Heilbronn zündet Sechs-Millionen-Turbo – auf der Suche nach dem Buga-Feeling
2027 sollen 36 Projekte im Green-Capital-Jahr für Feierlaune, gute Stimmung und nachhaltige Maßnahmen sorgen. Die Heilbronner Gemeinderäte wollen bei der Finanzierung genau hinschauen.
Auf den Tischen im Großen Ratssaal des Heilbronner Rathauses liegen viele Buttons in verschiedenen bunten Farben. „HN. now for tomorrow“ steht darauf. Das now prangt in großen weißen Lettern inmitten des Schriftzuges. „Now“, zu deutsch „jetzt“, ist also der Zeitpunkt, an dem die Stadt Farbe bekennt, zum Thema Grüne Hauptstadt Europas und zu den Feierlichkeiten, die im Rahmen der Auszeichnung für das Jahr 2027 über die Bühne gehen sollen.
Die Jury der Europäischen Union hatte Heilbronn am 2. Oktober 2025 im litauischen Vilnius zur European Green Capital 2027 ernannt. Seither war gerätselt worden, wie die Stadtverwaltung das Ereignis feiern wird und was die Pläne die Käthchenstadt kosten.
Hohe Kosten für 36 Projekte für Heilbronner Green-Capital-Jahr
„Wir setzen insgesamt 60 Millionen Mittel für das ganze Jahr 2027 ein“, sagt Oberbürgermeister Harry Mergel. Bei den Gesamtinvestitionen seien aber auch die Gelder eingerechnet, die für das Zukunftskonzept Aufbruch Innenstadt und den städtebaulichen Rahmenplan bewilligt und bereits im Haushalt berücksichtigt sind. Für die neuen Projekte im Green-Capital-Jahr plant die Verwaltung mit Gesamtkosten von rund sechs Millionen Euro. Drei Millionen Euro sollen zudem zusätzlich in Investitionen fließen. Einen Teil davon sollen Sponsoren finanzieren. Damit werden 36 Projekte in der Stadt gefördert.
„Ich bin fest davon überzeugt, dass 2027 ein Turbo für die Innenstadt und besonders für Handel und Gastronomie wird“, betonte Oberbürgermeister Harry Mergel bei der Vorstellung der Pläne.
Rooftop-Walk: Route über die Dächer des Heilbronner Wollhauses
Diese sehen spektakuläre Projekte vor, die in der Stadt entstehen. Neben der Eröffnung der Green-Capital-Feierlichkeiten am 15. Januar im Heilbronner Theater, die für die Bürger auf dem Marktplatz live übertragen wird, wird die wohl spektakulärste Aktion der Rooftop-Walk auf dem Wollhaus sein.
Dabei soll für vier bis sechs Wochen im Mai und Juni eine begehbare Route über den Dächern des umstrittenen Gebäudes entstehen und Themen wie Begrünung und Energieerzeugung von Dachflächen in den Blickpunkt rücken. Das Gerüst hoch über der Stadt, auf dem sich die Bürger bewegen können, wird vom niederländischen Architekturbüro MVRDV konzipiert und kostet mit begleitender Ausstellung im Erdgeschoss des Wollhauses 900.000 Euro.
Wassershow am Heilbronner Hagenbuchersee mit Laser und Lichtelementen
Eine Wassershow am Hagenbuchersee mit Laser und Lichtelementen, die sich die Stadt rund 700.000 Euro kosten lassen will, soll von Juni bis Oktober die Menschen anziehen. Im Februar sollen zudem für 650.000 Euro bis zu 20 Licht-Kunst-Installationen an markanten Orten Bürger und Touristen begeistern. Das Festival der Kulturen, Baustelleninszenierungen, mobiles Grün in der Innenstadt, eine Bürgerbeteiligung und zahlreiche kleinere Aktionen runden das Angebot ab.
„Einmal grüne Hauptstadt immer grüne Hauptstadt“, hofft die Projektleiterin für das Green-Capital-Aktionsjahr Julia Hufnagel auf eine anhaltende Wirkung. Das Geld dafür muss allerdings am kommenden Donnerstag noch vom Gemeinderat freigegeben werden, der das Konzept zuerst beschließen muss.

Kosten für Green-Capital-Pläne: Heilbronner Gemeinderat will genau hinschauen
Daher hat die Stadt die Vertreter der Parteien bei der Präsentation der Projekte mit ins Boot geholt. Die Fraktionen wollen vor der Genehmigung genau hinschauen. „In weiten Teilen sehen wir sehr spektakuläre Projekte“, sagt Thomas Randecker. „Wir dürfen aber die Haushaltskonsolidierung nicht aus dem Blick verlieren“, mahnt der CDU-Fraktionsvorsitzende. Raphael Benner fordert, die Mittel nicht dazu zu missbrauchen, „grüne Verbotspolitik zu legitimieren“. „Wir sollten alle daran arbeiten, dass man in Zukunft von Heilbronn als unterfränkisch schwäbischem Silicon-Valley spricht“, so der AfD-Fraktionsvorsitzende.
„Wir werden uns die Kosten mit Blick auf die Wirkung genau anschauen“, verkündet die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Marianne Kugler-Wendt. Sie fordert zudem, die Stadtteile mitzuberücksichtigen und das soziale Miteinander stärker in den Blick zu rücken. „Der Erfolg wird sich daran messen, wie gut es gelingt die Bevölkerung einzubeziehen“, betont der Grünen-Fraktionsvorsitzende Holger Kimmerle.
Der Titel Grüne Hauptstadt, auf den man stolz sein könne, „ist kein Freibrief für Maßlosigkeit“, mahnt Herbert Burkhardt. „Die zentrale Frage ist, was dauerhaft für den Bürger bleibt“, unterstreicht der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler. „Sicher kann man an manchen Punkten noch nachjustieren und muss es tun“, sagt FDP-Chef Nico Weinmann. Die Fraktionen wollen in der Sitzung kommende Woche ihre Schwerpunkte vorstellen. Insofern stehen vor dem Now auf den bunten Buttons, noch einige Fragezeichen.
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