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Stiftung stellt Wundine zur Verfügung

Wenn es kein Hallenbad gibt: Modernes Projekt bringt Schwimm-Unterricht nach Jagsthausen

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Wenn für die Kinder anderweitig keine Beckenzeiten frei sind, dann muss das Hallenbad eben zu den Schülern kommen. Die Resonanz ist eindeutig.

Die Zweitklässler Linus und Aron lernen unter professioneller Anleitung sichere Schwimm- und Tauchbewegungen im Wasser kennen. Foto: Seidel, Ralf
Die Zweitklässler Linus und Aron lernen unter professioneller Anleitung sichere Schwimm- und Tauchbewegungen im Wasser kennen. Foto: Seidel, Ralf  Foto: Seidel, Ralf

Plätschern und vergnügte Rufe erklingen aus dem Innern des 13,5-Meter-Containers. „Das ist toll hier“, sagt Aron prustend. Sein Klassenkamerad Linus, der ebenfalls eine Schwimmbrille trägt, ergänzt: „Ich fühle mich im Wasser schon viel sicherer.“ Die beiden Zweitklässler der Jagsthausener Grundschule haben an diesem Morgen Schwimmunterricht in der Wundine – einem Schwimmmobil, das in einem Lkw-Auflieger untergebracht ist. Dieser befindet sich seit Anfang Februar für zehn Wochen auf dem Grundschul-Gelände.

Und er ist dringend notwendig: Von den rund 6.000 Hallen- und Freibädern in Deutschland schließen jährlich etwa 80. Viele Schwimm-Einrichtungen sind sanierungsbedürftig, es fehlt an Personal. Kindern Schwimm-Kompetenzen beizubringen, die lebensentscheidend sein können, ist vor diesem Hintergrund nicht einfach. Deutschlandweit kann jedes zweite Kind nach dem Abschied aus der Grundschule nicht sicher schwimmen.

Anlass zur Sorge: Immer weniger Kinder können schwimmen

Sehr angespannt ist die Situation im Ländlichen, wie Jagsthausens Bürgermeister Roland Halter erklärt: „Für unseren Schwimm-Unterricht haben wir versucht, in den Bädern in Möckmühl, Öhringen und Niedernhall Beckenzeiten zu bekommen. Ohne Erfolg.“ Dabei ist ein sicherer Aufenthalt im und am Wasser in Jagsthausen sehr wichtig. „Wir haben die Jagst direkt vor der Haustür. Die Kinder zieht es an den Fluss“, sagt Grundschulleiterin Anja Strauß. „Der Gedanke, dass es immer mehr Nichtschwimmer gibt, ist Anlass zur Sorge.“

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Wenn die Kinder nicht zu den Bädern kommen können, kommt das Bad eben zu den Kindern. Die Wundine ist ein Projekt der Josef-Wund-Stiftung. Das Edelstahl-Becken im Container ist sechs Meter lang, zwei Meter breit, 1,1 Meter tief und fasst 13.000 Liter Wasser. In einem abgetrennten Bereich befindet sich eine Wasseraufbereitung mit Wärmepumpe. Dazu hat die Wundine Umkleideräume und Duschen zu bieten.

Josef-Wund-Stiftung stellt Gemeinden Wundine kostenlos zur Verfügung

Doch nicht nur die Wassertemperatur ist mit 31 Grad Celsius angenehm – auch die Konditionen kommen den Gemeinden, die den Wundine-Zuschlag erhalten, entgegen. „Die Stiftung stellt uns die Wundine kostenlos zur Verfügung. Auch die sechs Schwimmlehrer werden gestellt. Unsere Gemeindekasse muss jedoch für die Energie, das Wasser und die Reinigung aufkommen“, berichtet Nadja Niemann von der Tourist-Info Jagsthausen.

Ein Wasserwärter nimmt jeden Morgen eine Probe aus dem Becken, prüft die pH- und Chlor-Werte. Die Bauhof-Mitarbeiter sind in Bereitschaft falls es technische Probleme gibt. Jeden Abend desinfiziert eine Reinigungskraft die Wundine. Die Gemeinde mit der Götzenburg ist die erste Wundine-Station im Landkreis Heilbronn. Bürgermeister Halter freut sich: „Wir haben uns beworben – und den Zuschlag erhalten.“

Wundine in Jagsthausen wird zum interkommunalen Projekt

Allerdings beschränkt sich der Schwimmunterricht nicht auf Jungen und Mädchen aus Jagsthausen. Halter: „Die Wundine ist für uns ein interkommunales Projekt. Auch Kinder der Grundschulen in Schöntal und Widdern nutzen sie.“ Darüber hinaus nehmen Kinder aus Schwimmkursen der Volkshochschule teil. Der Badebetrieb findet montags bis freitags von 8 bis 18.30 Uhr statt. Die Schwimmlehrer betreuen bis zu sechs Kinder gleichzeitig.

Der gesamte Wundine-Container ist 13,5 Meter lang. Foto: Ralf Seidel
Der gesamte Wundine-Container ist 13,5 Meter lang. Foto: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

„Pro Woche nehmen 162 Kinder an den Schwimmangeboten teil“, berichtet Stephanie Spohner. Sie ist stellvertretende Leiterin der Deutschen KinderSportAkademie GmbH, dem Wundine-Projektpartner der Josef-Wund-Stiftung. An den Schwimmkursen können nur Kinder im Alter von vier bis neun Jahren mitmachen, die sich noch nicht sicher im Wasser aufhalten können.

Mobiles Schwimmbad Wundine noch bis 16. April in Jagsthausen

Grundschul-Rektorin Anja Strauß betont: „Die Kinder lernen hier in der Wundine noch kein richtiges Schwimmen. Das Becken ist eher wie eine große Badewanne. Lange Bahnen können sie hier nicht ziehen. Aber sie lernen, sich an das Wasser zu gewöhnen. Das ist eine wertvolle Basis, um im Hallenbad tatsächlich schwimmen zu lernen.“

Strauß hat auch schon Kinder beobachtet, die sich vor ihrem ersten Unterricht in der Wundine vor Wasser gefürchtet haben. Nach der Schwimmstunde seien sie gestärkt aus dem Container gekommen. Strauß: „Solche Erfahrungen sind wichtig fürs Selbstbewusstsein.“ Noch bis zum 16. April, dem Mittwoch vor Ostern, ist das mobile Hallenbad in Jagsthausen stationiert. Zweitklässler Aron möchte noch gar nicht daran denken: „Wenn die Wundine weg ist, bin ich traurig. Sie darf gerne für immer hier bleiben.“ 

Josef-Wund-Stiftung

Der auch als „Bäderkönig“ bezeichnete und 2017 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommene Architekt und Unternehmer Josef Wund hat die Stiftung 2015 gegründet, um seine Unternehmensnachfolge zu regeln. Die Stiftung fördert Projekte aus den Bereichen Bildung, Gesundheit und Kreativität. Bei den unterstützten Aktivitäten bildet das Thema Wasser den roten Faden. Derzeit unterhält sie vier Wundine-Schwimmmobile. Der Umbau eines Aufliegers zu einem fahrbaren Hallenbad kostet rund 250.000 Euro. Die Thermengruppe Wund betreibt unter anderem die Badewelt Sinsheim sowie die Therme in Erding.

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