Windkraft in Neckarsulm: Audi will grüne Energie selbst erzeugen
Auf Vorrangflächen in Neckarsulm könnten bis zu acht Windräder entstehen. Einer der Interessenten ist die Audi AG, die den Produktionstandort bis 2025 mit grünem Strom versorgen will.

Bis zum 30. September 2025 sollen 1,8 Prozent der Fläche in der Region Heilbronn-Franken als Vorrangebiete für Windkraft ausgewiesen werden. "Konkret bedeutet dies, dass auf den Gebieten des Stadtkreises Heilbronn und der Landkreise Heilbronn, Hohenlohekreis, Schwäbisch Hall und Main-Tauber insgesamt 8577 Hektar für den Ausbau von Windenergieanlagen durch den Regionalverband festgelegt werden müssen", so Verbandsvorsitzender Klaus Mandel. "Diese Fläche entspricht in etwa allen Gewerbegebieten in der Region."
Weil aber ein Drittel wegen militärischen Tiefflugflächen für Windkraft nicht in Frage komme, müssen von der verbliebenen Fläche sogar 2,7 Prozent ausgewiesen werden. "Die Landschaft wird sich verändern, das steht außer Frage."
Warum die Aussage des Verbandsdirektor für Unmut in Neckarsulm sorgt
Sollten die Gemeinden wie Neckarsulm nicht bis zur nächsten Verbandsversammlung am 14. Juni von sich aus Flächen ausweisen, habe das "vagabundierende Kapital" ab 2025 einen flächendeckenden Anspruch. "Dann sind Sie als Kommune ausgeschaltet." Mit dieser Aussage zog Mandel den Unmut des Gemeinderates und Oberbürgermeisters Steffen Hertwig auf sich, der den Verbandsdirektor aufforderte "an seiner Wortwahl zu arbeiten".
Bei der Standortsuche sind die besten Gebiete − die Zahl in Watt pro Quadratmeter wird in 160 Meter Höhe ermittelt − leider in eben diesen Militärgebieten zu finden, stellte Mandel fest. Zudem seien die meisten Windkraftanlagen der Region bisher im Main-Tauber-Kreis oder im Landkreis Schwäbisch Hall. Im Heilbronner Raum gibt es nur im Hardthäuser Wald 18 Anlagen, so Mandel. Um die Energiewende zu schaffen, müssten gerade im Heilbronner Raum noch etliche dazu kommen.
200 Windräder erzeugen die Strommenge des Atommeilers Neckarwestheim II
In Neckarsulm nannte der Verbandsdirektor ein anschauliches Beispiel: Um die 1400 Megawatt von Neckarwestheim II zu ersetzen, müsste man 200 Windräder mit sieben Megawatt Leistung bauen.
Der Suchraum für Vorrangflächen engt sich aus Gründen des Naturschutzes oder der Erschließbarkeit ein. Dass es oft Gebiete am oder im Wald sind, gefällt den Betroffenen meist nicht, weil es nicht bei der eigentlichen Standortfläche von einem halben Hektar bleibt. "Ab drei bis vier Windrädern sind neue Hochspannungsleitungen notwendig", so Mandel.
Windkraft in Neckarsulm: Zwei Flächen denkbar
In Neckarsulm kommen zwei Flächen in Frage: Zum einen im Dornet-Wald in Obereisesheim. Die Vorrangfläche für Windkraft können nur in den Bereichen ausgewiesen werden, die im städtischen Besitz sind. "Auf Privatgrund können wir nicht planen", stellte Hertwig fest. Der im Teilort wohnende Stadtrat Karl-Heinz Ullrich meinte dazu: Windräder mitten im Wald wären "der absolute Horror. Die müssen am Waldrand gebaut werden."
Aktuell gebe es eine Anfrage der Audi AG zur Realisierung von zwei Windkraftanlagen, teilt die Stadtverwaltung mit, die einen von Audi ermittelten Stromleistungseigenbedarf von zehn Megawatt abdecken könnten. Alle Audi-Produktionsstandorte sollen über das Umweltprogramm "Mission:Zero" schon im Jahr 2025 CO2-neutral werden, so Christoph Fye-Sudendorf, Sprecher für den Standort Neckarsulm. Man freue sich daher, dass der Gemeinderat der potenziellen Realisierung von grüner Windenergie zugestimmt habe.
Im Mönchwald geht es um eine Fläche auf den Gemarkungen Erlenbach und Neckarsulm-Dahenfeld. Die in Erlenbach ansässige Firma Enerkraft wolle dazu Pachtverträge abschließen und eine Voranfrage beim Landratsamt Heilbronn zum Bau mehrerer Windräder stellen, so die Informationen der Stadtverwaltung Neckarsulm. Denkbar sei auch hier ein bürgerschaftliches Betreibermodell, mit dem private Anteilseigner ihren Beitrag zur Energiewende leisten können.
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