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Häusliche Gewalt
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Angebot auch in Heilbronn: Sozialministerium will Täterarbeit ausbauen

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Obwohl die Polizei Tätertrainings anordnen kann, fehlen Angebote, auch in Hohenlohe. Das Sozialministerium Baden-Württemberg investiert nun 155.000 Euro in eine bessere Vernetzung. 


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Ein Mann, der seine Exfreundin aus dem Künzelsauer Frauenhaus verschleppt, sie in der Unterhose durch die Stadt zerrt und so massiv misshandelt, dass sie wegen Gehirnblutung Gedächtnisstörungen davonträgt und nur noch beeinträchtigt sehen kann. Die Fotos der geschundenen Frau, die bei dem aktuellen Fall im Heilbronner Landgericht gezeigt werden, sind schwer zu ertragen. Der Prozess wirft ein Schlaglicht darauf, dass seit 2015 die angezeigten Fälle von Partnergewalt im Bereich des Polizeipräsidiums Heilbronn ansteigen: auf rund 1250 Fälle in 2024. Die Dunkelziffer ist hoch, wie Verantwortliche der Mitternachtsmission in Heilbronn immer wieder betonen.  

Täterarbeit ist selten und wenig koordiniert

Doch Angebote zur Täterarbeit sind bislang selten und wenig koordiniert, weiß Florian Dirr, Leiter des Bereichs Krisenintervention und Existenzsicherung beim Paritätischen Baden-Württemberg. „Das Problem ist zudem, dass sie kommunal und damit nicht nachhaltig finanziert sind“, so Dirr. „Heidelberg etwa hat vergangenes Jahr die Tätertrainings aufgekündigt.“ Bereiche wie Hohenlohe seien in dieser Hinsicht komplett weiße Flecken. „Das Angebot läuft bei uns über das Netzwerk Straffälligenhilfe, zu dem die Jugendhilfe Unterland und die Sozialberatung Heilbronn gehören, und das dort auch sehr klein ist.“

Probleme gibt das in der Praxis. Per Polizeigesetz kann zwar Täterarbeit oder eine Beratung angeordnet werden. Aber das hilft wenig, wenn es gar keine Beratungsstelle gibt, wie etwa in Hohenlohe. Täterarbeit ist wichtig, sie dient auch den Opfern.

Landesweit gibt es 13 Fachberatungsstellen für Täterarbeit

Ziel ist nun eine nachhaltige Landesfinanzierung. Das Sozialministerium sitzt mit im Boot. „Das Land will Täterarbeit nach häuslicher Gewalt besser koordinieren, ein Netzwerk errichten und bezuschusst Trainings, die in der Breite ausgebaut werden sollen“, schreibt ein Sprecher des Ministeriums.

Das landesweite Netz umfasst 13 Fachberatungsstellen, auch Jugendhilfe Unterland und Sozialberatung Heilbronn sind darunter. Sie setzen auf konkrete Tätertrainings und Interventionen. Einige Träger untermauern den Sicherheitsaspekt zusätzlich durch Fortbildungen und Präventionsarbeit. 

Seit November 2024 bis Ende 2027 fördert die Landesregierung den Dachverband der Landesarbeitsgemeinschaft TäterIinnenarbeit Häusliche Gewalt Baden-Württemberg (LAG TäHG BW) mit knapp 155.000 Euro. Er wurde geschaffen, um die Strukturen in diesem Feld zu professionalisieren. Florian Dirr arbeitet hier als geschäftsführender Vorstand der LAG eine Bestandsaufnahme mit Handlungsempfehlungen aus. Ende Februar soll sie dem Sozialministerium übergeben werden soll.

Ein Knackpunkt ist die künftige Finanzierung

Ein Knackpunkt ist die mögliche künftige Finanzierung. Zwar ist das Sozialministerium für den Opferschutz und etwa für Frauenhäuser zuständig, mit strafrechtlicher Verfolgung kommt aber auch das Justizministerium, beim Thema Polizei das Innenministerium dazu. „Gespräche laufen, das ist ein schwieriger Prozess“, sagt Dirr. „Wir hoffen, dass wir hier nicht unter die Räder geraten.“ Und noch eine zweite Hoffnung ist ihm wichtig: „Dass wir nur ein Ministerium als Ansprechpartner haben.“   

Die Polizei kann Täter künftig verbindlich zur Beratung verpflichten, sobald eine Gefahr für die Familie besteht – unabhängig von einem Strafverfahren. „Diese Anordnung ist sanktionsbewehrt. Wer sich der Beratung verweigert, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit Bußgeldern rechnen,“ schreibt das  Sozialministerium auf Anfrage. Voraussetzung ist aber, dass es solche Beratungsstellen überhaupt gibt. Rund 80 Prozent der Betroffenen von Partnerschaftsgewalt sind Frauen, heißt es im Bundeslagebild häusliche Gewalt. Täterarbeit müsse frühzeitig, niedrigschwellig und proaktiv beginnen, so die LAG in ihrer Stellungnahme dazu. Nur so reduziere sich Gewalt. 

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