Ringen um Zabergäubahn: Verkehrsminister macht Druck auf Deutsche Bahn
Alarmierende Signale für die Zabergäubahn: Die mögliche Reaktivierung der Strecke ist eng mit der Digitalisierung der Schiene rund um Stuttgart verknüpft. Dieser Deal wackelt.
Scheitert die Reaktivierung der vor Jahrzehnten aufgegebenen Zabergäubahn im südwestlichen Landkreis Heilbronn an der großen Bahnpolitik im Bund? Ausgeschlossen ist das nicht. Voraussetzung dafür, dass zwischen Lauffen und Zaberfeld wieder Züge fahren, ist eine Modernisierung des Stellwerks in Lauffen. Das kostet nach aktuellen Schätzungen rund 30 Millionen Euro.
Bislang war der Plan: Lauffen wird im Rahmen des Mammutprojekts Digitaler Knoten Stuttgart (DKN) miterledigt und mitfinanziert. Dahinter verbirgt sich, dass rund um die Landeshauptstadt die Schienen von konventioneller auf digitale Signal- und Steuersysteme umgestellt werden. Die Stufen 1 und 2 sind im Zuge von Stuttgart 21 finanziert und im Bau. Die Stufe 3, die bis an die Grenzen der Region Heilbronn und bis Lauffen reicht, ist umstritten.
Reaktivierung der Zabergäubahn: Modernisierung des Stellwerks in Lauffen kostet Millionen
Die Deutsche Bahn hat diesen letzten Baustein unter einen sogenannten Gremienvorbehalt gestellt, das heißt, der Aufsichtsrat des Konzerns hat noch nicht zugestimmt. Ein Geduldspiel, so schien es. Jetzt sind die Signale für die Region noch beunruhigender. Offenbar hat die Bahn nicht vor, dass Stellwerk Lauffen in diesen Topf zu packen, selbst wenn Stufe 3 des Digitalen Knotens kommt.
„Das Stellwerk muss die Bahn ohnehin modernisieren, jetzt will sie es der Zabergäubahn zuschlagen, was das Projekt erheblich verteuern würde“, bestätigte Verkehrsminister Winfried Hermann beim Besuch der Stimme-Redaktion. Das heißt: Die geschätzten 30 Millionen Euro für ein modernes Lauffener Stellwerk wären nicht mehr im Digital-Paket abgegolten, sondern müssten über das Projekt Zabergäubahn abgerechnet werden.
Ringen um Zabergäubahn: Neue Entwicklung kann Projekt gefährden
Das wiederum würde das Projekt, das in allen Anrainerkommunen Zustimmung gefunden hat, unwirtschaftlich machen und ihm mutmaßlich den Todesstoß versetzen. „Das kann ich so nicht akzeptieren“ macht Hermann eine deutliche Ansage an die Bahn. „Es ist ärgerlich, dass wir mit der DB nicht vorankommen trotz aller schönen Worte.“
Große Infrastrukturprojekte müssen die Kriterien einer sogenannten Standardisierten Bewertung erfüllen. Maßgeblich ist der wert eins. Das heißt: Ein Euro Investitionen müssen mindestens einen Euro gesellschaftlichen Nutzen bringen, sonst taugt ein Vorhaben aus Sicht der Fördergeldgeber aus Bund und Land nichts.
Sehr zur Freude der Befürworter hat die Zabergäubahn diese Hürde 2023 mit Bravour genommen. So erreicht die Reaktivierung der Strecke je nach Variante einen Kosten-Nutzen-Faktor von 1,42 oder sogar 1,94. Das sind überragende Werte, die dem Projekt Rückenwind geben müssen. Der Idealfall ergab sich für einen 30-Minuten-Stadtbahntakt von Zaberfeld über Lauffen und Heilbronn bis Neckarsulm.
Reaktivierung der Zabergäubahn: Bahn verweist auf Gespräche mit neuer Regierung
Die teure Stellwerk-Rechnung würde das Traumergebnis vermutlich ins Gegenteil kehren. Für die seit langem aufgegeben Bahn durchs Zabergäu existiert noch eine Trasse, sie gehört der Deutschen Bahn. Regionale Akteure hatten Interesse an einem Modell gezeigt, die Strecke zu übernehmen und etwa in einen Zweckverband zu überführen. Die DB hat immer betont, dass sie die Strecke lieber behält. „Die Bahn“, so Minister Hermann, „war nicht bereit, die Strecke abzugeben, aber sie hat auch nichts getan, um die Reaktivierung voranzubringen.“
Zu aktuellen Aussaqen rund um den Digitalen Knoten und den Zusammenhang mit dem Zabergäuprojekt nennt die Deutsche Bahn auf Nachfrage keine Details. Noch sei der Gremienvorbehalt nicht aufgehoben, heißt es aus der Konzernzentrale in Berlin: „Die Finanzierung muss auf Basis des Bundeshaushaltes 2025 – insbesondere der Mittel für die Digitalisierung - mit der neuen Bundesregierung abschließend geklärt werden.“
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