Frust bei Crunchy Kebab: Bauamt schließt gerade erst eröffnete Filiale
Die Heilbronner Filiale von Crunchy Kebab ist geschlossen – nur wenige Tage nach Eröffnung. Wie das Bauamt das begründet und die Betreiber zunehmend frustriert sind.
Die Gesetzeslage ist klar und unstrittig: Wenn im Nutzungsvertrag einer Gewerbeimmobilie der Betrieb einer Bäckerei zugelassen ist, dann darf dort kein Restaurant eröffnet werden. Doch bei genauerer Betrachtung trübt sich die klare Sicht im Fall von Crunchy Kebab in der Heilbronner Pfühlstraße gehörig ein. Erst zu Beginn des Monats eröffnet, musste die Filiale bereits am 27. März auf Geheiß des städtischen Bauamts wieder schließen.
Crunchy Kebab in Heilbronn geschlossen: Betreiber versuchen, Auflagen zu erfüllen
Yüksel Bavli fühlt sich gerade ein wenig wie Don Quijote im Kampf gegen die Windmühlen. Ihr Bruder Mazlum Bavli hat die Kette Crunchy Kebab gegründet, ihr Mann Diyar Bamarni ist der Betreiber der Heilbronner Filiale, sie selbst hat sich um Anmeldungen und Genehmigungen gekümmert. „Ich habe auf dem Gebiet Erfahrung, bin da nicht blauäugig herangegangen“, betont Yüksel Bavli im Gespräch mit der Stimme.
Am 1. August vergangenen Jahres hatte Bavli das Gewerbe angemeldet. Vom Amt gab es keine Beanstandungen dahingehend, dass an der Adresse kein Restaurant zugelassen sei. Davon war auch nicht auszugehen, immerhin war dort zuvor über mehrere Jahre das „Sandžak“ beheimatet, ein Restaurant mit Balkan-Spezialitäten.
Beim städtischen Bauamt nahm Bavli die Serviceberatung in Anspruch und ließ sich auf schriftliche Anfrage hin noch einmal sämtliche zu erfüllende Auflagen bis zum geplanten Eröffnungstermin mitteilen. Auch hier: kein Hinweis auf die Nutzung der Liegenschaft ausschließlich für eine Bäckerei. „Ich habe mir den Nutzungsvertrag selbst nicht detailliert genug angeschaut. Das war natürlich ein Fehler“, räumt Bavli ein.
Aufschub zur Erfüllung der Auflagen wurde Crunchy-Kebab-Betreibern verwehrt
Am 10. März eröffnete Crunchy Kebab wie geplant. Am 11. März stand das Bauamt vor der Tür. Laut Bavli auf den Hinweis einer Nachbarin hin. Die Mitarbeiter verlangten die sofortige Schließung, die Betreiber baten um Aufschub, stellten umgehend einen Antrag auf Nutzungsänderung.
Doch so einfach lässt sich nicht von Bäckerei auf Restaurantbetrieb wechseln. Das wurde schnell klar. Zwar hatten bereits die Vormieter beispielsweise entsprechende Abluftanlagen installiert, die mussten allerdings erst einmal von der Gewerbeaufsicht abgenommen werden. Das ist inzwischen geschehen, wie ein Beleg von Bavli zeigt, der der Redaktion vorliegt. Auch die Eingangstür zum Restaurant wurde dahingehend verändert, dass sie sich nach außen öffnet, um im Brandfall als Fluchtmöglichkeit zu dienen. Wie im Mietvertrag vorgeschrieben wurde der Parkplatz vor dem Restaurant in eine Grünfläche verwandelt.
Fünf Mitarbeitern von Crunchy Kebab in Heilbronn wurde gekündigt
„Wir haben wirklich sofort alle Hebel in Bewegung gesetzt, um sämtliche Auflagen für die Nutzung als Restaurant zu erfüllen“, sagt Yüksel Bavli. Genutzt hat es nicht. Nachdem das Bauamt mit einem Bußgeld von 5000 Euro drohte, sollte das Restaurant nicht umgehend geschlossen werden, sperrten die Betreiber am 27. März die Pforten. Ein Eilantrag beim Verwaltungsgericht Stuttgart blieb erfolglos. „Wir mussten unseren fünf Mitarbeitern kündigen. Maximal vier Wochen können wir die aktuelle Situation durchhalten. Das ist sehr bedauerlich, da das Geschäft wirklich gut anlief“, sagt Yüksel Bavli.
Eine Wiedereröffnung liegt derzeit in weiter Ferne, denn jetzt sollen zunächst die Nachbarn befragt werden, ob sie einer Nutzungsänderung zustimmen. Also einer offiziellen Änderung, denn wie bereits erwähnt wurde an Ort und Stelle ja bereits seit Jahren ein Restaurant betrieben. Auf Nachfrage von Bavli haben die Nachbarn bislang aber keine Aufforderung zu einer Stellungnahme erhalten. „Für uns zählt jeder einzelne Tag, Stunde, Minute und Sekunde“, schrieb Bavli am Montag verzweifelt an die zuständige Sachbearbeiterin des Bauamts.
Ihr Bruder Mazlum machte den Fall über die sozialen Medien öffentlich. Ein wohlüberlegter, aber auch riskanter Schritt. „Entweder beschleunigt öffentlicher Druck das Verfahren, oder es geschieht das Gegenteil. Das ist uns bewusst“, sagt Yüksel Bavli.
Crunchy Kebab geschlossen: Stadt Heilbronn sieht sich durch Gerichtsentscheid bestätigt
Auf Stimme-Anfrage äußerte sich die Stadt – respektive das Bauamt – bislang nicht detailliert zu dem Fall. Es seien nicht „alle Auflagen zur Betriebsabnahme erfüllt“. Durch den gescheiterten Eilantrag beim Stuttgarter Verwaltungsgericht vom 25. März sieht die Stadt „die Schließung des Betriebs als rechtmäßig bestätigt“.
Erst kürzlich war der Fall des Musikhauses Heilbronn öffentlich geworden. Die Betreiber hatten einen neuen Standort für ihr Geschäft gefunden, doch der Bebauungsplan stand einer Neueröffnung im Weg. Daher zog das alteingesessene Musikhaus in den Landkreis ab.
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