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Jessica Staudt, die Pferdeosteopathin aus Bad Rappenau

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Helfen, ohne zu öffnen: Das tut Jessica Staudt regelmäßig. Ihre Patienten haben vier Beine, einen kräftige Mähne - und in den meisten Fällen gesundheitliche Probleme. Die geht die gebürtige Berlinerin ganzheitlich an.

Jessica Staudt lebt im Bad Rappenauer Ortsteil Treschklingen und arbeitet seit 14 Jahren als Pferdeosteopathin. Außerdem ist sie ausgebildete Physiotherapeutin.
Jessica Staudt lebt im Bad Rappenauer Ortsteil Treschklingen und arbeitet seit 14 Jahren als Pferdeosteopathin. Außerdem ist sie ausgebildete Physiotherapeutin.  Foto: Fotos by A.S.

Eigentlich wollte Jessica Staudt Veterinärmedizin studieren und Tierärztin werden. "Also habe ich sechs Wochen Praktikum bei meiner Tierärztin gemacht", erinnert sich die gebürtige Berlinerin, die seit 17 Jahren im Bad Rappenauer Teilort Treschklingen lebt. "Die vierte OP am Pferd hat mich dann kuriert." Die Sehne des Tiers sollte operiert werden. Heute ist die 40-Jährige Pferdeosthepatin. "Damit kann ich helfen, ohne zu öffnen", sagt Jessica Staudt.


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Ausführliche Anemnese vor der Behandlung

Um das zu tun, fährt die Mutter von zwei Kindern auch mal etwas weiter. Zu Beginn der Behandlung stehe immer - wie auch bei menschlichen Patienten - die Anamnese. Unvorbereitet gehe sie in keinen Termin. "Ich frage vieles ab, was einige Besitzer schon mal wundert", erzählt Jessica Staudt.

Doch auch alte Verletzungen, die schon lange zurückliegen, könnten der Auslöser für eingeschränkte Bewegungsabläufe sein oder allgemein mit Beschwerden zusammenhängen. "Ich checke die Tiere von vorne bis hinten durch." Ein Osteopath schaue nicht nach einem Aspekt, sondern nach allem. Die Betrachtung des ganzen Körpers spielt in diesem Berufsfeld eine wichtige Rolle, beim Mensch genauso wie beim Tier.

Jessica Staudt nimmt sich ausreichend Zeit

Doch die sprechen nicht - zumindest nicht so, wie es die Zweibeiner tun. Deshalb müsse man bei der Behandlung vorsichtig und aufmerksam sein, erklärt Jessica Staudt. "Ich kenne die Pferde nicht so intensiv wie ihre Besitzer das tun. Deshalb behalte ich sie genau im Auge." Auch wenn ihr vorher gesagt werde, "das macht er sonst nie". Einmal habe ein Tier versucht, sie gezielt zu treten. "Aber da bin ich nicht böse und gebe ihnen ausreichend Zeit. Es sind eben Lebewesen." Und die dürfe man nicht überfahren.

Offensichtlich geht die Strategie von Jessica Staudt auf: Bisher haben sie alle Pferde anfassen und behandeln lassen. Circa zwei Stunden verbringt sie mit ihnen, um Ruhe einkehren zu lassen und keinen Stress zu erzeugen. "Ich frage auch nie, was die Besitzer bereit sind, zu zahlen", sagt die 40-Jährige. Sie habe einen festen Satz für eine Behandlung.

Und die kann auch mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Sobald die Osteopathin merkt, dass das Tier genug hat, unterbricht sie die Sitzung, denn Pausen seien ebenfalls wichtig.

Abtasten auf Verspannungen und Schmerzen

Zur Behandlung gehört neben der Untersuchung des Allgemeinzustands auch das Abtasten des gesamten Körpers auf Verspannungen, Schwellungen, Wärme oder Schmerzen. Auch die verschiedenen Gelenke werden geprüft.

In der Regel reiche ein Besuch aus, um dem Pferd zu helfen. "Dann habe ich es soweit angeschoben, dass der Organismus sich selbst heilt." Doch das kann dauern. Kein Besitzer sollte erwarten, dass sein Tier wenige Minuten später wie das blühende Leben über die Koppel läuft. Der Körper müsse sich an die neuen Gegebenheiten gewöhnen, Muskeln aufbauen. "Genauso wie bei uns Menschen."

Aufklärung ist wichtig

Wichtig ist Jessica Staudt auch, den Besitzern genau zu erklären, was sie tut. Denn in den meisten Fällen hat sie es mit fachfremden Personen zu tun. "Und es gibt eigentlich nichts Schlimmeres, als wenn man zum Beispiel bei einem Arzt raus geht und Fragen hat." Man müsse das Problem verstehen, um interagieren zu können.

Denn mit ihrer Behandlung alleine ist es nicht getan. Die Osteopathin gibt im übertragenen Sinne Hausaufgaben auf. Dieser Trainingsplan soll die Genesung unterstützen. Manchmal kommt sie alle zwei bis drei Monate vorbei. "Aber das ist die absolute Ausnahme."

So wird man Pferdeosteopath

Eine Ausbildung in Pferdeosteopathie kann in Deutschland an verschiedenen Schulen absolviert werden. Das Deutsche Institut für Pferdeosteopathie (DIPO) setzt eine Ausbildung als Humanphysiotherapeut oder ein abgeschlossenes Studium der Veterinär- oder Humanmedizin voraus. Die Ausbildung ist auf zwei Jahre aufgeteilt und läuft berufsbegleitend an den Wochenenden. In dieser Zeit müssen

14 Module besucht werden, die jeweils zwei Tage dauern. Dazu kommen noch zwei Prüfungstage. Nach den ersten sieben Modulen erfolgt eine Zwischenprüfung in Theorie und Praxis.

Mit Bestehen der Abschlussprüfung bekommen die Therapeuten ein Zertifikat, Zeugnis sowie einen Ausweis, der sie als DIPO-Pferdeosteotherapeut lizensiert. Dieser ist drei Jahre gültig. Um die Lizenz aufrecht zu erhalten, sind alle drei Jahre 20 Fortbildungsstunden nachzuweisen. Nicht nur für Pferde wird die Ausbildung angeboten. Auch Hunde lassen sich osteopathisch behandeln.

 

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