Gefrorene Seen in der Region Heilbronn: Warum Tauwetter lebensgefährlich ist
Auch nach mehreren kalten Tagen ist es gefährlich, gefrorene Seen zu betreten. Auf dem Kurparksee in Bad Rappenau simuliert die DLRG-Ortsgruppe den Ernstfall. Und gibt Tipps, wie man bei Lebensgefahr reagieren sollte.
Erst knackt es verdächtig, dann bricht das Eis durch – und von nun an zählt jede Sekunde. Wer sich in diesen kalten Tagen zum Schlittschuhfahren oder vermeintlich lustigen Schlittern auf die zugefrorenen Seen der Region wagt, kann sich in Lebensgefahr begeben. Meist ist das Eis zu dünn, um sicher und gefahrlos auf den Gewässern unterwegs zu sein.
Es obliegt den Kommunen, Seen fürs Schlittschuhlaufen freizugeben. Beispielsweise geben aber weder die Stadtverwaltungen in Eppingen noch in Heilbronn Grünes Licht für die gefahrlose Nutzung. Auf dem Katzenbachsee in Pfaffenhofen und auf der Ehmetsklinge in Zaberfeld ist das Eislaufen generell verboten. Mancherorts drohen beim Betreten nicht freigegebener Eisflächen Strafen von bis zu 100.000 Euro.
Region Heilbronn: Eisschicht ist meist zu dünn zum Schlittschuhfahren
Manuela Röser schlüpft in ihren Neopren-Anzug, setzt sich ihren Helm auf, sichert sich mit einem Seil und robbt auf den gefrorenen Kurpark-See in Bad Rappenau hinaus. Am Dreikönigs-Morgen veranstaltet das Team der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), Ortsgruppe Bad Rappenau aus dem DLRG-Bezirk Heilbronn, eine Eisrettungsübung auf dem See.
„Die theoretischen Eisrettungs-Maßnahmen sind Teil der Grundausbildung bei uns“, erklärt Felix Krugmann. „Wichtig ist aber, dass wir das Ganze auch in der Praxis durchführen. Daher nutzen wir die heutige Kälte, um im Ernstfall vorbereitet zu sein“, sagt der Einsatzleiter. Vielfach in der Region haben die Menschen am Dreikönigstag die weiße Pracht genossen.
Ein erster Blick zeigt: Mit nicht einmal zehn Zentimetern ist die Eisschicht auf dem Kurparksee zu dünn. „15 Zentimeter sollten es mindestens sein“, erläutert Krugmann. In die Mitte des Sees hat das DLRG-Team ein Loch geschlagen. Abwechselnd begeben sich mehrere Mitglieder wie Manuela Röser kurz und abgesichert ins Wasser – und lassen sich dann übungshalber wieder retten.
Eisrettung bei Frost: Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und DLRG
Röser berichtet: „Wichtig für uns Retter ist es, uns selbst zu sichern. Angeseilt und mit dem sogenannten Sled, dem Rettungsboard, nähern wir uns robbend oder rutschend der Einbruchsstelle und ziehen den Verunglückten heraus.“ Übungseinsätze wie am Dienstagmorgen sind wichtig für die Routine. „Jeder weiß, was er zu tun hat. Aber je öfter wir die Gefahrensituation simulieren, desto sicherer werden wir.“
Im Eis-Ernstfall geht der erste Notruf an die Feuerwehr. Krugmann: „Bei der Eisrettung arbeiten die Teams von DLRG und der örtlichen Feuerwehr in der Regel zusammen.“ Dabei muss es schnell gehen. „Unter dem Eis ist das Wasser etwa zwei, drei Grad Celsius kalt. Schon nach wenigen Minuten beginnt bei dem Eingebrochenen das Kältezittern. Dann setzen Schmerzen ein und es kommt zu Wahrnehmungs- und Bewusstseinsstörungen. Man kann auch unter die Eisdecke gelangen und die Orientierung verlieren“, berichtet Felix Krugmann. Spätestens dann herrscht akute Lebensgefahr.
Bei Durchbruch auf gefrorenem See: So sollte man reagieren
Krugmann: „Sobald das Eis knackt, sollte man sich flach hinlegen.“ Wenn man doch durchbricht, sollte man versuchen, mit den Beinen das hintere Ende der Eisfläche zu erreichen und sich so über Wasser zu halten. Falls das Eis immer wieder durchbricht, kann man sich retten, indem man das Eis durchbricht, um so zum nächstgelegenen Ufer zu gelangen.
Die besonders kritische Phase für die Lebensretter beginnt, wenn es nun wieder wärmer wird. Felix Krugmann: „Am Start und am Ende von Kälteperioden ist das Eis am dünnsten und die Einbruchgefahr am größten.“ Vor allem am Rand von Gewässern und in der Nähe von Zu- und Abflüssen gilt ganz besondere Vorsicht.
Klare Empfehlung: Nie alleine aufs Eis gehen
Milena Schmidt wärmt sich nach ihrem Ausflug ins Wasser auf. Noch zittert sie. Erst wenige Minuten zuvor haben ihre Team-Kollegen der DLRG-Ortsgruppe Bad Rappenau die junge Frau in der Simulation aus dem eisigen Nass des Kurparksees gerettet. „Die Übung hat Spaß gemacht“, sagt Schmidt. „Dank des Neopren-Anzugs ist es nicht ganz so kalt gewesen, und aufgrund unserer Sicherungsmaßnahmen habe ich mich nie ernsthaft gefährdet gefühlt.“
Aus der Übung nimmt Schmidt eine wichtige Erkenntnis mit: „Sich allein zu befreien, ist nur ganz schwer machbar. Wenn einem niemand heraushilft, wird es schnell ganz, ganz eng.“ Gerade deshalb sollte man auch offiziell freigegebene Eisflächen nie ohne Begleitung betreten.
Fotos vom Eislaufen früher gesucht
Aktuell sind einige Seen in der Region fürs Eislaufen freigegeben. Das ist nicht oft der Fall. Deshalb sucht das Bürgerportal Meine Stimme Fotos vom Eislaufvergnügen früher - egal ob in Heilbronn, im Landkreis oder Hohelohekreis. Wer hat Motive vom Schlittschuhfahren oder schöne Erinnerungen ans Eislaufen auf Seen oder anderen Natureisbahnen in der Region?
Das Mitmachen ist einfach: Auf meine.stimme.de registrieren und einen Beitrag erstellen. Alle Infos und die Mitmachmöglichkeit sind unter dem Beitrag mit dem Link meine.stimme.de/272935 zu finden. Das Archiv der Heilbronner Stimme hat dazu einige historische Fotos rausgesucht. Auch diese sind im Beitrag und in unserer historischen Bildergalerie zu bewundern.
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