SLK-Kliniken Heilbronn: Weniger klimaschädliches CO₂ dank neuem Narkosegas
Klimaschutz im Krankenhaus: Seit 2019 wird am Zentrum für Anästhesie ein neues Narkosegas eingesetzt. Chefarzt Henry Weigt zieht eine erste Bilanz.
Am Heilbronner SLK-Klinikum am Gesundbrunnen gilt das Nüchternheits-Dogma nicht mehr, andere Häuser ziehen bald nach. Und auch in Sachen Umweltschutz hat der Klinik-Verbund bereits vor einigen Jahren einen neuen Weg eingeschlagen.
Narkosegase sind großer klimaschädliche Posten – SLK zieht nach Änderung positive Bilanz
Für 5 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen ist die Medizin verantwortlich. Im Operationssaal sind Narkosegase der große klimaschädliche Posten, sie machen 50 Prozent der CO₂-Emissionen aus – und 35 Prozent der Emissionen eines gesamten Krankenhauses. Das muss sich ändern, beschlossen der Heilbronner Anästhesie-Chefarzt Professor Henry Weigt und die SLK-Umweltkommission 2019. „Diese harten Zahlen waren schon erschreckend, und wir haben uns überlegt, wie wir das abstellen können.“
Heute, fünf Jahre später, sagt Weigt: „Es ist uns gelungen, 95 Prozent weniger CO₂-Äquivalente zu erzeugen.“ Insgesamt 2538 Tonnen CO₂–Äquivalente seien so eingespart worden. Gleichzeitig seien die Kosten für die insgesamt 30.000 Narkosen, die jedes Jahr im SLK-Verbund gemacht werden, um zwei Drittel zurückgegangen. „Das kommt bei allen Beteiligten also sehr gut an“, sagt Weigt. „Bei gleicher Sicherheit für den Patienten haben wir die Kosten reduziert und die Emissionen auf fünf Prozent des Ausgangswerts gedrückt.“

SLK-Kliniken haben 2019 mit Umstellung auf anderes Narkosegas begonnen
Gelungen sei das vor allem durch die Umstellung auf ein anderes Narkosegas. Sevofluran bleibe im Vergleich zu seinem Vorgänger Desfluran deutlich kürzer in der Atmosphäre, erklärt der Chefarzt. Außerdem müsse weniger davon eingesetzt werden, denn die Wirkstärke ist anders. Weigt sagt, man müsse mit dem neuen Präparat zwar „etwas differenzierter arbeiten“ und brauche ein wenig mehr Erfahrung bei der Ausleitung der Narkose, aber der Effekt sei für die Profis kaum messbar und Patienten bemerkten ihn ohnehin nicht. Sehr viele andere Kliniken hätten ebenfalls schon umgestellt oder seien dabei, so Weigt.
Die Entwicklung in dem Bereich geht weiter: In einigen Jahren könnten Narkosegase recycelt werden, so die Vision. Firmen würden bereits an Verfahren arbeiten, mit denen ein Großteil der Gase wieder aufgefangen und dann aufbereitet werden kann.
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