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Vater holt Lea Bunse in Syrien ab
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Bei Drohnenangriff verletzt: Aktivistin aus Eberstadt zurück in Deutschland

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Die aus Eberstadt stammende Menschenrechts-Aktivistin Lea Bunse ist aus Syrien nach Deutschland zurückgekehrt. Sie war bei einem mutmaßlichen türkischen Militärangriff schwer verletzt worden.


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Die bei einem mutmaßlichen Drohnenangriff des türkischen Militärs in Nordost-Syrien verwundete Aktivistin Lea Bunse aus Eberstadt ist jetzt nach Deutschland zurückgekehrt. Am Dienstagabend, 22. April, kam ihr Flieger in Stuttgart an. Vater Volker Bunse war Anfang April in den Irak gereist und begleitete seine Tochter auf dem Rückweg von Syrien über den Irak nach Deutschland. Die 27-Jährige war bereits im Januar am Tischrin-Staudamm bei einer Mahnwache durch eine Explosion schwer verletzt worden.

„Mir geht es den Umständen entsprechend gut“, sagt Lea Bunse am Tag nach ihrer Rückkehr. Sie fokussiere sich nun erst einmal auf ihre Genesung, andere Pläne habe sie noch nicht. Sie habe Syrien wehmütig verlassen und hoffe, dass sich die Situation vor Ort weiter entschärfe. „Ich hoffe auf einen echten Friedensprozess“, sagt sie. Es sei zwar noch nicht ganz durchgestanden, aber sie sei guter Dinge. Die politische Entwicklung in Nordost-Syrien liege ihr sehr am Herzen.

Eberstädterin in Syrien verletzt: Konsulat in Erbil war bei Rückreise behilflich

Volker Bunse (60) berichtet, die Rückreise letztlich ohne Probleme verlaufen. Syrische Freunde hätten sie bei vielem unterstützt, auch das deutsche Konsulat in Erbil in der Autonomen Region Kurdistan im Irak sei behilflich gewesen.

Glücklich vereint:
Volker und Tochter Lea Bunse kurz vor Abflug am Flughafen in Erbil.
Glücklich vereint: Volker und Tochter Lea Bunse kurz vor Abflug am Flughafen in Erbil.  Foto: privat

Eine Verletzung an der Hauptschlagader im Bauch von Lea Bunse ist nach wie vor nicht richtig verheilt. Bei Operationen in Syrien war ein Splitter bewusst in ihrem Bauch belassen worden. Seine Tochter tue sich schwer, viel zu laufen oder Treppen zu steigen, berichtet Volker Bunse. Die Familie setzt nun auf die medizinische Versorgung in Deutschland. Zahlreiche Arztbesuche stehen an, darunter bei Gefäßchirurgen an der Uniklinik München. Eventuell wird der Splitter hier operativ entfernt werden.

„Zum Glück geht es Lea soweit gut, dass wir voraussichtlich nicht notfallmäßig ins Krankenhaus müssen“, sagt Mutter Monika Bunse (63), die ihre Tochter am Dienstag am Stuttgarter Flughafen in Empfang nahm. Lea könne nun die Arzttermine nach und nach abarbeiten. Nach Heilbronn zurückzukehren, um sich medizinisch behandeln zu lassen, war für die aus Eberstadt stammenden Lea Bunse zunächst keine Option. Sie hatte sich dann aber von ihrem Umfeld in Syrien überzeugen lassen.

Monika Bunse wartete am Flughafen in Stuttgart auf die Ankunft ihrer Tochter Lea, die aufgrund ihrer Verletzung im Rollstuhl geschoben wird.
Fotos: privat
Monika Bunse wartete am Flughafen in Stuttgart auf die Ankunft ihrer Tochter Lea, die aufgrund ihrer Verletzung im Rollstuhl geschoben wird. Fotos: privat  Foto: privat

Eberstädterin bei Drohnenangriff verletzt: Lea Bunse sieht ihren Einsatz für Menschenrechte als Erfolg – trotz Verletzung

Bunse sieht sich selbst nicht als prokurdische, sondern als Menschenrechtsaktivistin. Bei der Mahnwache am Tischrin-Staudamm, der am Euphrat, habe man sich Lea Bunse zufolge friedlich für den Erhalt lebenswichtiger Infrastruktur eingesetzt. Die Türkei äußerte sich nicht zu dem Vorwurf, für einen Drohnenangriff verantwortlich zu sein.

Er sei immer wieder gefragt worden, ob es das für seine Tochter wert sei, sich unter solchen Bedingungen für friedliche und demokratische Verhältnisse einzusetzen, sagt Volker Bunse. Wenn ein Ende von Angriffen das Ergebnis dieses Einsatzes sei, dann ja, meint er. Sowohl er als auch seine Tochter Lea glauben, dass auch internationaler Aufmerksamkeit bedingt durch Verletzungen deutscher Aktivisten zu einer Beruhigung des Konflikts beigetragen hätten. Wären nur „Syrer“ verletzt worden, hätte das vermutlich kaum jemanden interessiert, ist Volker Bunse überzeugt. „Schlimm genug“, sagt er.

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