunde / Ermittler / Prüfer, der den gedruckten TSE-Block mit Barcode vom Bon irgendwie überprüfen will, ob er echt ist und wirklich beim Finanzamt angekommen ist, könnte sich den gleichen TSE-Block auch von einem Display abfotografieren.