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Starkregen-Szenario in Haßmersheim – Übung zeigt Brückenbau über den Neckar

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Ein Starkregen-Szenario trennt Haßmersheim von der Umgebung ab. In einer Großübung errichtet das Technische Hilfswerk eine schwimmende Brücke über den Neckar.

Von Ute Plückthun

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Die Situation ist dramatisch. Ein Starkregenereignis hat Haßmersheim komplett von der Umgebung abgeschnitten. Die Neckartalgemeinde ist nur noch über die Fußgängerbrücke zu erreichen. Kein Fahrzeug kommt mehr durch. Weder Privatleute noch Zulieferer. Vor allem auch keine Rettungskräfte.

Eine Lösung muss her, die das Technische Hilfswerk (THW) in kurzer Zeit sicherstellt.

Haßmersheim komplett abgeschnitten: THW übt erfolgreichen Brückenschlag über den Neckar

Das Szenario ist zum Glück nur ausgedacht. Zum Doppelgeburtstag: Seit 75 Jahren besteht das THW bundesweit, seit 60 Jahren der Ortsverband Haßmersheim. Dennoch ist die Situation realistisch, wie die Flutkatastrophe im Ahrtal gezeigt hat. „Brücken sind unheimlich wichtig für die Bevölkerung“, sagt der THW-Ortsbeauftragte Christian Kranz. Was zu tun ist, wenn sie fehlen, muss geübt werden.


Wie 1990, als das THW Haßmersheim das Großereignis als „Paradedisziplin der Fachgruppe Wassergefahren“ schon einmal auf die Beine gestellt hatte. Weil das nicht allzu oft vorkommt, sind 25 Ortsverbände aus fünf Bundesländern mit 300 Akteuren bei der Großübung mit von der Partie.

25 THW-Ortsverbände aus fünf Bundesländern bauen schwimmende Brücke über den Neckar in Haßmersheim

Zur Mittagszeit, als das Fest am Alten Fähranleger startet, haben die THW-Ortsverbände gute Vorarbeit geleistet. Pontonboote und Arbeitsplattformen sind zu festen Systemen montiert. Zu Wasser gelassen, sind aus den ersten bereits die Brückenköpfe an beiden Ufern gesetzt.

Gegen 14.30 Uhr wird es ernst. Bislang noch offen, schließen die restlichen Pontons den Neckar. Die THW-Ortsverbände aus Heilbronn und Wertheim sind mit Sicherungsbooten im Einsatz. „Falls während des Aufbaus jemand über Bord geht“, erklärt Kranz.

Große Begeisterung bei Zuschauern: Ehrenamtlicher Einsatz des THW beeindruckt Besucher

Zahlreiche Zuschauer verfolgen das Spektakel. Jutta Weber aus Neckarmühlbach wollte dem Chor Cantabile als einem der bewirtenden Vereine eigentlich nur einen Kuchen vorbeizubringen. Aus schnell wird nichts. „Total cool. Mit war gar nicht klar, wie das gemacht wird“, lobt sie den wichtigen Beitrag zum Katastrophenschutz. Sie sagt: „Bewundernswert, wenn Leute das in ihrer Freizeit machen.“

Mit dem Fahrrad ist Martin Ludwig aus Obrigheim herübergeradelt und stärkt sich beim Zuschauen mit Gyros vom Carneval Club. „Eine klasse Sache. Gut, dass es das THW gibt“, sagt er. Der Brückenschlag sei toll für die Kameradschaft des THW und das Fest für die Besucher ein schönes Gemeinschaftserlebnis.

Auch Liam (7) ist hin und weg. Seine Mama Mia Frey zählt auf, was er bis dahin schon allerhand erlebt hat. So ist er mit dem Pontonboot gefahren, hat die Riesenrutsche an Land ausprobiert, Kran und Bagger bestaunt sowie im Feuerwehrauto gesessen. Im Polizeifahrzeug durfte er sogar das Blaulicht einschalten.

Oma Hannelore Frey sagt zur Motivation, das Fest in direkter Nachbarschaft zu besuchen und später, wenn die Einsatzfahrzeuge die Schwimmbrücke erprobt haben, darüber zu flanieren: „Wir Haßmersheimer sind Neckarkinder. Wenn auf dem Neckar was los ist, sehen wir das gern.“ Wie schon 2024, als das U-Boot auf dem Weg nach Sinsheim Station einlegte.

Politik und THW-Spitze loben Einsatz in Haßmersheim: Ehrenamt als unverzichtbarer Teil des Bevölkerungsschutzes

Die spektakuläre Großübung lassen sich auch prominente Gäste nicht entgehen. Verbraucherschutzminister Peter Hauk und der Bundestagsabgeordnete Alexander Throm sind gekommen. Die THW-Präsidentin Sabine Lackner betont, dass die Aktion viel Technik, Ausrüstung und logistischen Aufwand erfordere. Hitze, Dürre oder die Flut vom Ahrtal mahnten, „nicht zu vergessen, in das Ehrenamt zu investieren“.

Dass 98 Prozent der Kräfte ehrenamtlich tätig sind, unterstreicht Innenminister Thomas Strobl. Der beeindruckende Brückenschlag verbinde Orte und Menschen. Das THW erbringe durch seine Hilfe einen „Dienst an der Demokratie“.

Landrat Achim Brötel kennzeichnet Haßmersheim als „das größte Schifferdorf Süddeutschlands“. Die Aktion sei ein „Sinnbild dafür, was gelingen kann, wenn Menschen es anpacken“. Auf den Brückenschlag Pons Nicerius MMXXV, den Ortsbeauftragten Christian Kranz und das im Ort fest verwurzelte THW sei er deshalb „stolz wie Bolle“.

„Blaue Meile“ und Brückenparty: THW und Vereine bieten abwechslungsreiches Programm für Besucher

Der Alte Fähranleger nach der U-Boot-Durchreise im Juli 2024 erneut als Festmeile. Bei der Ausstellung von Fahrzeugen und Gerätschaften der Rettungsdienste zeigte unter anderem der THW-Ortsverband Widdern das Abstützsystem Holz, wie es im Juni 2022 in Neuenstadt an einem einsturzgefährdeten Haus am Marktplatz zum Einsatz gekommen war.

Pfedelbach präsentierte den Brückenbaukran, der im Vorfeld dabei unterstützt hatte, die Pontonboote zu Wasser zu bringen. Vereine und Gastronomen waren mit Kulinarischem mit im Boot. Zudem gab es Bootsfahrten auf dem Neckar, eine Riesenrutsche an Land und zum Abschluss eine Brückenparty.

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