Wohngeld: Behörden stehen durch Verdopplung der Anträge unter Druck
In den Ämtern im Stadt- und Landkreis Heilbronn sowie in Hohenlohe fallen deutlich längere Bearbeitungszeiten an. Durch den Fachkräftemangel geraten die Wohngeldstellen noch stärker unter Druck. Ein digitales Antragssystem könnte helfen.

Seit Januar gibt es das neue Wohngeld, und es bedeutet höhere Zuschüsse für Mieter und Eigentümer, ermächtigt mehr Menschen, einen Antrag zu stellen, aber: Es stellt die Behörden vor Herausforderungen. "Die Wohngeldstelle ist aktuell immens gefordert", heißt es beim Landratsamt Heilbronn. Annähernd verdoppelt hat sich die Zahl der Anträge mit 270 von Januar 2022 auf 518 im Januar 2023.
Extreme Entwicklung in Heilbronn
In der Stadt Heilbronn ist die Entwicklung noch extremer. Dort ist die Zahl der Anträge mit 181 im Januar 2022 auf 454 in 2023 auf das Zweieinhalbfache gestiegen. Im Landratsamt führen die hohe Zahl an Neuanträgen und fehlendes Personal derzeit zu Rückständen. Deshalb verlängert sich die Bearbeitungszeit deutlich und kann aktuell mehrere Monate betragen, sagt Sprecherin Lea Mosthaf. Und das, obwohl die Zahl der Mitarbeiter aufgestockt wurde: "Zehn zusätzliche Stellen wurden geschaffen." Auch der Bereich der Zuarbeit werde ausgeweitet. Ein großes Problem: Der Markt an Fachkräften in diesem Bereich sei quasi leergefegt.
Sechseinhalb Stellen mehr
Auch in der Heilbronner Stadtverwaltung gibt es sechseinhalb Stellen mehr, insgesamt sind bis zu elf eingeplant. "Doch wir fahren auf Sicht, weil wir die Mitarbeiter für das Thema qualifizieren müssen", sagt Sozialamtsleiter Achim Bocher. Der Umstand, dass das landesweite Software-Programm noch immer nicht ertüchtigt ist und dass es nicht möglich ist, den Antrag digital zu stellen, erschwert die Lage. "Ein volldigitales Antragssystem würde unheimlich helfen."
Drei Monate Bearbeitung
Im Hohenlohekreis werden die Anträge für fast alle Kommunen beim Landratsamt bearbeitet - nur die Stadt Öhringen hat eine eigene Wohngeldstelle. Die Zahl der Anträge habe sich in der Großen Kreisstadt verdreifacht, von durchschnittlich acht in den Januaren der beiden Vorjahre auf 28 im Jahr 2023, sagt Monika Pfau, Sprecherin der Stadt Öhringen. Im Schnitt dauere die Bearbeitung drei Monate, aber "aufgrund der Verschiedenheit der Fälle kann hierzu keine genaue Aussage getroffen werden".
Zahl der Anträge verdoppelt
Im Rest des Kreises habe sich die Zahl der Anträge in den ersten beiden Monaten des Jahres verdoppelt, verglichen mit 2022, antwortet Mathea Weinstock, Sprecherin des Landratsamts, auf unsere Anfrage. 300 waren es in der vergangenen Woche. "Die Verwaltung ist spürbar mehr belastet, es gehen deutlich mehr Anfragen ein", so Weinstock. Die Bearbeitung eines Antrags könne von wenigen Tagen bis mehreren Wochen dauern.
Unterlagen nachfordern
Beim Landratsamt Heilbronn ist ein zusätzlicher Hemmschuh, dass bei nahezu allen Erstanträgen Unterlagen nachgefordert werden müssten, was zu zeitlichen Verzögerungen in der Abarbeitung führt, so Mosthaf.
Ausfüllhelfer wenig nachgefragt
Dabei gibt es Ausfüllhelfer für die Formulare, sie sind aber insgesamt wenig nachgefragt, zieht Frank Stroh, Kreisverbandsvorsitzender des Sozialverbands VdK, eine erste Bilanz. Von Januar bis März hätten nur etwa 20 Menschen die VdK-Lotsen in den Rathäusern der Landkreiskommunen wegen des Wohngelds aufgesucht. Und das, obwohl Stroh den Wohngeldantrag für anspruchsvoll hält. "Einfach ist er nicht. Jemand, der sich nicht mit solchen Formularen auskennt, tut sich schwer." Für ein Alleinstellungsmerkmal hält Achim Bocher die Tatsache, dass so viele Ehrenamtliche in Stadt- und im Landkreis beim Ausfüllen helfen. "Das habe ich sonst noch von nirgends gehört."
Rentner benötigen Unterstützung
Vor allem Rentner suchten Unterstützung, sagt Wolfgang Arndt vom Seniorenbüro Heilbronn. "So lange noch Nachfrage da ist, machen wir weiter." Er findet: "Die Menschen, die nicht gleich kommen, machen einen Fehler, weil sie Geld verschenken." Wohngeld wird ab dem Monat gewährt, ab dem es beantragt wird. Ausfüllhelfer Guido Rebstock hatte schon eine Frau am Telefon, die nicht wusste, dass sie es für den Vater beantragen kann, der ein Pflegefall ist. Auch Scham erschwere den Weg zum Amt. Aber: "Wer eine Prämie fürs Elektroauto erhält, hat ja auch keine Bedenken."
Ausfüllhelfer anfragen
Beim Ausfüllen des Wohngeldantrags helfen im Landkreis Heilbronn die Lotsen des Sozialverbands VdK während ihrer Sprechstunden in den Rathäusern der jeweiligen Kommunen. Im Stadtkreis Heilbronn melden sich Interessierte telefonisch oder per E-Mail bei den ehrenamtlichen Helfern an, die entsprechenden Kontakte finden sich auf der Website der Stadt Heilbronn. Ausfüllhilfe ist nach Vereinbarung unter anderem möglich in verschiedenen Örtlichkeiten wie dem Quartierszentrum Böckingen, im Wilhelm-Waiblinger-Haus, im Bürgeramt Frankenbach oder auch im Seniorenbüro Heilbronn.
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