Region Heilbronn

Mehr Diebstähle durch SB-Kassen? Das sagen Edeka, Lidl und Kaufland

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Diebstahl im Einzelhandel ist ein großes Thema. Steigt die Gefahr durch den Einsatz von Kassen, an denen Kunden selbst scannen und bezahlen? Die Einzelhändler aus der Region Heilbronn geben eine Einschätzung ab.


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Steigt durch den Einsatz von Selbstbedienungskassen im Einzelhandel die Gefahr durch Diebstähle? Ja, sagt Stephan Rüschen von der Dualen Hochschule Heilbronn. „In entsprechenden Geschäften wird mehr geklaut", hat der Professor für Lebensmittelhandel aus Gesprächen mit Händlern und anderen Branchenvertretern mitgenommen. Händler im Raum Heilbronn klagen über verheerende finanzielle Schäden durch Ladendiebstahl

Ladendiebstähle nehmen zu: Verleiten SB-Kassen dazu?

Zu demselben Ergebnis kommt auch das Handelsforschungsinstitut EHI, das die Entwicklung von Ladendiebstählen untersucht und einen deutlichen Anstieg verzeichnet. Fraglich ist allerdings, inwieweit ein Zusammenhang mit SB-Kassen besteht. Einer Umfrage zufolge gab von 40 Händlern zwar mehr als jeder Vierte (28 Prozent) an, dass die Inventurdifferenz bei Self-Checkout-Systemen höher ist.

Handelsverbände sehen dagegen keinen Zusammenhang. Auch Steffen Ueltzhöfer nicht, der in Heilbronn und Umgebung sieben Edeka-Märkte betreibt. "Diebstahl ist natürlich ein großes Thema, das hat aber nichts mit SB-Kassen zu tun", sagt der Geschäftsführer, der auch im Handelsverband aktiv ist. Er weiß: Diebe versuchen Kassen ganz generell zu umschiffen.

„Wir müssen wachsam bleiben": Sicherheitsvorkehrungen bei SB-Kassen notwendig

„Wenn jemand manipulieren will, gibt es mit der richtigen kriminellen Energie genug Möglichkeiten", sagt Steffen Ueltzhöfer. Entsprechend verzeichne er in seinen Märkten durch den Einsatz von Selbstbedienungskassen keine signifikant höheren Diebstähle. „Aber wir müssen wachsam bleiben", sagt er. Gewisse Sicherheitsvorkehrungen seien generell notwendig, so sind SB-Kassen beispielsweise auch immer mit einem Mitarbeiter besetzt.

„Diebstahl ist natürlich ein großes Thema, das hat aber nichts mit SB-Kassen zu tun."

Steffen Ueltzhöfer

Selbstscanner gehörten heute zu einer attraktiven Kassenzone, in der Kunden hybrid agieren könnten. Im Vergleich zum Ausland hinke Deutschland in Bezug auf den Anteil von SB-Kassen zu herkömmlichen, mit einem Mitarbeiter besetzten Kassen zurück. Ueltzhöfer hat die Technik 2018 mit dem Neubau seinesEdeka-Markts in Ellhofen eingeführt – und nach und nach andere Filialen umgerüstet. Die Nutzung ist unterschiedlich: In Ellhofen beispielsweise scannen über die Hälfte der Kunden ihre Artikel an der Kasse selber, in kleineren Filialen ist es etwa ein Fünftel. 

Kaufland hat Detektive zur Prävention von Ladendiebstahl im Einsatz 

Bereits seit 2015 hat Kaufland in ausgewählten Filialen ergänzend Selbstbedienungskassen im Einsatz. Aktuell in über 190 Filialen, wie das Unternehmen mitteilt. „Aufgrund der positiven Resonanz unserer Kunden bauen wir dieses Angebot sukzessive weiter aus", beantwortet einenSprecherin eine Anfrage der Heilbronner Stimme. Vor allem für kleinere Einkäufe nutzten Kunden die SB-Kassen.

„Gerade in Filialen in der Nähe von öffentlichen Verkehrsmitteln, Büros oder Schulen sind SB-Kassen sehr beliebt", so die Sprecherin. Selbstbedienungskassen würden durchschnittlich zu gut 40 Prozent genutzt. „Dort, wo die Nutzung der SB-Kassen die höchsten Werte erreicht, liegt der Anteil bei bis zu 60 Prozent", heißt es.

Auffälligkeiten durch Diebstähle gerade in diesem Bereich scheint es bei Kaufland aber keine zu geben. „Ladendiebstahlsfeststellungen machen weit weniger als ein Promille unserer Kundenkontakte aus, der weitaus größte Teil unserer Kunden ist ehrlich", so die Sprecherin. Aber auch bei Kaufland ist man wachsam: „Um uns vor Ladendiebstahl zu schützen, setzen wir Detektive ein und nutzen branchenübliche Maßnahmen zur Diebstahlprävention", heißt es auf Anfrage dazu.

SB-Kassen als zusätzliche Service bei Lidl seit 2023

Angaben zu Diebstählen macht Lidl generell keine. Allerdings dürften die Erfahrungswerte in Bezug auf SB-Kassen noch relativ gering sein. Das Unternehmen testet nach eigenen Angaben verschiedene Checkout-Konzepte in seinen Filialen, darunter auch Selbstbedienungskassen. Diese wurden aber erst 2023 eingeführt.

„Grundsätzlich werden Selbstbedienungskassen herkömmliche Kassen nicht ersetzen. Vielmehr bieten wir unseren Kunden einen zusätzlichen Service", teilt Lidl mit. Zudem begegne man mit solchen Checkout-Systemen auch nicht dem Fachkräftemangel, wie das vielleicht andernorts der Fall sei. „Durch die Selbstbedienungskasse ändert sich die Filialbesetzung nicht." Aber Mitarbeiter hätten dadurch mehr Zeit für andere Tätigkeiten, „um das Einkaufserlebnis für unsere Kunden weiter zu verbessern", heißt es.

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