Weltpremiere des ersten Audi-Elektroautos aus der Region
Der Audi E-Tron GT wird in Heilbronn gebaut und kommt in zwei Versionen in den Handel. Dynamisches Design, eine rasante Beschleunigung und bis zu 488 Kilometer Reichweite zeichnen ihn aus.
Audi hat lange gewartet, speziell in Neckarsulm und Heilbronn. Am Dienstagabend feierte das erste Elektroauto aus der Region seine Weltpremiere: der E-Tron GT. Ein viertüriges Coupé, das zeigt, wie sportlich so ein Stromer sein kann. „Der E-Tron GT fasziniert mich seit meinem ersten Tag bei Audi“, sagt Vorstandschef Markus Duesmann. „Er ist die Speerspitze unserer Elektro-Offensive. Die neue Ikone unserer Marke.“ Entwicklung und Produktion des Wagens liegen in der Verantwortung der Tochterfirma Audi Sport GmbH mit Sitz in Neckarsulm.
Sportliche Linien sitzen wie ein Maßanzug
GT steht bei dem lokal emissionsfreien Wagen für Gran Turismo. Der Begriff stammt aus dem Italienischen. Gemeint ist damit ein sportliches Auto, mit dem man lange Strecken zurücklegt. Ein Reisewagen sozusagen. Das E-Auto aus Heilbronn ist ein Hingucker. Jede Linie, jedes noch so kleine Detail passt wie angegossen. Große Räder, kurze Überhänge, langer Radstand, schlanke Kabine. Auffällig sind die Scheinwerfer (optional mit Laserlicht) und der Diffusor am knackigen Heck. Dynamische Linien hat Marc Lichte dem 4,99 Meter langen, 1,96 Meter breiten und 1,41 Meter hohen E-Tron GT mit auf den Weg gegeben. „Das schönste Auto, das ich je gezeichnet habe“, sagt der Designchef.
Die Außenhaut sieht aber nicht nur schick aus, sie ist auch auf Effizienz getrimmt. In die Aerodynamik haben die Entwickler viel Aufwand gesteckt. Geschlossener Unterboden, fast geschlossene Front, ein mehrstufig ausfahrbarer Heckspoiler und vieles mehr. In Summe sollen die Maßnahmen laut Audi bis zu 30 Kilometer Reichweite bringen. Apropos: Bis zu 488 Kilometer weit soll er kommen, der sportliche Stromer. Das hängt natürlich letztlich auch von der Fahrweise ab.
In fünf Minuten Strom für 100 Kilometer Strecke
Eine ausreichend große Batterie hat der E-Tron GT auf jeden Fall unter dem Blech, sie hat eine Kapazität von 93 Kilowattstunden (kWh). AC-Laden ist mit 11 kW möglich, kurze Zeit nach den ersten Auslieferungen im April auch mit 22 kW. DC-Laden an Schnell-Ladern, wie es sie immer mehr zum Beispiel entlang von Autobahnen gibt, geht mit bis zu 270 kW. In fünf Minuten hat der Wagen dann wieder Strom für rund 100 Kilometer Strecke. Kurz ein Kaffee an der Raststätte – und weiter geht’s.
Bis zu 646 PS im Topmodell E-Tron GT
Und wie! Je ein Elektromotor an Vorder- und Hinterachse sorgt bereits im „normalen“ E-Tron GT (ab 99.800 Euro) für eine Leistung von 350 kW/476 PS. Im noch dynamischeren Topmodell RS E-Tron GT (ab 138.200 Euro) stehen 440 kW/598 PS bereit. Im Boost-Modus steigt die Leistung für kurze Zeit auf 475 kW/646 PS – das macht den Stromer zum stärksten Serien-Audi in der Unternehmensgeschichte.
Im Auto-Quartett hat man eine gute Karte in der Hand: 3,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 – das ist nur sehr schwer zu toppen. Der Stromverbrauch des E-Tron GT liegt nach Angaben von Audi bei 18,8 bis 19,6 kWh/100 Kilometer, beim RS E-Tron GT beträgt er 19,3 bis 20,2 kWh.
Überraschend gutes Platzangebot – auch hinten
Er soll aber nicht nur schnell sein, sondern auch ein komfortabler Gleiter. Das digitale Cockpit ist ganz auf den Fahrer ausgerichtet. Die innen eingesetzten Materialien stammen teilweise aus recycelten PET-Flaschen. Auffällig ist die sehr niedrige Sitzposition. Dynamik ja, aber der E-Tron GT bietet zudem jede Menge Platz, was man nicht unbedingt von so einem Auto erwartet. Vorne sowieso, aber auch hinten sitzen zwei Personen sehr bequem. Für die Hinterbänkler hat man eine pfiffige Idee gehabt, die sogenannte Fußgarage. Dabei handelt es sich um eine Aussparung in der Batterie im hinteren Fußraum.
Apropos Batterie. Sie sitzt unten im Auto zwischen den Achsen, das sorgt für einen tiefen Schwerpunkt, das soll dem Fahrverhalten zu Gute kommen. Und weil der elektrische Gran Turismo seiner Bestimmung nach ein Reisewagen sein soll, passen in den Kofferraum immerhin 405 Liter – zu zweit reicht das allemal. Vorne unter der Fronthaube passen noch einmal 85 Liter rein. Dort kann man zum Beispiel die Ladekabel gut verstauen.
Ein erster Test folgt am 5. März.
CO2-neutrale Produktion in Heilbronn
Gefertigt wird der E-Tron GT am Standort Böllinger Höfe in Heilbronn. Dort läuft seit vergangenem Herbst die Serienproduktion. Die Fertigung erfolgt nach Angaben von Audi mit 100 Prozent Ökostrom sowie Wärme aus regenerativen Quellen bilanziell CO2-neutral. Nach den Standorten Brüssel und Györ sind die Böllinger Höfe nun die erste Audi-Fertigungsstätte in Deutschland, in der das der Fall ist. Karosseriebau und Montage in den Böllinger Höfen bringen modernste Smart Factory und klassisches Handwerk in der Sportwagenmanufaktur zusammen. Besonderheit ist auch, dass der neue E-Tron GT und der Sportwagen R8 auf der selben Linie von den Spezialisten gefertigt werden. Fertigungsleiter Wolfgang Schanz arbeitet gerade mit seinem Team daran, die Produktion auf zwei Schichten auszuweiten.
Filmaufnahmen aus der Produktion gibt es in der Videokolumne 360 Grad von Uwe Ralf Heer ab 18. Februar auf stimme.de.
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