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Erfrierungsschutz in Heilbronn stark nachgefragt – "dankbar für Angebot"

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Wohnungslose warten schon Stunden vor Öffnung vor der Tür des Erfrierungsschutzes. Die Kälte kann für Menschen ohne Obdach mit teils geschwächtem Immunsystem lebensbedrohlich sein. 


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Die Übernachtungszahlen im Heilbronner Erfrierungsschutz der Aufbaugilde Heilbronn-Franken bleiben hoch. Temperaturen im zweistelligen Minusgradbereich machen das Schlafen im Freien derzeit lebensgefährlich. Auch deutschlandweit warnt die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W):

„Bei diesen Temperaturen wird jeder längere ungeschützte Aufenthalt im Freien zur Lebensgefahr“, so Sabine Bösing, Geschäftsführerin der BAG W. Hinzu komme: „Wer auf der Straße lebt, hat oft Vorerkrankungen und ein geschwächtes Immunsystem. Damit steigt das Risiko erheblich.“

Erfrierungsschutz der Aufbaugilde Heilbronn: Viele sind sehr dankbar für das Angebot

Weil die Schlafplätze in den Mitarbeiterräumen der Neckarhalde über die Wintermonate auf 16 begrenzt sind, stehen viele Wohnungslose schon Stunden vor Öffnung vor der Tür. Die Betten sind begehrt. Wenn um 19.30 Uhr Helfer wie Gerhard Heilig dort ankommen, wartet mancher schon seit 16 Uhr. „Viele sind sehr dankbar für das Angebot“, sagt Heilig, der die Einteilung der Ehrenamtlichen für die Nachtdienste organisiert. 

16 Betten gibt es im Erfrierungsschutz des Freibads Neckarhalde in Heilbronn. Besonders bei der derzeitigen Kälte ist die Nachfrage groß. Foto: Archiv/Seidel
16 Betten gibt es im Erfrierungsschutz des Freibads Neckarhalde in Heilbronn. Besonders bei der derzeitigen Kälte ist die Nachfrage groß. Foto: Archiv/Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Auch ein Vater mit seinem 17-jährigen Sohn war nach der Trennung von seiner Frau jüngst unter den Gästen. Beide waren froh, ein Bett für ein paar Nächte zu haben. „Wir haben sie dann dem Ordnungsamt übergeben, so dass sie zunächst im Obdachlosenwohnheim Salzgrund bleiben konnten. Aber jetzt haben sie eine Wohnung in Aussicht“, sagt Hans Martin Klenk, Leiter Wohnungsnotfallhilfe der Aufbaugilde. Harte Schicksale wie diese kennen die Ehren- und Hauptamtlichen des Erfrierungsschutzes zuhauf.

Warme Getränke und Fertigsuppen spenden Wärme in der Kälte

Tee am Abend, morgens heißer Kaffee, das wärmt die Seele. Bürger stellen immer wieder Lebensmittelspenden vor der Türe ab. Besonders praktisch sind Fertigsuppen, auf die nur heißes Wasser gegossen werden muss, so Hans Martin Klenk, denn Dosen aufzuwärmen, ist in der Neckarhalde schwieriger. Waren es in 2024 im November und Dezember 791 Übernachtungen im Erfrierungsschutz, hat er in den letzten zwei Monaten des Jahres 2025 mit 817 noch mehr Nachfrage verzeichnet.

Zu Beginn der Saison macht die Aufbaugilde mit Plakaten darauf aufmerksam, dass Bürger auf obdachlose Menschen in Erfrierungsgefahr achten sollten. Wenn sie eine Notlage erkennen, sei es wichtig, sich an die jeweilige Kommunalverwaltung oder an die Polizeidienststelle wenden. Zuständig sei darüber hinaus in Heilbronn die Fachberatungsstelle der Aufbaugilde in der Wilhelmstraße 26. Bei drohender Lebensgefahr und akuten Gesundheitsgefährdungen lautet die Notrufnummer 112.  

Aktuell etwas zurückgegangen ist die Zahl der übernachtenden Frauen, oft waren es Rumäninnen, so Klenk. „Wir mussten das ein bisschen eingrenzen“, sagt er. Sie hätten ihre Wohnungen in Rumänien verlassen, hier gebettelt und den Erfrierungsschutz genutzt. In dieser Saison gibt es nun ein neues Aufnahmeverfahren. Menschen, die das kostenlose Angebot in Anspruch nehmen, müssen spätestens nach sieben Nächten in der Fachberatungsstelle der Aufbaugilde vorsprechen.

Kostenloses Sonntagsessen wird extrem gut angenommen

Dass die Not größer wird, merkt er an allen Ecken und Enden. Erst heute früh sei ein Mann total durchgefroren zum Unterstützungszentrum uwi26 der Aufbaugilde gekommen, der im Vorraum einer Bank genächtigt hatte. Das kostenlose Essen, das Serviceclubs jeden Sonntag im Gildetreff oder in St. Peter und Paul anbieten, werde „extrem gut angenommen, noch mehr als die vergangenen Jahre“.

Die täglichen Besucherzahlen im uwi26 sind von 58 Personen im Jahr 2023 auf 80 im vergangenen Jahr angestiegen. Die Zahl der Menschen, die zur Fachberatungsstelle kommen, hat sich von 808 (2024) auf 856 in 2025 erhöht.    

 




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