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Mahnwache in Nordsyrien
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Aktivistin aus Eberstadt bei Drohnenangriff verletzt: „Sende Grüße in die ganze Welt"

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Lea Bunse aus Eberstadt im Landkreis Heilbronn ist bei einer Explosion in Nordsyrien verletzt worden – offenbar nach einem Drohnenangriff. Ihre Eltern, die in Heilbronn leben, sind in Sorge. 


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Offenbar durch herumfliegende Splitter ist die aus Eberstadt im Landkreis Heilbronn stammende prokurdische Aktivistin Lea Bunse (27) am Dienstagnachmittag in Nordsyrien verletzt worden. Wie es auf der Webseite der Nachrichtenagentur ANF heißt, soll der Verletzung ein Drohnenangriff vorausgegangen sein. Türkische Armee und Angehörige der Miliz „Syrisch Nationale Armee“ sollen für den Angriff verantwortlich sein.

Aktivistin aus Eberstadt im Landkreis Heilbronn bei Drohnenangriff verletzt

ANF-News ist eine kurdische Nachrichtenagentur, die als PKK-nah gilt. Eine Bestätigung des Auswärtigen Amts zur verletzten Deutschen gab es zunächst nicht. Am Nachmittag teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts auf Nachfrage unserer Zeitung allerdings mit: „Dem Auswärtigen Amt sind die Berichte über einen Drohnenangriff auf den Tischrin-Staudamm bekannt. Wir gehen diesen mit Hochdruck nach.“

Lea Bunse in einem auf X verbreiteten Video.
Lea Bunse in einem auf X verbreiteten Video.  Foto: privat

Die kurdische Nachrichtenagentur ANF berichtet, eine Friedenswache an der Tischrin-Talsperre sei bombardiert worden. Die Demokratische Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien zeige sich entsetzt über fortgesetzte Angriffe auf die Talsperre, heißt es weiter. Die Mahnwache setzte sich für den Erhalt lebenswichtiger Infrastruktur ein und diese zu bombardieren, sei ein „abscheuliches Kriegsverbrechen“. Die Türkei äußerte sich nach Angaben der Deutschen Presse Agentur bisher nicht zu dem Bericht.

Aktivistin Lea Bunse aus Eberstadt bei Heilbronn: „Menschen sind hierhergekommen, um sich für Frieden einzusetzen“

In einem Video ist Lea Bunse mit blutleeren Lippen auf einer Trage liegend zu sehen. Eine Infusion führt an ihre rechte Hand. „Ich sende Grüße in die ganze Welt“, sagt sie auf Englisch. Sie hätten heute auf der Tischrin-Talsperre getanzt, schildert sie. Der Damm sei ein Symbol, weil er Wasser und Strom für die Gesellschaft liefere, spricht sie in die Kamera. „Die Menschen sind hierhergekommen, um sich für Frieden einzusetzen“, sagt sie in Bezug auf die Mahnwache. Es seien bereits einige Menschen hier gestorben und jetzt sei auch sie verletzt worden. Sie finde, die Welt müsse darüber Bescheid wissen, was hier in Nordostsyrien geschehe. Noch dazu unterstütze die Nato die Türkei mit Waffen.

Die Tischrin-Talsperre befinde sich seit dem 8. Dezember vergangenen Jahres – dem Tag des Sturzes des Assad-Regimes – im Fokus einer Besatzungsoffensive der Türkei, so die Darstellung bei ANF. Ziel der Offensive sei es, das Militärbündnis „Demokratische Kräfte Syriens“ von der Westseite des Euphrat zu verdrängen. Die Mahnwache finde aus Protest gegen die Militärgewalt statt, es handle sich um eine friedliche Initiative. Bei dem Angriff am Dienstag seien zwei Menschen getötet worden, heißt es unter Bezug auf die syrische Selbstverwaltung. 20 weitere seien zum Teil schwer verwundet worden – darunter Lea Bunse, die im Bericht als „Klimagerechtigkeitsaktivistin“ bezeichnet wird.

Eltern aus Heilbronn äußern Verständnis für Handeln ihrer Tochter in Nordsyrien

Die Eltern Monika (63) und Volker Bunse (60), die in Heilbronn wohnen, berichten, ihre Tochter lebe seit etwa drei Jahren im – feministischen und autonomen – Frauendorf Jinwar in Nordsyrien. Jinwar bedeutet aus dem Kurdischen übersetzt „Land der Frauen“. Das Dorf entstand als selbstverwalteter Ort, um Frauen aufzunehmen, die die Gewalt durch den Islamischen Staat überlebt hatten und vor ihm fliehen mussten. Wie schwer ihre Tochter verletzt sei, wüssten sie nicht genau. Lea Bunse befinde sich vor Ort in einem Krankenhaus. Aus dem Auswärtigen Amt heißt es in Bezug auf sie: „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns aus Gründen des Persönlichkeitsrechts nicht näher zu konsularischen Einzelfällen äußern können.“

Monika und Volker Bunse selbst sind im Verein „Familien für den Frieden e. V.“ aktiv, der sich eigenen Angaben nach für ein friedliches Zusammenleben in den historischen kurdischen Gebieten in der Türkei, Syrien, im Iran und im Irak einsetzt. Der Verein wirft der deutsche Regierung vor, sie stehe in stillschweigender Zustimmung zum türkischen Staat und zu völkerrechtswidrigen Übergriffen in Nordostsyrien.

Kundgebung auf dem Heilbronner Kiliansplatz geplant

Sie verstehe gut, dass sich ihre Tochter für diese Sache einsetze, sagt Mutter Monika Bunse, gelernte Sozialpädagogin. Sie mache sich Sorgen um sie, müsse aber mit der Entscheidung ihrer Tochter leben. Vater Volker Bunse, von Beruf Ingenieur, berichtet von einer Reise über den Irak nach Syrien, die sie als Eltern vor mehr als einem Jahr unternommen haben. Das eigene Erleben verändere nochmals die eigene Sicht auf das Geschehen, berichtet er. Am Samstag von 12 bis 16 Uhr werde man sich auf dem Kiliansplatz in Heilbronn zu einer Kundgebung treffen, kündigt er an.

Ein direkter Kontakt zwischen unserer Redaktion und Lea Bunse war bislang nicht möglich. Auch können die Informationen auf ANF zum Geschehen auf der Tischrin-Talsperre derzeit nicht unabhängig überprüft werden.

Verfassungsschutz: Verein „Familien für Frieden“ findet in PPK-nahen Medien Erwähnung

Auf Anfrage zur Thematik teilt das baden-württembergische Landesamt für Verfassungsschutz mit, der Verein „Familien für Frieden e. V.“ sei aufgrund von Erwähnungen in PKK-nahen Medien und im Zusammenhang mit den aktuellen prokurdischen Veranstaltungen in Baden-Württemberg bekannt. Es träten auch immer wieder auch Akteure aus dem PKK-nahen Spektrum auf.




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