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Bad Rappenau
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Schriftstellerin Sandra Andrés über das Leben im Terrassenhochhaus in Bad Rappenau

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Im Terrassenhochhaus am Wartberg entstehen die Bücher, Hörbücher und Kurzgeschichten von Sandra Andrés. Wie lebt es sich in so einem Hochhaus?

Auf der Terrasse der gemeinsamen Wohnung arbeitet Sandra Andrés, so lange es nicht zu warm ist: Ihr Blick geht nach Süd-Westen.
Fotos: Ulrike Plapp-Schirmer
Auf der Terrasse der gemeinsamen Wohnung arbeitet Sandra Andrés, so lange es nicht zu warm ist: Ihr Blick geht nach Süd-Westen. Fotos: Ulrike Plapp-Schirmer  Foto: Plapp-Schirmer, Ulrike

Zu der Schriftstellerin Sandra Andrés führen genau 90 Stufen nach oben. Man könnte auch den Aufzug nehmen, der aber bleibt manchmal stehen. Wer keine Sprudelkiste und keine schweren Einkäufe zu schleppen hat, wählt aus Misstrauen gegenüber der Technik eher das Treppenhaus. Es sind ja nur sechs von sieben Stockwerken.

Seit sechs Jahren lebt Sandra Andrés zusammen mit ihrem Mann und den beiden Terriermischlingen in Bad Rappenau im Terrassenhochhaus am Wartberg.

Bestseller-Hörbuch in den Apple-Charts

Sie, die Angst vor der Höhe hat, fühlt sich hoch über der Kurstadt zu Hause. Ihr jüngstes Buch entstand hier: "Als das Gras zu wachsen aufhörte". Und hier erreichte sie auch die Nachricht, das ihr Debüt "Wie warmer Juliregen" in der Kategorie "Liebesromane" auf Platz eins der Apple-Hörbuch-Charts gelandet ist.

In der Gesamtwertung stand das Hörbuch, das sie selbst eingesprochen hatte, auf Platz elf, hinter Rita Falk und vor J. K. Rowling: "Das waren sieben Tage auf Wolke sieben", sagt sie, während der Wind durch ihr Haar fährt und ihr strahlender Blick über Bad Rappenau schweift.

An Informationen über das Terrassenhochhaus am Wartberg gibt es das, was Zeitzeugen berichten. Mehr als 60 Wohnungen in drei Blöcken sind dort Ende der 60er Jahre geplant worden. Bauherr war die Immo Heilbronn, Gesellschaft für Immobilien und Hausverwaltung GmbH und Co. KG.

Der Fahrstuhl ist von 1973. Die Bauabnahme war im August 1974. Die ersten beiden Stockwerke heißen Souterrain eins und zwei, das Erdgeschoss ist dort, wo eigentlich der dritte Stock wäre. Offiziell wohnt Sandra Andrés nur im dritten OG.

Zeitzeugen zum Terrassenhochhaus

1974 wurde das Terrassenhochhaus am Bad Rappenauer Wartberg eingeweiht. Die Stadt hatte die Pläne zunächst aus städtbaulicher Sicht abgelehnt.
1974 wurde das Terrassenhochhaus am Bad Rappenauer Wartberg eingeweiht. Die Stadt hatte die Pläne zunächst aus städtbaulicher Sicht abgelehnt.  Foto: Plapp-Schirmer, Ulrike

Harald Schmidt, der langjährige Kämmerer der Stadt der Bad Rappenau, erinnert sich an Details aus den Anfängen. "Die Lage ist tipp topp", sagt der 81-Jährige.

Doch das Projekt sei im Rathaus unter Bürgermeister Fritz Hagner umstritten gewesen. Wo früher die Rothenhöfer Maschinenfabrik und die Ziegelei bis vor zur Schwaigerner Straße standen, sollte ein modernes Hochhaus in einer Terrassenform, die sich an den Hang anpasst, gebaut werden. Die Stadt habe Widerspruch eingelegt, sagt Schmidt. Doch "das Regierungspräsidium Karlsruhe hat der Klage der Bauherren gegen den Wunsch Bad Rappenaus stattgegeben und das Gebäude als angemessen angesehen."

Es war eine Zeit der Erkenntnis, dass man in die Höhe statt in die Fläche bauen müsse. Argumentiert worden sei damit, dass die Vulpius Klinik auf dem Hügel gegenüber über die Stadt hinausragt, ebenso wie die Rehakliniken, die auf dem Schwärzberghügel im Osten liegen.

Drei ortsbildprägende Gebäude, drei Himmelsrichtungen: "Die Architekten waren der Ansicht, dass es dort hinpasst", erinnert sich Harald Schmidt.

Schönheit ist relativ

Auf dem Hügel gegenüber liegt seit über 100 Jahren die Vulpius Klinik.
Auf dem Hügel gegenüber liegt seit über 100 Jahren die Vulpius Klinik.  Foto: Plapp-Schirmer, Ulrike

"Schön ist es nicht", erzählt Sandra Andrés von ihrem ersten Eindruck. Doch die Wohnung, die sie und ihr Mann gemietet haben, gefällt ihr. Vor allem die Terrasse: Sandra Andrés sitzt oft dort und schreibt an ihren Kurzgeschichten und ihren Romanen. Gedanklich bewegt sie sich dann in einer ganz eigenen Welt: "Wo ich dann schreib ist mir eigentlich wurscht."

Bad Rappenau liegt ihr hier zu Füßen. Im Winter, wenn die Bäume kahl sind, kann sie jedes einzelne Gebäude von hier oben identifizieren: das Einkaufszentrum, das Wasserschloss, Rathaus, Kliniken und die Saline.

Nein, in einer Hütte am Waldrand lebe man hier nicht, sagt Sandra Andrés. Doch auch, wenn die Wände dünn sind, und man manchmal die Waschmaschine, das Telefon und den Fernseher der Nachbarn höre, lebe es sich ruhig im Hochhaus am Wartberg. Der Straßenlärm ist weit weg.

Direkt hinter dem hohen Haus beginnen die Felder. Und da geht die gebürtige Österreicherin mit ihren beiden Hunden gern spazieren.


Zur Person

Sandra Andrés schreibt und coacht mit ihrem Unternehmen „Autorenträume“ Schriftsteller. Im Winter will sie eine Anthologie mit 35 Kurzgeschichten verschiedener Schreiber herausgeben, deren Erlös in ein Stipendium für 16 bis 22 Jahre alte Nachwuchsschriftsteller fließen soll. Parallel dazu schreibt sie zur Zeit an einem satirischen Roman, „ein Entspannungsprojekt“, wie sie sagt, nichts Tiefenpsychologisches wie ihr jüngstes Buch „Als das Gras aufhörte zu wachsen“. Wer mehr über Sandra Andrés lesen will, findet ihren Blog ganz leicht im Netz. 

 

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