Zahl der Wohngeldanträge in der Region explodiert
Erste Zahlen aus der Region belegen die Prognose des Bundes. Der Zuschuss für Mieter und Eigentümer könnte sich verdoppeln.

Mehr Wohngeld für mehr Menschen: Davon profitieren auch die Bürger in der Region. Um mehr als durchschnittlich 190 Euro soll sich der Zuschuss für anspruchsberechtigte Mieter und Eigentümer dank der Reform, die seit Beginn des Jahres 2023 in Kraft ist, erhöhen, sagt Lea Mosthaf, Sprecherin des Landratsamts Heilbronn. Das bedeute mehr als eine Verdoppelung des bisherigen Wohngeldes. "Es steigt von durchschnittlich rund 180 Euro pro Monat vor der Reform auf voraussichtlich rund 370 Euro pro Monat."
Entscheidende Faktoren
Die Stadt Heilbronn geht mit rund 473 Euro von einem noch höheren durchschnittlichen Zuschuss aus. Die Höhe des Wohngeldes berechne sich nach der Anzahl der zu berücksichtigenden Haushaltsmitglieder, der Miete des Wohnraums oder der Belastung bei selbstgenutztem Wohneigentum sowie dem Gesamteinkommen der Haushaltsmitglieder, sagt die Sprecherin des Landratsamts.
Heizkosten- und Klimakomponente
Die Wohngeldreform umfasst eine dauerhafte Heizkosten- und Klimakomponente sowie die Anhebung der Einkommensgrenzen. Ob sich die Zahl der Anträge in Baden-Württemberg wie vom Bund prognostiziert verdreifacht, lasse sich derzeit noch nicht abschätzen, teilt eine Sprecherin des Landkreistags schriftlich mit.
Verdreifachung erwartet
Die tatsächlichen Fallzahlen und Anträge aus den 35 Landkreisen und deren Wohngeldbehörden gebe es frühestens nach Ablauf des ersten Quartals aus dem landesweiten Fachverfahren. Dass eine Verdreifachung aber durchaus realistisch sein könnte, belegen erste Zahlen aus der Region.
In Heilbronn ist die Zahl der Anträge im Januar dieses Jahres auf das Zweieinhalbfache gestiegen, in der Stadt Öhringen haben sie sich sogar verdreifacht. Obwohl die Behörden Personal aufgestockt haben, führt das Mehr an Anträgen zu längeren Bearbeitungszeiten. Dass die Behörde aber zur Not auch in Vorleistung gehen könne, hatte Sozialamtsleiter Achim Bocher im Interview mit der Heilbronner Stimme Anfang des Jahres gesagt.
Erhöhter Bearbeitungsaufwand
Die Stadtverwaltung hatte zuvor moniert, dass der erhöhte Bearbeitungsaufwand nicht geeignet sei, einen vereinfachten und beschleunigten Wohngeldbezug zu gewährleisten, im Gegenteil.
Monika Pfau von der Stadt Öhringen weist auch darauf hin, dass ein Antrag so lange brauche könne, wie fünf andere. Beispielsweise, weil der Antrag unvollständig eingegangen ist, um die Frist zu wahren. Auch seien die Verhältnisse der Antragsteller nicht immer eindeutig. Dann dauere die Prüfung länger.
Weil die finanzielle Abwicklung über den Haushalt des Landes Baden-Württemberg erfolgt, bringe die Reform neben dem sozialen auch wirtschaftlichen Nutzen, sagt Rainer Hinderer auf Nachfrage. "Menschen, die Wohngeld erhalten, haben dadurch mehr Spielraum. Das stärkt die Kaufkraft in Heilbronn und in der Region", so der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Heilbronner Gemeinderat und ab April Landesgeschäftsführer der SPD Baden-Württemberg.
Stattlicher Mehrbetrag
Er hatte im Gremium einen Antrag auf Infos zur Wohngeldreform in Heilbronn gestellt. "Wenn die Empfängerzahlen sich verdreifachen, bedeutet das insgesamt einen stattlichen Mehrbetrag. Für die betroffenen Menschen ist die Reform auf jeden Fall eine deutliche Verbesserung."
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