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Haustierverbot in Heilbronner Frauenhaus – Herrchen auf Zeit gesucht

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In Frauenhäusern sind Haustiere oft nicht erlaubt, so auch bei der Heilbronner Mitternachtsmission. Deshalb soll ein Netzwerk aufgebaut werden, mit Menschen, die den Tieren ein Zuhause auf Zeit bieten. 


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Schutz in einem Frauen- und Kinderschutzhaus zu suchen, das vertraute Wohnumfeld zu verlassen – das ist für Betroffene ein großer Schritt. Doch was passiert dann mit dem liebsten Vierbeiner? „Ein Haustier kann ein Stabilitätsanker in einem gewalttätigen Umfeld sein, gerade für Kinder“, sagt Tobias Bothe, der Co-Abteilungsleiter der Mitternachtsmission in Heilbronn, die das Schutzhaus „Open House“ sowie Schutzwohnungen unterhält.

Leider sind Haustiere dort nicht erlaubt. „Das geben die Rahmenbedingungen nicht her“, sagt Bothe. Deshalb sucht die Mitternachtsmission nun nach Menschen, die den geliebten Tieren ein Zuhause auf Zeit bieten können.

Keine Tiere in Frauenhaus in Heilbronn erlaubt: Das sind die Gründe

Doch wieso sind Tiere nicht erlaubt? „Die Frauen wohnen in Wohngemeinschaften, das heißt die Mitbewohnerin wäre von einem mitgebrachten Tier direkt betroffen“, erklärt Tobias Bothe. Zudem sei es ein Platzproblem. Tatsächlich ist es deutschlandweit eine Ausnahme, wenn Tiere mit in eine solche Schutzeinrichtung einziehen dürfen.

In den Schutzräumen der Heilbronner Mitternachtsmission, wie hier im Open House, sind Tiere nicht erlaubt.
In den Schutzräumen der Heilbronner Mitternachtsmission, wie hier im Open House, sind Tiere nicht erlaubt.  Foto: Seidel, Ralf

Auf der Webseite der Zentralen Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser, auf der 351 Einrichtungen gelistet sind, erlauben nur 35 explizit Hunde und Katzen. 42 Häuser beziehungsweise Schutzwohnungen erlauben Kleintiere in Käfigen, 31 Einrichtungen haben gelistet, dass eine Mitnahme von Haustieren einzelfallabhängig sei.

Haustierverbot in Frauenhäusern: Aufnahme von Betroffenen scheitert daran

Dass der treue Hund oder die geliebte Katze nicht mitgenommen werden können, kann letztlich sogar dazu führen, dass eine geschützte Unterbringung der Frauen oder Kinder insgesamt scheitert – auf Entscheidung der Betroffenen, berichtet Bothe.

Daher tut die Mitternachtsmission alles dafür, die Betroffenen zu unterstützen. Die Unterbringung der Tiere der Schutzsuchenden ist immer wieder Thema bei der Mitternachtsmission. Co-Abteilungsleiter Bothe schätzt, dass es „eine Handvoll“ solcher Fälle im Jahr gebe. 

Zuhause auf Zeit für Haustiere: Heilbronner Mitternachtsmission will Netzwerk aufbauen

Sollten die Betroffenen selbst keine Unterkunft für das Tier finden, aktivierte die Mitternachtsmission dann bisher ihr privates Netzwerk und vermittelte Tiere in ein Zuhause auf Zeit. Doch das gestalte sich auf Dauer schwierig, so Bothe. Deswegen gab es nun einen Aufruf: In ihrem Mitteilungsblatt im Dezember sucht die Heilbronner Mitternachtsmission „Menschen mit großem Herzen, die sich vorstellen können, einem Haustier vorübergehend ein liebevolles Zuhause zu schenken“.

Ein solches Netzwerk wäre laut Bothe eine „Riesenhilfe“. Es würde den Handlungsspielraum der Mitternachtsmission und die Möglichkeiten für Betroffene Frauen und Kinder erweitern, sagt er weiter. Die Aufnahme in das Netzwerk ist unverbindlich. Interessierte landen dann in einem Verteiler, in dem Anfragen zur vorübergehenden Unterbringung eines Tieres gestellt werden, erklärt Bothe. Es gebe keine Verpflichtungen. 

Die Kosten für Futter und gegebenenfalls notwendige tierärztliche Versorgung würden weiter die Tierbesitzer tragen, was verbindlich in einer schriftlichen Vereinbarung festgehalten werden soll. Auf den Aufruf im Mitteilungsblatt im Dezember hin haben sich auch schon erste Interessierte gemeldet, berichtet Tobias Bothe.




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