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Wohin mit dem Haustier in der Urlaubszeit?

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Tierheim und Pensionen in der Region berichten von vielen Anfragen. Sind keine Plätze mehr frei, schrecken manche Tierbesitzer auch vor Drohungen nicht zurück.

Wer für seinen Hund eine Urlaubsbetreuung sucht, muss sich rechtzeitig kümmern.  Foto: dpa
Wer für seinen Hund eine Urlaubsbetreuung sucht, muss sich rechtzeitig kümmern. Foto: dpa  Foto: Katja Sponholz

Die Sommerferien sind für viele die Zeit, endlich mal aus dem Alltag herauszukommen, wegzufahren und zu entspannen. Das sehen auch viele Tierhalter so, doch wohin mit dem Hund oder der Katze, wenn der Strand ruft?

Die Hundepension Tomdog Heilbronn in Leingarten ist derzeit komplett ausgebucht. "Wir bitten unsere Kunden immer, im Dezember den Urlaub für den Sommer anzumelden. Für den Sommer können wir maximal bis März Plätze anbieten, danach sind wir in der Regel ausgebucht", berichtet Iris Heiser.


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Sie ist 2017 zu Tomdog gestoßen. Seither bietet sie und ihr Mann Thomas neben der Tagesstätte auch eine Pension für zehn Übernachtungsgäste an. Aktuell verfügt sie über 20 Plätze, zehn können auch über Nacht gebucht werden. "Das ist ein Maximum wenn man bedenkt, dass wir ohne Zwinger und Boxen gemeinsam mit den Hunden leben und auch die Nächte gemeinschaftlich verbringen."

Die Anfragen seien in der vergangenen Zeit mehr geworden, "die Qualität aber schlechter", berichtet Iris Heiser. Früher sei es den Besitzern noch darum gegangen, den Hund ordentlich unterzubringen. "Wir haben viel Aufwand in Vorgespräche mit den Besitzern, Besuchstermine und Probeübernachtungen investiert", erinnert sie sich. "Heute geht es darum, schnell einen Hund ,abzuschieben´", beschreibt sie ihren Eindruck.

Probetermine sind Pflicht

Sie erhalte oft Anfragen zu Hunden, die die Pension nicht betreuen könne. "Bei uns ist beispielsweise keine Einzelhaltung möglich, wodurch wir keine sozial unverträglichen Hunde aufnehmen könne." Ein erstes Kennenlernen und ein oder mehrere Probetermine seien Pflicht. "Wir würden es nie blind versuchen", so Heiser.

Ein Hund müsse Freude an anderen Artgenossen haben, um bei Tomdog betreut zu werden. "Einzelgänger fühlen sich in der Regel bei uns nicht wohl, diesen Kunden sagen wir dann ab." Die Pension erhalte neuerdings auch vermehrt Anfragen zur Betreuung von Welpen. "Das können wir nicht machen, sie sind einfach noch zu jung." Doch nicht jeder Besitzer könne mit einer Absage umgehen. "Wir erhalten Drohungen wie: ,Dann binde ich ihn an der Autobahn an´." Dies sei eine traurige Entwicklung und "führt auch nicht dazu, dass wir den Hund aufnehmen können". Dass ein Urlaubsgast nach der vereinbarten Zeit nicht mehr abgeholt wurde, sei dagegen noch nie vorgekommen.

Wohl des Tieres

Annett Heinzmann, die die Hundeschule Neckartal in Eppingen betreibt, hat früher drei Pensionsplätze angeboten. Aus privaten Gründen liegt die Betreuung derzeit allerdings auf Eis. Doch aus ihrer Erfahrung heraus wisse sie: "Ein Hund, der sich in einer fremden Umgebung oder getrennt von seinen Menschen, nicht wohlfühlt, hat in einer Hundebetreuung nichts zu suchen - es sei denn, es ist ein Notfall." Denn es gehe in erster Linie um das Wohl des Tieres.

"Gerade bei einer Urlaubsbetreuung über mehrere Tage oder Wochen ist eine ordentliche Eingewöhnung unerlässlich." Woran erkennt man eine gute Betreuung? "Das Veterinäramt muss eine Genehmigung erteilt haben, erst dann kann man davon ausgehen, dass die Person die Sachkenntnis hat, eine Hundegruppe zusammenzustellen und zu führen." Außerdem müsse die Harmonie zwischen Hund und Betreuungsperson stimmen. "Es ist immer ratsam, sich im Vorfeld die Betreuung anzuschauen, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob mein Hund dort gut aufgehoben ist."

Situation im Tierheim Heilbronn

Das Tierheim Heilbronn darf für einen begrenzten Urlaubszeitraum Hunde zur Betreuung aufnehmen, Katzen aber nicht. "Die Anfrage nach Pensionsplätzen bei den Hunden ist hoch und wir können aufgrund der großen Anzahl eigener Hunde leider nicht alle bedienen", erklärt die Vorsitzende Silke Anders. Das Phänomen, dass während der Urlaubszeit mehr Tiere im Tierheim landen, beobachte man allerdings nicht. "Die meisten versuchen eine Urlaubsbetreuung hinzubekommen - was aber auch öfters schief geht."

So sei aktuell ein Hund im Tierheim, weil der Garten während des Urlaubs nicht ausreichend gesichert war. "Auch eine Katze ist entlaufen, die man hätte füttern sollen. Und ein Kaninchenstall ist zusammengebrochen, die Nachbarn hätten die Tiere füttern sollen. Die Kaninchen müssen jetzt erstmal bei Verwandten weiter versorgt werden." Anders vermutet zudem eine hohe Dunkelziffer. "Kleintiere und Katzen sind auch schnell und unauffällig ausgesetzt."

 

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