Hohe Nachfrage bei Erfrierungsschutz in Heilbronn – womit die Aufbaugilde kämpft
Mehr Obdachlose übernachteten diesen Winter in der Neckarhalde: Warum psychische Auffälligkeiten zunehmen und was das für die Ehrenamtlichen bedeutet.

Im Erfrierungsschutz der Aufbaugilde, der im Winter im Heilbronner Freibad Neckarhalde eingerichtet ist, haben in dieser Saison mehr Menschen übernachtet als im Jahr zuvor. 1429 waren es von November 2024 bis Februar 2025. In diesem Winter stieg die Zahl auf 1604 Gäste in diesem Zeitraum. Das entspricht einer Steigerung von rund zwölf Prozent, sagt Hans-Martin Klenk, Leiter der Wohnungsnotfallhilfe Unterstützungszentrum uwi26 in Heilbronn. Noch bis Ende März nimmt der Erfrierungsschutz jede Nacht bis zu 16 Menschen auf.
Aufbaugilde hat Aufnahmekriterien verschärft
Neu war in diesem Winter, dass die Aufbaugilde die Aufnahmekriterien verschärfen musste, „weil Menschen kamen, die das System ausnutzen wollten und nicht das Ziel hatten, hier Fuß zu fassen“, sagt Klenk und denkt dabei besonders an eine Großfamilie aus Rumänien mit sieben Männern und drei Frauen.
Eine „freche, fordernde und gierige Haltung“ hätten die Gäste an den Tag gelegt, etwa wenn Essensspenden für den Erfrierungsschutz schon draußen am Kofferraum abgefangen wurden. Das Verhalten habe manchen abgeschreckt, der auch einen Schlafplatz nötig gehabt hätte, „weil eine bestimmte Gruppe eine Art Herrschaft übernommen hatte, selbst wenn die Ehrenamtlichen ihre Sache sehr gut machten“, denn nachts sind ausschließlich freiwillig Engagierte vor Ort.

Viele Besucher waren Stammgäste mit vielen Übernachtungen
Deshalb, so die neue Regelung, musste nun jeder, der im Erfrierungsschutz unterschlüpfte, sich binnen sieben Tagen auch bei der Fachberatungsstelle der Aufbaugilde anmelden. Die Großfamilie bekam Hausverbot.
Weniger Frauen, weniger ganz junge Gäste zwischen 18 und 25 Jahren, weniger ältere Menschen bis 70 Jahre und ganz selten mal einen Hund als tierischen Begleiter verzeichnet Klenk in dieser Saison. „Viele waren zwischen 40 und 50 Jahre alt, darunter viele Stammgäste mit zehn, 20 Übernachtungen nacheinander.“
Psychische Auffälligkeiten nehmen weiterhin zu
Psychische Auffälligkeiten nehmen weiter zu. „Ein Gast hat sich nackt ausgezogen, ein anderer nachts die anderen geweckt und bedroht.“ Dass ehemalige Patienten des Klinikums am Weissenhof, Zentrum für Psychiatrie in Weinsberg, im Alltag ihre Medikamente nicht nähmen, sei ein Problem.
„Wir sind ja kein Pflegedienst, wir können das nicht kontrollieren“, sagt Klenk. Und: „Ich habe großen Respekt vor den 25 Ehrenamtlichen, die mit so herausforderndem Verhalten umgehen können, die Zugang zu den Menschen finden, aber auch Grenzen ziehen, indem sie die Polizei holen.“ Engagement, Hingabe und Durchhaltevermögen seien enorm. „Als Berufstätiger hier jede Woche eine Nacht zu verbringen, und das fünf Monate lang, das ist schon ein Opfer.“
Auch dieses Jahr erfreuten Spenden die Besucher des Erfrierungsschutzes. Ein Paar brachte immer einmal im Monat 16 Essen, die Männergruppe einer Kirchengemeinde grillte für 60 Leute, ein anderer Spender machte Großeinkauf bei McDonalds. Insgesamt war es eine kalte Saison, mit vielen eisigen Nächten und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. „Da haben wir die Dankbarkeit besonders gespürt“, sagt Klenk.
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