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Respekt und Anstand
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Auf Streife in Heilbronn: Polizei mit spezieller Aktion im Einsatz

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Das Polizeipräsidium hat am Freitag im Rahmen einer besonderen Aktion das Gespräch mit Bürgern in Heilbronn gesucht. Was sie in der belebten Innenstadt erlebten.


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Warum steht eine leere Flasche auf dem Boden? Warum schreit jemand herum? Warum machen junge Männer Frauen auf blöde Art an? Verbale Belästigungen, Provokationen bei Nichtigkeiten – das seien die Themen, die Heilbronn umtreiben, meint Kriminaldirektor Stefan Schwab, Leiter des Heilbronner Polizeireviers. Dem tritt die Polizei am Freitagabend in der Innenstadt entgegen. Die Aktion „Respektvoll in der City – für ein faires Miteinander“ legt den Schwerpunkt auf Kommunikation.

Zahlreiche Streifen, unterstützt vom Kommunalen Ordnungsdienst der Stadtverwaltung und dem Haus des Jugendrechts, sind an jenem Abend unterwegs. Sie sollen im Vorfeld von möglichen Ordnungsstörungen mit Menschen zwanglos ins Gespräch kommen. Die Botschaft: Respekt und Anstand bestimmen das menschliche Zusammenleben. Schwab nimmt Verstöße gegen gesellschaftliche Regeln nicht hin. „Wehret den Anfängen. Je mehr man akzeptiert, umso normaler wird es.“

Heilbronner Polizei will zwanglos mit der Bevölkerung ins Gespräch kommen – schaut aber nicht weg

Es ist ein lauer Sommerabend. Viele Menschen gehen aus. Die Stadt ist belebt. Auf dem Marktplatz sitzen Bürgerinnen und Bürger im Café und im Ratskeller. Die Special Olympics haben mitten auf dem Platz einen Treffpunkt. Die Tische und Stühle vorm Marra-Haus und in der Unteren Neckarstraße sind belegt. Menschen sitzen bei der Experimenta am Ufer des Neckars und unterhalten sich.

Der Fokus liegt auf Kommunikation, nicht Repression. Die Polizei sieht aber nicht weg. Polizeioberkommissarin Lena Gurrath spricht eine Frau im mittleren Alters an. Die sitzt mit einem Mann auf dem Marktplatz auf der steinigen Einfassung eines Baumes.

Zahlreiche Streifen sind am Freitagabend in Heilbronn unterwegs,.
Zahlreiche Streifen sind am Freitagabend in Heilbronn unterwegs,.  Foto: Heike Kinkopf

„Woher haben Sie die aufgeplatzte Lippe?“, fragt Gurrath. Nur mit Mühe kommt die Frau auf die Beine. Sie kann kaum aufrecht stehen, ist offensichtlich betrunken oder steht unter Drogen. Sie sei hingefallen, erklärt die Frau der Polizistin. Gurrath hakt nach, will den Ausweis sehen. Die Frau kommt aus Bad Rappenau. Ihr Begleiter steht ruhig daneben. „Er war’s nicht“, versichert die Frau. Er habe sie nicht geschlagen.

Etwa zur gleichen Zeit sind Beamte vom Haus des Jugendrechts am Friedensplatz im Einsatz. Dort kommt es nach Angaben von Schwab zu massiven Ruhestörungen. Die Polizei schreitet ein.

Revierleiter Stefan Schwab: Heilbronner Maßnahmen gegen Klein-Dealer und rivalisierende Gruppen wirken

Zuletzt haben Klein-Dealer in der Gegend um Marktplatz, Kilianskirche und in den Gassen drumherum das Bild bestimmt. Rivalisierende Gruppierungen fielen durch gegenseitige Schlägereien auf.  Die Situation in der Innenstadt habe sich generell verbessert, sagt Schwab. Die verstärkte Polizeipräsenz und die vielen Maßnahmen im Rahmen der Konzeption „Sicheres Heilbronn“, zu denen auch verdeckte Ermittlungen gehören, zeigten Wirkung.

Seit eineinhalb Stunden streifen Lena Gurrath und ihre Kollegen nun durch die Innenstadt. Wie klappt es mit dem Ins-Gespräch-kommen? „Noch nicht so richtig“, räumt die Polizeioberkommissarin ein. Die Herangehensweise ist für die Polizei Neuland. „Es ist eine ungewohnte Aufgabe für uns alle“, erklärt Schwab. In den nächsten Tagen wird Bilanz gezogen.

Polizisten werden auf Frau mit aufgeplatzter Lippe aufmerksam.
Polizisten werden auf Frau mit aufgeplatzter Lippe aufmerksam.  Foto: Heike Kinkopf

Etwas später spricht die Streife drei Passantinnen an. Jutta Reinhardt (76), Renate Denscheilmann (76) und Margarete Beilner (75) kommen aus Böckingen und Neckargartach. Die munteren Frauen haben ein Eis gegessen und sind auf dem Heimweg. Sie fühlen sich sicher. Die starke Polizeipräsenz finden sie gut. Die Frauen mögen es, dass so viele Menschen unterwegs sind. Zu einer späteren Uhrzeit würden sie nicht mehr ausgehen, erzählen sie. Wenn sie abends allein unterwegs sei oder ins Parkhaus gehe, habe sie schon Angst, meint Renate Denscheilmann. „Dann halte ich die Tasche so“, sagt sie und drückt ihren Rucksack mit beiden Armen fest vor die Brust. Es gebe unberechenbare Menschen, von denen man nicht wisse, wie sie reagierten, sagt Jutta Reinhardt. Das sei eine große Sorge.

Heilbronner Kriminalhauptkommissar Daniel Rost appelliert: Zivilcourage zeigen

Das Referat Kriminalprävention des Polizeipräsidiums Heilbronn beteiligt sich bereits am Nachmittag mit einem Informationsstand in der Fleiner Straße an der Aktion „Respektvoll in der City“. Die Bevölkerung sei mit unterschiedlichsten Themen an sie herangetreten, erzählt Sven Schumacher. Familien mit Kindern wollten sich das Polizeiauto anschauen, andere interessierten sich für den Beruf des Polizisten. „Es sei schön, wenn die Polizei sichtbar ist“, fasst Lars Maylandt die Reaktionen von Passanten am Info-Stand zusammen.

Ungeachtet von der Verfolgung von Straftaten gehört Prävention, das Verhindern von Straftaten, zu den polizeilichen Aufgaben. Anstand, Respekt und Empathie sind für Kriminalhauptkommissar Daniel Rost (48), Leiter des Referats Prävention, die Basis, damit Menschen in der Stadt gut leben können. „Es gibt Grenzen, die eingehalten werden sollten Das gilt für alle.“ Rost appelliert an die Bevölkerung, Zivilcourage zu zeigen. Wenn etwas passiert, die Polizei zu rufen, hinzuschauen und sich einzumischen – ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.

Polizeibeamte sind heftigen Angriffen ausgesetzt – auch in Heilbronn

Respekt und Anstand sollten nicht zuletzt der Polizei selbst entgegengebracht werden, meint Schwab. Die sei nicht vor Angriffen gefeit. Polizisten, aber auch Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst würden immer wieder angegangen. Oft beginne es verbal, steigere sich dann durch Nichtbeachten von Anweisungen und ende mit Widerstand oder Angriffen.

Ohne exakte Zahlen zu nennen, bewege man sich im mehrjährigen Vergleich auf einem hohen Niveau. Dabei machten ihm weniger die absoluten Zahlen als die Qualität der Attacken Sorge. „Zuletzt mussten wir wirklich heftige Angriffe auf unsere Polizistinnen und Polizisten registrieren.“ So sei eine Beamtin vor nicht allzu langer Zeit fast erwürgt worden, als sie einen gesuchten Straftäter festnehmen wollte.




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