Polizistenmord: Falsche DNA-Spuren? (23.12.08)

Heilbronn - Die Diskussion um die neuesten Spuren vom gesuchten Phantom im Heilbronner Polizistenmordfall zieht Kreise. Aus Brühl im Rheinland erreichte uns eine Mail, dass ein Rechtsmediziner aus Münster die vielen DNA-Funde in dem spektakulären Kriminalfall kritisch betrachtet. Die mutmaßliche Serientäterin – eine Luftnummer? Heilbronns Polizeisprecher Roberto Monaci weist die Theorie zurück.

Von Carsten Friese


Heilbronn -  Die Diskussion um die neuesten Spuren vom gesuchten Phantom im Heilbronner Polizistenmordfall zieht Kreise. Aus Brühl im Rheinland erreichte uns am Dienstag eine Mail, dass ein Rechtsmediziner aus Münster die vielen DNA-Funde in dem spektakulären Kriminalfall kritisch betrachtet. „Möglicherweise tauchte an allen Tatorten Ermittlerzubehör wie Einmalhandschuhe, Plastikbehältnisse oder Pipetten einer bestimmten Firma auf, das durch eine unachtsame Mitarbeiterin mit eigenem Erbgut verunreinigt wurde“, zitiert die Kölnische Rundschau Professor Bernd Brinkmann. Stimme diese Theorie, „würde man nach einer Mörderin suchen, die gar keine ist“. Dies würde auch erklären, warum kein Komplize etwas von der gesuchten Unbekannten wisse.

Die mutmaßliche Serientäterin – eine Luftnummer? Heilbronns Polizeisprecher Roberto Monaci weist die Theorie zurück. „Die DNA-Spuren sind einerseits in verschiedenen Ländern gefunden und untersucht worden.“ Zudem müssten bei einer solchen Theorie die Funde quer über die Bundesrepublik verteilt sein. „Es gibt aber eine geographische Häufung“, so der Polizeisprecher. Und: In den Labors würden auch Blindtests ohne DNA-Material vorgenommen, die negativ verlaufen. Monaci: „Aus unserer Sicht kann es nicht sein, dass es Drittverursacher für die Spuren gibt.“

Nachdem die neueste Genspur der großen Unbekannten wie berichtet im Wagen einer tot aufgefundenen Weinsbergerin entdeckt wurde, hat die Polizei Hütten und Gartenhäuser im Umkreis von Weinsberg durchforstet. In der Vergangenheit hatte das Phantom immer wieder in derartigen Hütten übernachtet. Auch aus der Bevölkerung gab es eine Reihe von Hinweisen auf mögliche verdächtige Frauen. „Bisher gibt es keine neuen Erkenntnisse“, teilte der Polizeisprecher am Dienstagnachmittag mit.

Auslieferung

Im Saarland, wo die Polizei weitere DNA-Spuren des Phantoms eindeutig einer Bande von Einbrechern und Autodieben zuordnen konnte, zeichnet sich eine Entwicklung ab, die Hoffnung weckt. Zwei Hauptverdächtige der Bande, die nach langen Ermittlungen über Ländergrenzen hinweg im französischen Metz festgenommen wurden, werden voraussichtlich Anfang 2009 an die deutsche Polizei ausgeliefert. Bisher schweigen die zwei Franzosen jugoslawischer und albanischer Herkunft. Man werde sie nach der Auslieferung sicher „auch näher zum Phantom befragen“, kündigte LKA-Sprecher Dieter Appel an.

Mehr als 30 Straftaten hatten die saarländischen Ermittler registriert, bei denen Einbrecher nachts in Häuser eindrangen, Autoschlüssel stahlen und mit hochwertigen Audi, BMW oder Mercedes davonfuhren, während die Hausbewohner schliefen. Im April hörte die Serie schlagartig auf. Da hatte die Polizei in den Straßen von Metz fünf gestohlene Autos auf einmal sichergestellt.

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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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