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Reaktionen auf Bildungsreformen

Neues G9: Gymnasien in der Region Heilbronn sehen interessante Ansätze

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Das Kultusministerium hat kurz vor den Sommerferien Details bekanntgeben, wie das neunjährige Gymnasium zukünftig aussehen soll. Das sind Reaktionen dazu aus der Region.

von Simon Gajer und dpa

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Kurz vor den Sommerferien hat die Landesregierung mehrere Bildungsreformen auf den Weg gebracht. Dazu gehört auch die Rückkehr zum Gymnasium, das wieder in neun Schuljahren zum Abitur führen soll.

Los gehen soll es mit Fünfern und Sechsern ab dem Schuljahr 2025/2026. Erste Details liegen vor, wie das G9 inhaltlich neu justiert werden soll. Dazu gehört unter anderem: Mathe, Deutsch und die erste Fremdsprache werden in Fünf und Sechs gestärkt, die sogenannten MINT-Fächer und Demokratiebildung gewinnen an Bedeutung. 

Wie ist die Rückkehr zu G9 räumlich, personell und inhaltlich zu stemmen? Für den Weg zurück kamen pünktlich zum Ferienstart erste Ideen. 

Ab Herbst 2025 sollen Fünft- und Sechstklässler erst wieder nach neun Jahren an einem Gymnasium das Abitur machen.
Ab Herbst 2025 sollen Fünft- und Sechstklässler erst wieder nach neun Jahren an einem Gymnasium das Abitur machen.  Foto: Matthias Bein

"Die Vorschläge halte ich für gut", sagt Maximilian von der Herberg. Der Vorsitzende des Heilbronner Jugendgemeinderats ist Anhänger vom Abitur nach 13 Schuljahren, hat deshalb auch von einem allgemeinbildenden Gymnasium auf ein Wirtschaftsgymnasium gewechselt - zum einen wegen des Schwerpunkts, aber auch, weil es "nicht so stressig" sei. "Ich würde das immer wieder machen." Zudem lobt er, dass Stuttgart den MINT-Bereich ausbauen will. Den "vertieften Demokratieunterricht" begrüßt er ebenfalls.

G9 kommt zurück: Verband Bildung und Erziehung spricht von vorgezogenem Geschenk vor der Landtagswahl

Bis vor wenigen Tagen war der Frust an Gymnasien in der Region groß. Wohin die Reise mit dem G9 gehen soll, das war vielen ein Rätsel. Jetzt herrscht immerhin ein bisschen Klarheit, auch wenn die ganzen Details noch offen sind.


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Erste Details zum neuen neunjährigen Gymnasium: Das Kleingedruckte fehlt


"Erst einmal finde ich gut, dass die Infos gekommen sind", sagt Antje Kerdels, die das Robert-Mayer-Gymnasium in Heilbronn leitet und die Direktoren in der Region Heilbronn als Sprecherin vertritt. "Wir hoffen, dass noch Wesentliches nachgereicht wird." Gerade bis zu den Infoveranstaltungen im Spätjahr wäre es gut zu wissen, wann beispielsweise die zweite Fremdsprache hinzukomme. "Wir brauchen weitere Fakten." Einige Punkte seien gut, dazu gehört auch die Mentoring-Idee in den Übergängen.

Dass G9 im Herbst 2025 in den fünften und sechsten Klassen starten soll, ist für Matthias Schinko vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) nur ein vorgezogenes Geschenk vor der Landtagswahl, die 2026 ansteht.

VBE-Ansprechpartner im Schulamtsbezirk Heilbronn rechnet nicht mit Run auf Gymnasien 

Mit einem Run auf die Gymnasien rechnet der VBE-Ansprechpartner im Schulamtsbezirk Heilbronn nicht. „Die Real- und Gemeinschaftsschulen sind auch gut aufgestellt.“ Mit dem Schüler-Mentoring komme nun ein System an die Gymnasien, das es so schon an Gemeinschaftsschulen gebe. Schinkos Hoffnung insgesamt ist, dass die anderen Schularten nicht vergessen werden.

"Das sind alles gute Ziele", sagt Viviane Kalisch, Vorsitzende des Heilbronner Gesamtelternbeirats. Ihr fehlt allerdings noch, was das konkret für den Unterricht bedeutet. Und vor allem: Wer unterrichte es? Die Umstellung von G8 auf G9 sei eine Chance, "die Sinnhaftigkeit und Aktualität der Lehrpläne zu prüfen".

Eltern wollen G9 für alle: So geht es mit dem Volksbegehren weiter

Unterdessen steht eine Elterninitiative mit dem Vorhaben eines Volksbegehrens für eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium für alle Klassen womöglich vor dem Aus. Das Innenministerium in Stuttgart hat eine Zulassung abgelehnt, weil die Durchführung des geplanten Volksbegehrens nicht verfassungskonform sei.

Zudem sei der Antrag unzulässig, weil ihn nicht die dazu berechtigen Vertrauensleute des vorangegangenen Volksantrags gestellt hätten, hieß es. Die Elterninitiative kämpft für eine G9-Möglichkeit für alle Klassen. Mit dem Volksbegehren wollen die Eltern erreichen, dass alle Schülerinnen und Schüler am Gymnasium ab dem Schuljahr 2025/2026 die Möglichkeit bekommen, das Abitur in neun Schuljahren zu absolvieren.

Für die Elterninitiative „G9 jetzt! BW“ ist die Ablehnung „ein schwarzer Tag für über 100.000 Schüler“. Der Gesetzentwurf zum G9-Volksantrag fordere, das neunjährige Gymnasium in Baden-Württemberg wieder flächendeckend einzuführen und die laufenden G8-Klassen sofort zeitlich zu entlasten.

Dass dies möglich sei, zeigten 43 G9-Modellgymnasien im Land. Nachdem viele der 106.950 Unterzeichner des Volksantrags gerade für die Entlastung der aktuellen Schülergeneration unterschrieben hätten, habe die Elterninitiative nach der Ablehnung des Volksantrags dasVolksbegehren beantragt.

Auch in der Region Heilbronn haben Bürger die Initiative unterstützt. Die Heilbronnerin Hatice Simsek hat nach eigenen Angaben gut 500 Unterschriften zusammengebracht. „G8 drückt auf die Seele der Kinder“, sagt sie.

Dass das Land wieder G9 einführen will, beginnend mit den Fünfern, reicht ihr nicht. Noch gingen Kinder durch G8-Gymnasien. Sie erinnert an die Corona-Zeiten, den Lockdown mit geschlossenen Schulen. Kinder seien damals zu kurz gekommen. „Das soll gewürdigt werden.“

Das sind weitere Punkte

Rückkehr zu G9, Sprachförderung bei den Kleinsten und eine verbindlichere Grundschulempfehlung: Wenige Tage vor Beginn der Sommerferien hat die grün-schwarze Landesregierung mehrere Bildungsreformen auf den Weg gebracht.

Mit dem Gesetz soll ab dem kommenden Schuljahr in ein millionenschweres Paket zur Sprachförderung an Kitas und Grundschulen eingestiegen werden. Die Grundschulempfehlung soll verbindlicher werden. Künftig soll es ein Modell aus drei Komponenten geben: Lehrerempfehlung, Leistungstest und Elternwunsch.

Stimmen zwei aus drei überein, soll das den Ausschlag geben. Wollen die Eltern ihr Kind dennoch aufs Gymnasium schicken, muss das Kind künftig einen weiteren Test absolvieren. Verbindlich ist die Empfehlung allerdings nur für das Gymnasium. An den Realschulen soll die sogenannte Orientierungsstufe von zwei Jahren auf ein Jahr verkürzt werden. Den Werkrealschulabschluss will die Landesregierung abschaffen. Bestehende Werkrealschulen sollen als Standorte erhalten bleiben und entweder Verbünde mit Realschulen oder Gemeinschaftsschulen eingehen oder sich zu solchen weiterentwickeln. dpa

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