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Schwimmunterricht im Landkreis Heilbronn

Rollendes Schwimmbad als Dauereinrichtung?

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Immer weniger Grundschulkinder können schwimmen, und viele Schulen können keinen Schwimmunterricht anbieten. Soll der Landkreis Heilbronn helfen, das Problem zu lösen und ein Becken auf Rädern anschaffen? 

So sieht es in einer Wundine aus. Demnächst macht einer der mobilen Pools in Jagsthausen Station – ist es ein Modell für den ganzen Landkreis?
So sieht es in einer Wundine aus. Demnächst macht einer der mobilen Pools in Jagsthausen Station – ist es ein Modell für den ganzen Landkreis?  Foto: Archiv/Gajer

Immer weniger Kinder können schwimmen. Schafft der Landkreis Heilbronn daher ein mobiles Becken an, das an verschiedenen Orten Station macht? Das Landratsamt erhebt derzeit den Bedarf und prüft, ob diese Idee der CDU-Kreistagsfraktion umsetzbar ist.

„Die Zahl der Grundschulkinder in Deutschland, die nicht schwimmen können, hat sich verdoppelt“, schreibt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG auf ihrer Homepage. Sie bezieht sich auf eine Umfrage, die sie 2022 in Auftrag gab. Demnach können 20 Prozent der Kinder zwischen sechs und zehn Jahren nach Elternangaben nicht schwimmen. Fünf Jahre zuvor waren es nur zehn Prozent gewesen.

Warum Schwimmunterricht nicht stattfindet: Das sind die Gründe

Der Rückgang 2022 hat mit der Pandemie zu tun, als viele Schwimmkurse, zum Beispiel bei Vereinen, nicht stattfinden konnten. Ein weiteres Manko ist, dass viele Schulen keinen Schwimmunterricht anbieten – nach Kenntnis der CDU im Kreistag ist das in jeder fünften Grundschule im Land der Fall. Die Schulen müssten es zwar, aber viele können es nicht. Die wenigsten Orte haben Schwimmbäder, manchmal sind Fahrten schwierig zu organisieren, es fehlt an ausgebildeten Lehrern, oder die Bäder, die es gibt, platzen aus allen Nähten. „Bei uns schwimmen Kinder von acht Schulen“, sagt Matthias Schmitt, Bürgermeister in Oedheim. Die Kommune ist eine der wenigen im Landkreis mit Hallenbad.

Schmitt ist auch Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag und war gleich angetan von der Idee des Fraktionskollegen und Eberstädter Bürgermeisters Patrick Dillig, das Thema Schwimm-Mobil auf die Agenda des Landkreises zu setzen.

Eine „Wundine on wheels“ von außen. Sie ist auf einen Lkw-Auflieger montiert. Die Aufnahmen stammen von einem Einsatz in Marbach im Landkreis Ludwigsburg.
Eine „Wundine on wheels“ von außen. Sie ist auf einen Lkw-Auflieger montiert. Die Aufnahmen stammen von einem Einsatz in Marbach im Landkreis Ludwigsburg.  Foto: Archiv/Gajer

Mobiles Schwimmbad kommt im Januar nach Jagsthausen

Die Josef-Wund-Stiftung mit Sitz in Stuttgart schickte vor wenigen Jahren ihre erste „Wundine on wheels“ auf Tour: ein zwei mal sechs Meter großes Lehrschwimmbecken auf sechs Rädern. Dazu wurde ein Lkw-Auflieger umgebaut und mit allem ausgestattet, was so ein Mini-Schwimmbad braucht. Es fährt zu Schulen und Kitas und macht jeweils mehrere Wochen samt Fachpersonal Station – ab Januar in Jagsthausen. Grundschulrektorin Anja Strauß freut sich schon darauf. Ihre Schule ist die erste im Landkreis Heilbronn, die in den Genuss des Schwimm-Mobils kommt. Die Nachfrage ist enorm, weshalb inzwischen mehrere Wundines im Einsatz sind. Ab Frühjahr 2025 sollen in vier rollenden Bonsai-Bädern etwa 2500 Kinder pro Jahr in Kleingruppen ans Wasser gewöhnt und ans Schwimmen herangeführt werden.

Wenn es nach der CDU-Kreistagsfraktion geht, könnte das Erfolgsmodell im Landkreis zur ständigen Einrichtung werden. Denn die Josef-Wund-Stiftung koordiniert nicht nur ihre Bädermobile, sie sieht sich auch als Impulsgeber. „Pläne und Know-how für den Bau der Schwimm-Mobile könnten weitergegeben werden“, schreibt die CDU in ihrem Prüfantrag. „Die Kosten für den Bau eines Schwimm-Mobils bewegen sich laut Stiftung zwischen 400 000 und 500 000 Euro.“

Landratsamt Heilbronn fragt den Bedarf nach rollenden Pools ab

Das Landratsamt fragt nun bei den 46 Kreiskommunen den Bedarf nach dem Unterstützungsangebot ab. Außerdem sollen Gespräche mit der Wund-Stiftung aufgenommen werden, um Kooperationsmöglichkeiten auszuloten. Falls viele Orte Bedarf haben, soll geprüft werden, „unter welchen Bedingungen der Landkreis ein eigenes Schwimm-Mobil anschaffen/bauen und betreiben kann“, heißt es im CDU-Antrag. In diesem Fall sollen Sponsoren/Stiftungen um Mithilfe gebeten werden. Fraktionschef Schmitt hofft auf Ergebnisse im Lauf des nächsten Jahres. Klar, Kindern schwimmen beizubringen, sei keine Pflichtaufgabe des Landkreises. „Aber es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, findet er.

Jagsthausens Grundschulrektorin Anja Strauß ist froh, dass Bürgermeister Roland Halter sehr engagiert war, um eine Wundine in die kleine Kommune zu bekommen. Die Gemeinde habe die Energiekosten zu tragen und sei für die Reinigung verantwortlich. Zwar ist das mehrwöchige Projekt auch für die Schule mit einigem organisatorischen Aufwand verbunden, denn es können immer nur sechs Kinder gleichzeitig ins Wasser. Aber es ist ein Aufwand, den sie gerne betreibt: „Es ist eine tolle Sache.“

„Es ist eine gute Sache, wo es keine andere Lösung gibt“, findet auch Markus Wenz, Leiter des Staatlichen Schulamtes Heilbronn. Noch lieber wäre ihm ein flächendeckender Unterricht in regulären Bädern.

Die Josef-Wund-Stiftung wurde 2015 von Unternehmer Josef Wund gegründet. Sie fördert Projekte und setzt eigene Projekte zum Thema Wasser um, etwa mit den mobilen Schwimmbecken. Die Wund-Stiftung wurde nach dem Tod von Josef Wund im Jahr 2017 zur Alleinerbin und Eigentümerin der Thermengruppe Josef Wund, zu der auch die Badewelt Sinsheim gehört.

„Der Schulamtsbezirk Heilbronn hat die wenigsten Schwimmstunden im Regierungsbezirk Stuttgart“, weiß Bürgermeister Patrick Dillig aus Eberstadt, Initiator des Antrags der CDU-Kreistagsfraktion. Das Staatliche Schulamt selbst kann auf Anfrage keine konkreten Zahlen nennen.

Was Schulschwimmunterricht betrifft, war Eberstadt bisher einer der weißen Flecken auf der Landkarte. Immerhin sei nun für die Viertklässler eine Lösung gefunden: Einmal pro Woche fahren sie ins Hallenbad nach Neckarsulm. Eine ausgebildete Schwimmtrainerin der Sport-Union unterstütze die Lehrerin, sagt Dillig. In Jagsthausen hatte sich Rektorin Anja Strauß nach eigenen Angaben immer wieder um Schwimm-Möglichkeiten in Öhringen und Möckmühl bemüht – vergeblich. „Beide Bäder sind so voll.“

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