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Was sich die Heilbronner Gastronomie vom Weihnachtsgeschäft 2024 erhofft

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Inflation, hohe Kosten und schlechte Stimmung: Die wirtschaftliche Lage spüren auch die Heilbronner Gastronomen. Sie hoffen auf das Weihnachtsgeschäft – und auf ein Handeln der Politik. 


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Die Heilbronner Gastronomiebranche blickt mit gemischten Gefühlen auf das Weihnachtsgeschäft 2024. Die Gründe für die getrübte Freude sind vielfach allgemeiner Natur: Die Kostensteigerungen durch Inflation und Energiekrise drücken aufs Gemüt, genauso wie die zunehmend schlechte Stimmung in der Bevölkerung, die zur Kaufzurückhaltung führt.

Dass diese Entwicklungen die Gastronomiebranche stärker belasten als viele andere Bereiche liegt auf der Hand. Beim Essen gehen lässt es sich am einfachsten sparen. Das belegt die Statistik:  Der Umsatz im Gastgewerbe ist von Januar bis September 2024 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum real um 4,5 Prozent zurückgegangen. In der Hotellerie betrug das Minus 2,5 Prozent, in der Gastronomie real 5,7 Prozent. Auch die Heilbronner Gastroszene steht vor Veränderungen: Immer mehr beliebte Restaurants schließen.

Umsatzrückgang in Gastronomiebranche: Das sind die Gründe

Die Hotel- und Gaststättenbetriebe setzen jetzt auf das Weihnachtsgeschäft. "Die Vorweihnachtszeit ist für viele Betriebe die wichtigste Zeit im Jahr. Deshalb hoffen wir sehr, dass sich die Leute zum Jahresende auch etwas gönnen", sagt Daniel Ohl, Pressesprecher des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Baden-Württemberg. Für ihn ist die Ursache für den Umsatzrückgang klar: "Die Wiedereinführung der 19-prozentigen Mehrwertsteuer durch die Regierung zu Beginn des Jahres, die für den Nachfragerückgang gesorgt hat."

Der Heilbronner Gastronom und Dehoga-Stadtchef Thomas Aurich wagt eine positive Prognose: "Die Stimmung ist nicht gut, aber Weihnachten wird gut werden, weil die Leute die schlechten Nachrichten nicht mehr hören können und Feste wie Weihnachten feiern wollen." Er sieht die Hauptprobleme seiner Branche in der "sinkenden Marge und den ausufernden Kosten".

Heilbronner Gastronomin: "Manche kommen dann einfach nicht"

Die Eindrücke des Heilbronner Gastronoms Aurich bestätigen die Kollegen vor Ort. "Die kleinen Feiern sind da, aber die Privatleute sind verhaltener und sparen", sagt Diana Hoffmann, die mit ihrem Mann Markus seit zehn Jahren die Herzogskelter in Güglingen betreibt. Auch die großen Firmenfeiern gebe es nicht mehr. "Heute wird eher auf Abteilungsebene gefeiert", sagt Hoffmann. Vor allem ein Trend ärgert sie, der immer häufiger zu spüren ist: "Manche Gäste reservieren und kommen dann einfach nicht." Positiv fällt der Blick dagegen auf die Feiertage: "Über Weihnachten sind wir ausgebucht und auch Silvester ist sehr gut gelaufen."     

Zufrieden zeigt sich auch Thomas Rieck, der an der Linde in Neckarsulm Riecks-Restaurant betreibt. "Die größeren Weihnachtsveranstaltungen wie früher haben wir in diesem Jahr nicht, dafür haben wir kleinere Gruppen." An der Linde sind die Weihnachtsfeiertage ebenfalls ausgebucht. "Die Leute, die kommen, freuen sich und wollen abschalten, auch wenn sie weniger konsumieren als früher", sagt der Wirt. "Deshalb bleiben wir positiv, auch weil mein Team sehr gut funktioniert."     

Heilbronner Gastronomen hoffen auf Politikwechsel 2025

Marcel Küffner, Geschäftsführer des Heilbronner Parkhotels, ist ebenfalls zufrieden, wie er sagt. "Die Leute gönnen sich etwas, aber oft nur noch einmal im Monat", ergänzt er. Für das neue Jahr prognostiziert Küffner nochmal eine Durststrecke. "Wenn sich politisch nichts tut, wird es schwierig", sagt der Parkhotel-Chef.   

Die Gastronomiebranche legt ihre Hoffnungen in die vorgezogene Neuwahl und die neue Regierung. "Ich setzte auf eine Aufbruchstimmung im kommenden Sommer, wenn man weiß, wohin die Politikreise in Deutschland und in Amerika geht", sagt Thomas Aurich. "Ich fürchte, dass wir uns verstärkt in einem amerikanischen System wiederfinden, mit zahlreichen Systemgastronomiebetrieben und einigen feinen Restaurants, die übrigbleiben."

Hintergrund: Derzeit gibt es in Baden-Württemberg in 174 Städten und Gemeinden zu wenig Gastronomiebetriebe. Davon spricht man, wenn auf 1000 Einwohner weniger als ein Betrieb kommt. In 45 Gemeinden gibt es gar keine Gaststätte. Die Zahl der Betriebsaufgaben ist von Januar bis September 2024 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,8 Prozent gestiegen. zim   




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