Wer zahlt wie viel? Hausverwalter bemängeln Müllabrechnung im Landkreis Heilbronn
Künftig wird im Landkreis Heilbronn jede Leerung extra berechnet. Die mengenbezogene Abrechnung sei in Wohnanlagen aber „kaum umsetzbar“, da nicht ermittelt werden kann, wer wie viel Abfall produziert, bemängeln Hausverwalter.
Der Landkreis Heilbronn will ab 2026 ein neues Sammelsystem einführen. Um die individuellen Leerungen zu erfassen, werden im Lauf des Jahres die Behälter ausgetauscht. Der in den Tonnen enthaltene Chip wird am Müllfahrzeug ausgelesen. So kann ermittelt werden, welche Restmülltonne wie oft zur Leerung bereitgestellt wird.
Wer bisher sparen wollte, konnte dies mit einer eigenen Tonne und Banderolen für jede Leerung. Künftig werden die Behälter vom Landkreis gestellt, der kleinste mit 40-Litern fällt aber weg. Die Jahresgebühr wird nach der Größe der Behälter berechnet, und es zeichnet sich ab: Wer einen großen Behälter nur noch selten zur Leerung rausstellt, kommt günstiger weg.

Abfrage zur Größe der neuen Behälter: Landratsamt Heilbronn hat 113.000 Briefe verschickt
Die neuen Tonnen sollten jetzt schon bestellt werden. Dazu hat das Landratsamt 113.000 Briefe verschickt. „Das Problem dabei ist“, sagt Michael Neuheiser, Geschäftsführer der MITA Hausverwaltungsgesellschaft, „dass wir nicht immer wissen, wie viele Personen genau in den Wohnungen leben.“ Bei nahezu 18 000 Wohnungen, die MITA und andere Unternehmen verwalten, müsste man nun eine Abfrage machen. Daher haben viele Hausverwaltungen erst einmal Widerspruch gegen die „verbindliche Bestellung der Restabfallbehälter“ eingelegt, die bis 21. Februar erfolgen sollte.
Ein weitaus größeres Problem wird die leerungsbezogene Abrechnung sein. „Abfallschuldner sind die Eigentümer, nicht die Hausgemeinschaft“, stellt Rechtsanwalt Norbert Slomian klar. „Die Rechnung bekommt aber der Verwalter.“ Im Prinzip, so der Wunsch der Hausverwalter, sollte jeder Eigentümer eine eigene Rechnung bekommen.
Satz in Infoschreiben des Landratsamts Heilbronn sorgt für Unmut
Die Abrechnung erfordere zusätzliche Personalressourcen, befürchten die Verwalter. Daher habe ein Satz im Infoschreiben besonders für Unmut gesorgt: „Wie die Jahres- und Leerungsgebühren auf die Mitglieder verteilt werden, bleibt Sache des Verwalters.“ Die individuelle Aufschlüsselung der Kosten sei nicht leistbar und motiviere auch nicht zum „Müllsparen“. Hausverwalter Nils-Christian Vogel meint dazu: „Wie sollen wir das umlegen, wenn wir gar nicht wissen, wer wie viel Müll produziert hat?“
Allerdings ist das Heilbronner System gar nicht so ungewöhnlich, wie ein Blick in den Hohenlohekreis zeigt: „Bei Behältergemeinschaften erhält die Abrechnung der Vorstand der Behältergemeinschaft, das ist oft die Hausverwaltung. Bei Einzelveranlagung erhält jeder Haushalt einen eigenen Gebührenbescheid“, erklärt Anja Kohr von der Abfallwirtschaft. Nur wird in Hohenlohe die Grundgebühr anhand der Zahl der Haushalte berechnet und nicht wie im Landkreis Heilbronn geplant an den Personen.

Landratsamt Heilbronn: Die direkte Abrechnung ist nicht möglich
Beate Fischer, Leiterin der Abfallwirtschaft des Landkreises Heilbronn, vergleicht den „Grundstückstarif“ mit anderen Anschlusskosten wie für Wasser und Abwasser. Eine direkte Abrechnung mit den einzelnen Haushalten sei nicht möglich, da man zum Beispiel bei unterjährigem Mieterwechsel nicht informiert werde. „Wir haben diese Daten gar nicht.“
Mit der Umstellung auf die leerungsbezogene Abrechnung hoffe man auf mehr „Mülldisziplin“. „Es ist nicht per se so, dass in einer Wohnanlage schlechter getrennt wird“, betont Beate Fischer. Grundsätzlich könne auch in Wohnanlagen im Landkreis Heilbronn jeder Haushalt seine eigene Tonne bekommen. Voraussetzung dafür sei aber, dass es genügend Platz gebe.
Und hier tut sich ein weiteres Problem auf: „Wir müssen jetzt ja auch noch die neuen gelben Tonnen für Verpackungen unterbringen“, sagt Neuheiser. „Dafür haben wir schlichtweg nicht den Platz.“
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