So reagiert der Go-Ahead-Technikchef auf Pendlerkritik

Regionalbahnen  Verspätungen, Ausfälle, überfüllte Züge: Seit dem Betreiberwechsel bei den Regionalzügen reißen Pendlerklagen nicht ab. Im Fokus: Die RE8 von Stuttgart über Heilbronn nach Würzburg, betrieben von Go-Ahead. Der Technische Geschäftsleiter stellt sich der Kritik.

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Verspätungen, Ausfälle, drangvolle Enge in den Zügen: Seit dem Betreiberwechsel bei den Regionalbahnen in der Region reißen die Klagen von Pendlern nicht ab. Im Fokus: Die RE8 von Stuttgart über Heilbronn nach Würzburg, betrieben von Go-Ahead. Der Technische Geschäftsleiter Gordon Lemke stellt sich der Kritik.

 

Nutzer schimpfen über einen Holperstart auf der Frankenbahn. Wie fällt Ihre Startbilanz aus?

Gordon Lemke: Die erste Januarwoche konnten wir sehr gut bedienen und hatten gute Pünktlichkeitswerte, die in der zweiten Woche leider deutlich nach unten gingen. Hauptgrund waren häufige Mängel an den Fahrzeugen. So konnten wir die bestellten Kapazitäten nicht ganz bedienen.

 

Was ist das Problem mit den Zügen?

Lemke: Wir haben an manchen Tagen nur 80 bis 90 Prozent der nötigen Züge verfügbar, zwei der nachbestellten Züge kommen noch von Stadler. Die Fahrzeuge sind sehr komplex und brauchen regelmäßige Software-Updates. Das letzte hat die Zuverlässigkeit der Züge erhöht, wir sind aber noch nicht da, wo wir hinmüssen.

 

Wann läuft es endlich rund?

Lemke: Das ist ein schrittweiser Prozess, bis alle Züge tadellos funktionieren. Koppelt man einen Zug mit alter und neuer Software zusammen, ist die alte maßgeblich. Wir müssen also alle Zugteile auf den neuesten Stand bringen.

 

Das klingt nicht nach schnellen Lösungen?

Lemke: Ich kann nicht sagen, wann die Kinderkrankheiten abgestellt sind. Wir bekommen dieser Tage einen dreiteiligen, im Februar einen fünfteiligen Zug. Dann sind wir komplett. Wir müssen aber im Moment auch mehr Züge gleichzeitig in die Werkstatt schicken als vorgesehen.

 

Der Go-Ahead-Technikchef Gordon Lemke. Foto: Hettich

Unsere Leser klagen, dass immer dieselben Züge ausfallen, etwa jener morgens um 7.15 Uhr ab Heilbronn.

Lemke: Die Werkstattzeiten bei Stadler sind durchgetaktet. Da kann es vorkommen, dass ein Zug, den wir abends dort abliefern, am nächsten Tag nicht zur Verfügung steht. Es ist aber nicht so, dass sich Probleme auf einzelne Verbindungen konzentrieren. In der vergangenen Woche kam auf der RE8 vieles zusammen, weil wir auch einen erhöhten Krankenstand hatten.

 

Haben Sie zu wenig Personal ?

Lemke: Nein, das kann nur eine temporäre Sache sein. Wir hatten Krankmeldungen im zweistelligen Prozentbereich.

 

Viele Züge sind zu voll. Hat das Land zu wenig bestellt, oder liefern Sie nicht die geforderten Kapazitäten?

Lemke: Ich kehre gerne erst meinen Hof. Wir müssen besser werden und die angesprochenen Probleme beheben. Wenn sich zeigen sollte, dass Kapazitäten nicht reichen, werden wir mit dem Verkehrsministerium über Optimierungen sprechen. Da haben wir im Moment noch kein genaues Bild.

 

Vielen graut vor der Zeit ab April, wenn die Schnellstrecke nach Mannheim gesperrt ist. Dann wird es im viel befahrenen Neckartal noch enger. Was erwarten Sie?

Lemke: Leider wurde die Schiene in Deutschland sehr lange vernachlässigt, wir haben einen 20-jährigen Rückstau bei der Infrastruktur. Die Kapazitäten sind extrem eng gestrickt. Wenn ein Zug verspätet ist, egal von welchem Betreiber, sind schnell zehn andere betroffen, das ist wie eine Lawine.

 

Das WLAN ist als großer Vorteil der neuen Züge gepriesen. Oft funktioniert es nicht. Täuscht der Eindruck?

Lemke: Oft sind zwei bis drei Sim-Karten wie in Handys in Fahrzeugen montiert. Die Verbindung ist aber nur so gut wie die Netzabdeckung. Wenn wir durch ein Funkloch fahren, gibt es kein Internet, das liegt am Netzbetreiber, nicht an uns.

 

Wenn Sie Vertragsleistungen nicht erfüllen, müssen Sie Strafzahlungen ans Land leisten. Was bekommen die Fahrgäste als Entschädigung?

Lemke: In unserem Verkehrsvertrag sind ohnehin hohe Poenale-Zahlungen für Verspätungen oder Ausfälle festgeschrieben. Wie dieses Geld eingesetzt wird, liegt nicht in unserer Hand.

 


Hettich

Alexander Hettich

Autor

Alexander Hettich ist stellvertretender Leiter der Regionalredaktion. Er arbeitet seit 2003 bei der Heilbronner Stimme, berichtet über Verkehrsthemen, über Kommunalpolitik und Heilbronn.

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