Der angeblich entsorgte Anhänger gehört dem Ruheforst-Geschäftsführer Hans-Sigmund Freiherr von Berlichingen und dient als Arbeitsgerät.
Foto: Hagmann, Daniel
Die beiden Briefe, die die Heilbronner Stimme erreichen, klingen alarmierend: Auf dem Gelände des Ruheforsts Jagsthausen sollen regelmäßig Abfälle entsorgt werden. In der Kapelle, in der üblicherweise Trauerfeiern stattfinden, sollen sich immer wieder Trunkenbolde zum Gelage treffen. Flaschen, Dosen und sonstige Abfälle bleiben zurück.
Trotz Rauchverbotsschilds werde auf dem Ruheforst-Gelände gequalmt. Laut der Leserbriefe sei der Boden zwischen den Bäumen mit Kippen und Taschentüchern übersät. Und auch Anzeichen, dass der Ruheforst, der etwa drei Kilometer nordwestlich von Jagsthausen liegt, von Zeitgenossen mit einem Schrottplatz verwechselt wird, wollen beide Briefschreiber wahrgenommen haben. Einer schildert, er habe auf dem Gelände „einen abgestellten, kaputten, verrosteten und zu einem Großteil von Pflanzen eingewachsenen landwirtschaftlichen Anhänger“ entdeckt. Der Zustand sei „desolat“.
Ruheforst-Betreiber kennt die Vorwürfe
Wie berechtigt sind die Vorwürfe? Bei unangekündigten Besuchen seitens der Redaktion auf dem Ruheforst-Gelände, nur wenige Kilometer von der Götzenburg Jagsthausen entfernt, zeichnet sich keineswegs ein desolates Bild. Die Kapelle wirkt gepflegt und sauber, ebenso wie die Wege zwischen den Bäumen, wo mittlerweile mehr als 1.500 Menschen ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.
In der Kapelle beim Ruheforst Jagsthausen sollen angeblich immer wieder Trinkgelage stattfinden. Bei Kontrollbesuchen wirkt der Ort sauber und gepflegt.
Foto: Hagmann, Daniel
Hans-Sigmund Freiherr von Berlichingen ist Geschäftsführer des Ruheforsts Jagsthausen. Ihm sind die schriftlichen Vorwürfe bekannt. Auch er hat die Briefe erhalten. Er sei nahezu täglich im Ruheforst unterwegs und kümmere sich um die Ordnung. Leere Bierflaschen habe er in der Kapelle noch keine entdeckt. Aber: „Es ist durchaus möglich, dass sich an diesem abgelegenen Ort Menschen zum Feiern treffen, auch wenn das aufgrund der Nähe der Ruhestätten pietätlos ist.“ Verhindern könne er das nicht, eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung sei nicht zu leisten.
Ruheforst Jagsthausen: Geschäftsführer sorgt täglich für Ordnung
Wenn er bei seinen Rundgängen Unrat entdeckt, sammele er diesen sofort ein, berichtet Freiherr von Berlichingen. „Gerade in oder nahe der Kapelle liegt schon mal ein Taschentuch. Das ist dann aber vermutlich im Zuge der Trauerfeier versehentlich aus der Tasche gefallen.“
Ruheforst Jagsthausen
Das Gelände des Ruheforsts Jagsthausen umfasst 6,5 Hektar und ermöglicht Bestattungen mitten in der Natur. Der Mischwald besteht aus Eichen und Buchen. Ein Baum bietet bis zu zwölf Urnenplätze. Im Vergleich zu konventionellen Friedhöfen dient der Baum als Grabstein-Ersatz. Dort befinden sich die Tafeln mit den Namen der Bestatteten. Die Verstorbenen, die im Friedwald Jagsthausen ihre letzte Ruhe finden, haben in der Regel im Umkreis von 30 Kilometern gelebt. Ruheforst-Geschäftsführer Hans-Sigmund Freiherr von Berlichingen und sein Team betreuen jährlich etwa 100 Beisetzungen auf dem Gelände des Friedwalds.
Auch dem Rauchverbot widersetzen sich manche Besucher des Ruheforsts Jagsthausen, trotz des Hinweises auf das Verbot. Gerade im Zusammenhang mit der Waldbrandgefahr sei das besonders heikel. „Wenn ich jemanden rauchen sehe, weise ich ihn auf das Verbot hin. Und Kippen entsorge ich sofort, wenn ich welche sehe“, sagt von Berlichingen.
Lärm und Gegröle im Ruheforst Jagsthausen?
Ihm liegt noch ein weiterer – diesmal anonymer – Brief vor, in dem der Verfasser von „übertriebenem Lärm und schreienden Ruheforst-Besuchern“ berichtet. Freiherr von Berlichingen sind solche angeblichen Krachorgien noch nicht aufgefallen. Und auch in Gesprächen mit den Besuchern habe sich noch niemand diesbezüglich beschwert.
„Ich betreibe den Ruheforst seit 2007. Die Rückmeldungen der Menschen sind durchweg positiv. Sie empfinden den Ruheforst als einen angenehmen Ort, um an ihre verstorbenen Freunde und Angehörigen zu denken.“ Dem Geschäftsführer sind keine weiteren Beschwerden bekannt. Freiherr von Berlichingen betont: „Ich bin darüber enttäuscht, dass jemand die Zustände derart übertrieben darstellt – auch gegenüber der Presse.“
Ruheforst Jagsthausen: Vermeintlicher Schrott ist in Wahrheit Arbeitsgerät
Und was hat es mit dem angeblichen Schrott-Anhänger auf sich? Bei Betrachtung vor Ort entpuppt der sich in deutlich funktionsfähigerem Zustand, als in den Briefen behauptet. „Der Anhänger gehört mir“, berichtet Hans-Sigmund Freiherr von Berlichingen. „Es handelt sich um einen ehemaligen Miststreuer, der keinen eigenen Motor hat.“ Zweimal im Jahr hängt er das Arbeitsgerät an einen Traktor und verteilt damit im Schritttempo Hackschnitzel auf den Ruheforst-Wegen.
„Der Wald befindet sich im Freiherrlich von Berlichingen’schen Besitz und da es sich um einen rein mechanischen Anhänger handelt, der auch kein Öl verlieren kann, darf ich ihn hier aufbewahren“, erklärt von Berlichingen. Den Stellplatz am Rande des Ruheforsts habe er gewählt, da er dort den üblichen Betrieb nicht behindert. Hans-Sigmund Freiherr von Berlichingen: „Dass sich jemand an diesem Detail stört, kann ich nicht wirklich nachvollziehen.“
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