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Heilbronn

Wie ehemals kriminelle Menschen wieder Fuß fassen

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Die Sozialberatung Heilbronn hat es tagein, tagaus mit Ex-Gefängnisinsassen zu tun. Einige der einst kriminellen Menschen bekommen die Kurve. Zwei von ihnen erzählen, wie sie das schaffen.

Ein Leben nach dem Gefängnis: Der Verein hilft ehemaligen Straftätern auf die Beine.
Ein Leben nach dem Gefängnis: Der Verein hilft ehemaligen Straftätern auf die Beine.  Foto: Felix Kästle/dpa

Mit 14 habe er das erste Mal vor Gericht gestanden, erzählt Alexander R. aus Heilbronn. Heute sei er 33 und habe insgesamt zwölf Jahre seines Lebens hinter Gittern verbracht. Bandenkriminalität, Körperverletzungen und weitere Delikte. "Eigentlich das ganze Strafgesetzbuch einmal hoch und runter." Seit gut vier Jahren ist er raus aus dem Gefängnis. Er habe versucht, allein, aus eigener Kraft dem kriminellen Milieu abzuschwören. "Mein Ziel war immer, nicht mehr ins Gefängnis zu kommen." Als Alexander R. merkt, dass er Unterstützung dabei braucht, wendet er sich an die Sozialberatung Heilbronn.

Bettina Leiß (rechts) zeigt ein Appartement.
Bettina Leiß (rechts) zeigt ein Appartement.  Foto: Kinkopf, Heike

Der 33-Jährige erzählt seine Geschichte am Rande eines Einweihungsfestes am vergangenen Mittwochnachmittag. In der Cäcilienstraße in Heilbronn, in direkter Nachbarschaft zur Geschäftsstelle der Sozialberatung, sind zwölf Appartements für Männer und Frauen entstanden, die einen ähnlichen Lebensweg wie Alexander R. hinter sich haben. Ex-Knackis, Drogenabhängige, die clean geworden sind. Zum Fest kommen Vertreter der hiesigen Staatsanwaltschaft, Richter, Anwälte. Einige von ihnen bilden den Vorstand des Vereins. "Ich hätte nie gedacht, dass ich ihnen mal die Hand schüttle", sagt Alexander R. und lacht leise.

 


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In der Cäcilienstraße in Heilbronn, in direkter Nachbarschaft zur Geschäftsstelle der Sozialberatung, sind zwölf Appartements für Männer und Frauen entstanden.
In der Cäcilienstraße in Heilbronn, in direkter Nachbarschaft zur Geschäftsstelle der Sozialberatung, sind zwölf Appartements für Männer und Frauen entstanden.  Foto: Kinkopf, Heike

Die Sozialberatung begleitet entlassene Gefängnisinsassen. Sie unterstützt auch schon vor Haftantritt. Sie bietet eine Schuldnerberatung, Wohnraum, Sucht- und Traumabehandlung, sie arbeitet mit Angehörigen. Ziel: Ihre Klienten sollen straffrei bleiben, beruflich Fuß fassen und sich ein eigenes, selbstständiges Leben aufbauen. "Wir haben viele, die rückfällig werden", sagt Bettina Leiß, Geschäftsführerin der Sozialberatung. "Wir haben aber auch viele, die es geschafft haben."

Dazu gehört eine 38 Jahre alte Frau, gebürtig aus Heilbronn, die wegen der Haftstrafe ihren Namen nicht öffentlich machen möchte. Sie befürchtet Nachteile im Job.

Frau erfährt Hilfe, obwohl sie immer wieder abstürzt

Das Appartment besteht aus einem Zimmer mit Bett, Tisch, zwei Stühlen, Schrank und Miniküche. Das Badezimmer befindet sich nebenan.
Das Appartment besteht aus einem Zimmer mit Bett, Tisch, zwei Stühlen, Schrank und Miniküche. Das Badezimmer befindet sich nebenan.  Foto: Kinkopf, Heike

"Frau Leiß hat mich nie aufgegeben", sagt die 38-Jährige. Egal, ob sie alkoholisiert gewesen sei oder sonstige Rückschläge erfahren habe. "Ich bin zum Beispiel mal aus einer WG der Sozialberatung geflogen, aber ich durfte trotzdem wieder kommen." Damals, das ist etwa fünf Jahre her, sei sie alkohol- und tablettensüchtig gewesen. "Ich bin immer wieder abgestürzt." Zur Sozialberatung gekommen sei sie wegen der Schuldnerberatung. Dort findet sie weitergehende Hilfe.

Die 38-jährige Heilbronnerin zieht in eine Wohnung des Vereins. Ein Entzug, regelmäßige Einzelgespräche und eine Therapie verhelfen ihr Schritt für Schritt zu einer Ausbildung. Ohne diese Begleitung "wäre ich immer wieder in mein altes Leben zurückgefallen".

 


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Klienten geben Team der Sozialberatung etwas zurück

Sie und Alexander R. scheinen ihr altes Leben hinter sich gelassen zu haben. Die beiden gehören mit zum Kreis der vielen Freiwilligen, die beim Herrichten des neuen Appartement-Hauses in der Cäcilienstraße geholfen haben: Ikea-Möbel zusammenschrauben, Putzdienste und sonstige Arbeiten. Der erste Stock des Gebäudes sei perfekt, sagt Bettina Leiß. Im zweiten und dritten Stock warte noch Arbeit. "Ich habe gern geholfen", sagt Alexander R., "die haben mir ja auch viel geholfen". Vor allem die Einzelgespräche und die Anti-Aggressionstrainings, nennt er Beispiele. Das alles habe Zeit gebraucht. Nicht mehr beim kleinsten Konflikt auf sein Gegenüber einzuschlagen, sich in Gesprächen zu öffnen. "Ich hatte Mauern um mich errichtet, die einzureißen, geht nicht so schnell."

 


Verein wurde 1961 gegründet

Die Sozialberatung in Heilbronn ist ein eingetragener Verein. Richter und Staatsanwälte gründeten ihn im Jahr 1961, damals unter dem Namen Straffälligenhilfe. Sieben Männer und Frauen sind dort beschäftigt. Das Team besteht überwiegend aus Sozialpädagogen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Es berät aus der Haft entlassene Menschen und deren Angehörigen. Es bietet Gewaltprävention an. Der Verein unterhält Wohngruppen und Wohnungen unter anderem in der Cäcilien- und in der Gartenstraße.

 
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