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Neckarsulm

Die digitale Kundenkarte bei Lidl kommt

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Mit der selbst entwickelten Lidl-Plus-App erhalten Kunden an der Kasse verschiedentlich Rabatte. Gleichzeitig verlässen sie die Anonymität, was die Beziehung zum Supermarkt der Wahl auf eine ganz neue Basis stellt.

Von Manfred Stockburger
Wer bei Lidl das Handy zückt, bekommt künftig Rabatte und einen digitalen Kassenzettel in die App kopiert.
Foto: Lidl
Wer bei Lidl das Handy zückt, bekommt künftig Rabatte und einen digitalen Kassenzettel in die App kopiert. Foto: Lidl  Foto: Lidl

Millionen von Kassenzetteln, betriebswirtschaftliche Auswertungen, Sortimente − an Daten, mit denen das Management arbeiten kann, mangelt es Lidl nicht. Und auch Apps − also kleine Computerprogramme für Handys hat Lidl schon im Sortiment. Sogar seine eigene Filiale kann man mit einem dieser Programme managen.

Lidl plus, das jüngste Digitalprodukt des Unternehmens, sorgt dennoch für Furore: Was im Onlineshop der Neckarsulmer schon selbstverständlich ist, wird damit auf die Einkäufe in der Filiale erweitert: Wer den Barcode seiner App an der Kasse in den Scanner hält, bekommt verschiedentlich Rabatte. Gleichzeitig verlässt er die Anonymität, was die Beziehung zum Supermarkt der Wahl auf eine ganz neue Basis stellt.

Zumindest im ersten Schritt ist das aber gar nicht der Kernfokus von Lidl: Bis auf Weiteres, so heißt es in Neckarsulm, plane man keine individualisierten Angebote auf der Basis von Kundendaten. Der Datenschutz ist für die Entwickler dennoch eine zentrale Fragestellung, die auch im aktiven Austausch mit dem Landesbeauftragten für Datenschutz stehen.

Smartphone immer dabei

Für Dominik Eberhard, Geschäftsführer Digital bei Lidl Deutschland, nennt ein Ziel: "Mit der App erreichen wir Zielgruppen, die wir mit dem Handzettel nicht ansprechen können." Junge Leute in Innenstädten etwa, wo viele Haushalte Werbung ablehnen. Das Telefon haben sie aber immer dabei. Über die App hat die Generation Smartphone alle aktuellen Angebote immer in der Hosentasche.

Für Dominik Eberhard und seine App-Projektleiterin Eva Hipp geht es zunächst darum, dass die im eigenen Haus entwickelte Technik reibungslos funktioniert. Schließlich muss das System nicht nur mit einem Telefon in einer Filiale funktionieren, sondern am Ende mit Millionen von Kunden in Tausenden von Verkaufsstellen in zwei Dutzend Ländern. Deswegen werden die Filialen erst Schritt für Schritt freigeschaltet − die Region um die Firmenzentrale in Neckarsulm ist erst im kommenden Jahr an der Reihe. Eine Filiale in der Region hat Eberhard aber testweise freischalten lassen, die Mitarbeiter sind in wenigen Minuten geschult − nicht nur für die Kunden ist wichtig, dass die Bedienung einfach ist. Ein Pieps an der Kasse − schon ist der Rabatt abgezogen und eine Kopie des Bons auf dem Handy und in der Lidl-Datenbank. Möchte man etwas zurückbringen, entfällt die fieberhafte Suche nach dem richtigen Zettel.

App ist auch im Ausland im Einsatz

... und einen digitalen Kassenzettel in die App kopiert. Foto: Lidl
... und einen digitalen Kassenzettel in die App kopiert. Foto: Lidl  Foto: Stockburger, Manfred

Noch sind die Möglichkeiten der App in Deutschland begrenzt. Wer seinen Standort auf Österreich ändert, sieht schon weitere Möglichkeiten: einen Rabattsammler zum Beispiel, der die Gesamtsumme von Einkäufen in einem Monat belohnt. In Spanien, Dänemark und Polen ist die App ebenfalls schon im Einsatz.

"Wir freuen uns sehr über das positive Feedback unserer Kunden in der Testregion Berlin", sagt Dominik Eberhard. "In nur drei Tagen haben wir dort dieselbe Zahl an Registrierungen erreicht, die wir nach dem Start in Österreich bei vergleichbarer Filialanzahl innerhalb einer ganzen Woche hatten." In der Alpenrepublik haben inzwischen mehr als eine halbe Million Lidl-Kunden die App installiert .

Der Platz auf dem Startbildschirm ist begrenzt − und genau dort möchte Eberhard die App bei möglichst vielen Kunden sehen. Dennoch haben die Entwickler das Bonussystem nicht in die Lidl-App integriert, die auch Zugang zum Online-Shop bietet. "Damit verhindern wir, dass ein Überangebot an Funktionen die Apps unübersichtlich macht", erklärt der Geschäftsführer. Immerhin können sich Nutzer mit einem bestehenden Lidl-Onlineshop-Konto mit denselben Zugangsdaten auch bei Lidl Plus anmelden.

Ideen für die Zukunft der App haben Dominik Eberhard und Eva Hipp noch viele. Am Ende könnte sie sogar eine Bezahlfunktion erhalten. Aber zuerst sind die beiden froh, dass die Technik steht und die bestehenden Funktionen klappen. Die Basisarbeit ist damit geleistet.

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