Stimme+
Zahlen
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

So oft wird Waffenbesitzern in der Region Heilbronn die Erlaubnis wieder entzogen

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Recherchen zeigen: Hunderte Waffen in Baden-Württemberg sind in der Hand von Extremisten, mitunter ganz legal. Auch in der Region gibt es immer wieder Fälle, in denen eine Waffenerlaubnis wieder entzogen wird.

Viele Menschen besitzen legal Schusswaffen und Schreckschusspistolen. Doch in manchen Fällen müssen Behörden die Erlaubnis wieder entziehen.
Viele Menschen besitzen legal Schusswaffen und Schreckschusspistolen. Doch in manchen Fällen müssen Behörden die Erlaubnis wieder entziehen.  Foto: Oliver Killig

Recherchen von NDR und WDR haben am Freitag für Aufsehen gesorgt. Demnach sind bundesweit mindestens 2500 Schusswaffen im Besitz von Extremisten wie Rechtsextremen, Neonazis und „Reichsbürgern“.

Auch die Zahlen in Baden-Württemberg sind hoch: Wie das Innenministerium auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt, wurden Ende 2024 insgesamt 214 Extremisten mit Waffenerlaubnis im Land verzeichnet – darunter 100 Personen, denen insgesamt 661 Schusswaffen gehören. Gegen einige laufe ein Verfahren, die Waffenerlaubnis und die Waffen wieder zu entziehen, betont ein Ministeriumssprecher allerdings.

710 Menschen in Heilbronn dürfen Waffen führen

Wie sieht die Lage in der Region aus? In der Stadt Heilbronn haben 710 Menschen legal eine Waffenbesitzkarte, darunter 290 Sportschützen und 340 Jäger. „Der Rest sind Altbesitzer, Händler, Vereine und Sammler“, erklärt Harald Wild vom städtischen Ordnungsamt. Die Zahlen seien in den vergangenen Jahren konstant.

Als zuständige Behörde überprüfe die Stadt Waffenerlaubnisse immer wieder, gemeinsam mit Polizei, Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz. So schreibt es das Waffengesetz vor. Wer Straftaten begeht oder aus anderen Gründen nicht mehr geeignet ist, eine Waffe zu besitzen, muss damit rechnen, dass die Waffenerlaubnis widerrufen wird. „In der Regel werden jährlich zwei bis drei Waffenerlaubnisse entzogen“, sagt Wild.

Zwei Waffenbesitzer in Heilbronn werden aktuell überprüft

Die Gründe dafür seien Verurteilungen über ein Jahr oder 60 Tagessätze sowie Alkohol, psychische Erkrankungen und Drogendelikte. Außerdem sei in jüngster Zeit ein Kleiner Waffenschein entzogen worden. Aktuell laufen in Heilbronn Verfahren gegen zwei Personen, deren Waffenerlaubnis überprüft wird, erklärt Wild.

Wer seine Waffenerlaubnis verliert, muss die Waffen zu einem bestimmten Datum abgeben und nachweisen, dass das passiert ist. „Bei Gefahr im Verzug werden die Waffen von Seiten des Ordnungsamtes beschlagnahmt und für die Zeit des Verfahrens beim Ordnungsamt eingelagert.“ Anschließend können sie verkauft oder vernichtet werden.

3240 legale Waffenbesitzer gibt es im Landkreis

Ein Sprecher des Landratsamts Heilbronn erklärt, es gebe aktuell 3240 Waffenbesitzer im Landkreis. Auch hier sind die Zahlen über die Jahre recht konstant, 2022 gab es etwa 3282 Waffenbesitzer. Wie genau sich die Zahlen auf Jäger und Sportschützen verteilen, könne nicht genannt werden, weil sich beides oft überschneide.

Ob sich Extremisten darunter befinden, gibt die Behörde auf Anfrage nicht an. 2025 und 2024 hat das Landratsamt keine Waffenerlaubnis entzogen, 2023 gab es sieben Fälle und 2022 einen Fall. Der Grund sei in jedem Fall die fehlende Zuverlässigkeit gewesen. Entsprechende Mitteilungen kämen in der Regel vom Landesamt für Verfassungsschutz, heißt es weiter.

Erlischt die Erlaubnis, müssen Besitzer ihre Waffe und Munition bis zu einer Frist abgeben, was überwacht und notfalls zwangsweise durchgesetzt wird.

Das Landratsamt im Hohenlohekreis konnte eine kurzfristige Anfrage unserer Redaktion am Freitag (01.08.) nicht beantworten.

Wer eine Waffe führen will, wird vom Verfassungsschutz überprüft

Das Landesamt für Verfassungsschutz wird immer angefragt, wenn jemand eine Waffenerlaubnis beantragt. Auch das sieht das Waffengesetz vor. Die Waffenbehörden – Städte und Landratsämter – müssen mit Hilfe der Behörde prüfen, ob es Gründe gibt, wegen derer eine Person keine Waffe besitzen sollte.

Seitens der Stadt Heilbronn gab es 2022, 2023 und 2024 jeweils drei solcher Anfragen, das Landratsamt Heilbronn fragte 15 Mal (2022), zwölf Mal (2023) und sieben Mal (2024) bei den Verfassungsschützern nach. Aus dem Hohenlohekreis kamen jeweils sieben, elf und vier Anfragen.

Verfassungsschutz meldet immer wieder Bedenken über Waffenbesitzer in der Region

Sollte der Verfassungsschutz später weitere Erkenntnisse erlangen, werde das den Städten und Landratsämtern „unverzüglich“ mitgeteilt, erklärt ein Sprecher. Die Behörden können daraufhin prüfen, ob sie die Waffenerlaubnis mit einem Prüfverfahren wieder entziehen.

In Heilbronn ist das 2023 und 2024 je einmal passiert, im Landkreis Heilbronn drei Mal im Jahr 2022, ein Mal im Jahr 2023 und drei Mal im Jahr 2024. Über Waffenbesitzer im Hohenlohekreis meldeten die Verfassungsschützer 2022 zwei Mal Bedenken an und 2023 in drei Fällen.

Verfassungsschutz erfährt nicht zwingend, ob Waffenerlaubnis bei Bedenken tatsächlich entzogen wird

Ob den entsprechenden Personen tatsächlich die Waffenerlaubnis entzogen wird, weiß der Verfassungsschutz nicht. In den vergangenen drei Jahren seien weit über 1000 Meldungen für ganz Baden-Württemberg verschickt worden. „Nicht in jedem Fall erfolgte seitens der Waffenbehörden eine Rückmeldung über den Fortgang.“

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben