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Bildungsministerin zu Besuch 
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Bundesbildungsministerin in Heilbronn: „Wir haben unsere Kinder zu lange allein gelassen mit den Gefahren, die im Netz lauern.“

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Karin Prien trifft vor ihrem Besuch auf dem Bildungscampus Innenminister Thomas Strobl (beide CDU). Mit einer Altersbeschränkung in sozialen Netzwerken allein sei nichts gewonnen, sagen beide zur aktuellen Debatte um ein Verbot für unter 16-Jährige.  

Bundesbildungsministerin Karin Prien und der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (beide CDU) sprechen über Medienkompetenz und die Gefahren für Kinder und Jugendliche im Netz.
Bundesbildungsministerin Karin Prien und der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (beide CDU) sprechen über Medienkompetenz und die Gefahren für Kinder und Jugendliche im Netz.  Foto: Mario Berger

Versäumnisse zu benennen gehört nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen von Politikern, zumal im Wahlkampf. Umso bemerkenswerter ist es, wenn Bundesbildungsministerin Karin Prien sagt: „Wir haben unsere Kinder zu lange allein gelassen mit den Gefahren, die im Netz lauern.“ Prien ist am Freitag unter anderem zu Besuch bei der Akademie für Innovative Bildung und Management (AIM) in Heilbronn und nutzt den Termin vor Ort, um mit Innenminister Thomas Strobl (beide CDU) das Engagement der Dieter-Schwarz-Stiftung zu loben. 

Cybergrooming, Pornographie, Manipulationen: Thomas Strobl nennt in Heilbronn die Gefahren im Netz 

Gemeinsam mit der Stadt stattet die Dieter-Schwarz-Stiftung bis 2030 alle Schulen in städtischer Trägerschaft mit iPads für Lehrer und Schüler aus.  „Wir fahren freilich nicht mit dem Lkw vor und laden die Endgeräte ab“, sagt Innenminister Strobl. Die Schulen erhalten die Tablets nur, wenn sie ein medienpädagogisches Konzept für den Umgang damit vorlegen. Hier kommt die Akademie für Innovative Bildung und Management ins Spiel, die Schulen bei der Erstellung dieses Konzeptes unterstützt oder Lehrerfortbildungen zu Medienkompetenz anbietet. 

„Die Gefahren im Netz sind gigantisch“, sagt Strobl. Cybergrooming, Pornographie, Manipulationen: In sozialen Netzwerken sind Kinder und Jugendliche in den zurückliegenden Jahren in den Fokus von Kriminellen geraten.  Strobl: „Das ist eine Dimension, bei der man mit den Ohren schlackert.“

Schulen müssen Kinder und Jugendliche auf digitale Welt vorbereiten

Die klassische Präventionsarbeit genüge nicht mehr, allein mit Altersbeschränkungen bei der Nutzung von sozialen Netzwerken könne man nichts erreichen. Vielmehr müssten die Kinder und Jugendlichen auch an den Schulen auf die digitale Welt, deren Chancen und Gefahren vorbereitet werden. „Verbote allein werden das Problem nicht lösen“, sagt Prien, „wir benötigen Regulierung und Medienkompetenz und eine breite gesellschaftliche Debatte.“ 

Soziale Netzwerke wie Facebook haben vor etwa 15 Jahren nach und nach alle gesellschaftlichen Ebenen erobert. Welche Folgen das haben könnte, sei lange Zeit ignoriert worden. „Wir waren zu naiv“, sagt Prien, „und haben die Kinder im digitalen Raum schutzlos gelassen.“ 

Innenminister Thomas Strobl: „Meine Mutter wäre nicht auf die Idee gekommen, mich alle 45 Minuten anzurufen.“ 

Hochinnovativ, hochspannend: In Superlativen spricht Karin Prien über den Heilbronner Bildungscampus, die Förderung der Schwarz-Stiftung im Bereich Bildung und die wissenschaftliche Begleitung des Tablet-Einsatzes in Heilbronner Schulen: „Davon gehen sehr wichtige Impulse für das gesamte Bundesgebiet aus.“ 

Eine Zielgruppe für Medienkompetenz müssen aber auch die Erwachsenen sein, sagt Prien. Es gehe um Regeln zur Mediennutzung im Familienleben, die sich letztlich auch auf die Schule auswirken. Die baden-württembergische CDU plädiert dafür, Schülern die Nutzung des privaten Handys im Unterricht oder in der Pause zu verbieten. Ein Problem seien Eltern, die wollen, dass ihre Kinder immer erreichbar seien. „Meine Mutter wäre nicht auf die Idee gekommen, mich ununterbrochen anzurufen“, sagt der Innenminister. 




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