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27-Jährige leidet an Folgen
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Nach Drohnenangriff: Familie will Eberstädter Aktivistin aus Syrien zurückholen

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Der Gesundheitszustand der in Nordost-Syrien lebenden Eberstädter Aktivistin Lea Bunse ist nach Angaben ihrer Familie kritisch. Ihr Vater Volker plant, noch im April zu ihr zu fliegen und ihr bei der Rückreise zu helfen.


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Mitte Januar war die Eberstädter Aktivistin Lea Bunse bei einem mutmaßlichen Drohnenangriff des türkischen Militärs in Nordostsyrien schwer verletzt worden. In einem Videotelefonat im Februar schilderte die 27-Jährige, dass sie bei der Explosion am Tischrin-Staudamm auch an der Hauptschlagader verletzt worden sei. Am Anfang habe sie viel Blut verloren. Doch Helfer hätten es geschafft, den Blutverlust zu stoppen. Allerdings habe sie einen Splitter im Bauch – es sei nach Einschätzung der Helfer vor Ort weniger riskant, ihn dort zu belassen. Bunse wirkte im Videotelefonat erschöpft.

Jetzt teilt ihre in Heilbronn lebende Mutter Monika Bunse (63) mit, dass sich der Gesundheitszustand ihrer Tochter nicht verbessert. „Leider hat sich mit der Zeit herauskristallisiert, dass der Gesundheitszustand unserer Tochter doch nicht so gut ist“, sagt sie. Eine Verletzung an der Hauptschlagader im Bauch sei doch mit mehr Komplikationen verbunden. Sie hätten eine schnellere Erholung erwartet. Sobald sie wenige Meter laufe, habe ihre Tochter Schmerzen, berichtet Vater Volker Bunse (60).

Lea Bunse kurz nachdem sie verletzt wurde.
Lea Bunse kurz nachdem sie verletzt wurde.  Foto: privat

Eberstädterin in Syrien verletzt: Eltern hoffen auf bessere medizinische Versorgung in Deutschland

Er plant nun, in den Irak zu fliegen, um Lea bei der Rückreise zu unterstützen. Die Eltern hoffen, dass die medizinische Versorgung in Deutschland ihrer Genesung förderlicher ist. „Wenn alles gut läuft, wäre der Rückflug für 22. April geplant“, sagt Monika Bunse. „Aber wir wissen noch nicht genau, ob das mit dem irakischen Innenministerium alles gut läuft.“ Auch sei fraglich, inwiefern der Zustand ihrer Tochter eine zügige Heimreise zulasse.

Volker Bunse wird nach Erbil fliegen, die Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan im Irak. Erbil liegt etwa 200 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Von dort aus wird er sich ein Taxi nehmen. Seine Tochter halte sich derzeit in der Großstadt Qamischli auf. Die Grenze zum Irak ist 80 Kilometer entfernt. Freunde wollen sie an die Grenze bringen, damit er sie in Empfang nehmen kann - sollte er selbst nicht nach Qamischli gelangen, erklärt Volker Bunse.

Lea Bunse aus Eberstadt sieht sich selbst als Menschenrechtsaktivistin

Nach Heilbronn zurückzukehren, um sich medizinisch behandeln zu lassen, war für Lea Bunse vor einigen Wochen noch keine Option. Inzwischen habe sie aber eingesehen, dass eine Rückkehr nach Deutschland das Beste für ihre Gesundheit sei, berichten ihre Eltern.

Lea Bunse bezeichnet sich selbst nicht als prokurdische, sondern als Menschenrechtsaktivistin. Es lebten im autonomen Gebiet der Selbstverwaltung von Nordost-Syrien auch arabische, syrische, tschetschenische Bevölkerungsgruppen, erklärt sie – nicht nur kurdische.

Eberstädterin bei Drohnenangriff verletzt: Türkei äußerte sich bislang nicht zu Vorwurf

Ihre Verletzung hatte sich Bunse bereits am Dienstag, 21. Januar, zugezogen. Sie war an jenem Tag mit einigen Mitstreitern an den Tischrin-Staudamm gereist, der am Euphrat liegt. Sie nahm an einer Mahnwache teil, die sich ihren Angaben zufolge friedlich für den Erhalt lebenswichtiger Infrastruktur einsetzte. Plötzlich kam es zu Explosionen – mutmaßlich ausgelöst durch einen Drohnenangriff des türkischen Militärs. Die Türkei äußerte sich bislang nicht zu dem Vorwurf. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts hatte nach dem Bekanntwerden des Vorfalls lediglich mitgeteilt: Es seien Berichte über einen Drohnenangriff auf den Tischrin-Staudamm bekannt. „Wir gehen diesen mit Hochdruck nach.“ Diese Auskunft wurde aber auch in der Folge nicht konkreter.

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