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Wasserstoff kommt jetzt zur Anwendung

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Produktion, Verteilung, Verbrauch: Wie der Kreislauf jetzt beginnen kann. Einrichtungen und Firmen im Raum Heilbronn vernetzen sich.

Ein mit Wasserstoff betriebener Gabelstapler steht vor der Aula des Bildungscampus, wo das Netzwerktreffen der Initiative H2Innovationslabor stattfindet.
Ein mit Wasserstoff betriebener Gabelstapler steht vor der Aula des Bildungscampus, wo das Netzwerktreffen der Initiative H2Innovationslabor stattfindet.  Foto: Fraunhofer IAO

Der Raum Heilbronn steht beispielhaft für die Veränderungen, die mit der Energiewende einhergehen. Vieles brachte der Zufall hier zusammen, und eine zentrale Rolle soll künftig der Wasserstoff spielen. Die Initiative H2Innovationslabor koordiniert die Anstrengungen bei diesem Thema, um deutschland- und europaweit zu einer Pilotregion zu werden.

Bei einem Netzwerktreffen in der Aula des Bildungscampus wurde deutlich, dass vieles schon auf dem Weg ist, aber auch manches noch in der Erprobungsphase steckt.

Es kommt etwas in Bewegung

In zwei Jahren wird das Kernkraftwerk in Neckarwestheim abgeschaltet, geschätzte zehn Jahre später das Kohlekraftwerk in Heilbronn. Woher kommt dann der Strom?

Audi, größter Industriebetrieb in der Region, will Produktion und Logistik an seinem Standort Neckarsulm bis 2025 CO2-frei bekommen. Das kann wohl nur über Zertifikate funktionieren. Denn in der Region wird nicht genug grüner Strom erzeugt.

 


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In Nordfriesland soll künftig mit Windkraft Wasserstoff für die Nutzung in Fahrzeugen und Betrieben hergestellt werden. Ähnlich könnte es in der Region Heilbronn laufen.   .  
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Region Heilbronn will in die Wasserstoff-Bundesliga


 

Immerhin: Das könnte sich nach und nach ändern. So soll die Gleichspannungsleitung Suedlink ab 2026 Windstrom von der Küste nach Süddeutschland, nach Leingarten transportieren. Im hohenlohischen Kupferzell soll der weltgrößte Batteriespeicher gebaut werden, um eine höhere Einspeisung von Grünstrom ins Netz zu ermöglichen und Schwankungen auszugleichen.

Schwankungen ausgleichen könnte auch der Wasserstoff. Er ermöglicht, regenerative Energie zu speichern, zu transportieren und für unterschiedlichste Zwecke zu nutzen. In Heilbronn-Franken gibt es zahlreiche Ansätze, wie das Netzwerktreffen zeigte.

In Öhringen wird ein Wohngebiet zur Wasserstoff-Insel

Bernd Bienzeisler vom Fraunhofer-Institut hat das Netzwerktreffen des H2Innovationslabors initiiert und morderiert durch die Veranstaltung in der Aula auf dem Bildungscampus.
Bernd Bienzeisler vom Fraunhofer-Institut hat das Netzwerktreffen des H2Innovationslabors initiiert und morderiert durch die Veranstaltung in der Aula auf dem Bildungscampus.  Foto: Fraunhofer IAO

Die Öhringer Wasserstoff-Insel des Netzbetreibers Netze BW will etwa mit einem eigenen Elektrolyseur Strom in Wasserstoff verwandeln, diesen mit Erdgas mischen und damit ein Öhringer Wohngebiet versorgen. "Wir wollen wissen, ob die Kunden das akzeptieren, wenn ihrem Gas 30 Prozent Wasserstoff beigemischt wird", erklärt Projektleiterin Heike Grüner.

Zudem muss die Beimischung von Wasserstoff zu Erdgas vorbereitet werden, weil der Brennwert des Mischgases geringer ist als bei reinem Erdgas und auch die Verbrennungsgüte sich ändert.

Überkapazitäten müssen sinnvoll verwendet werden

Der Vorteil ist aber, dass mit dieser Technik quasi jede Menge Wasserstoff, die produziert wird, auch ins Erdgasnetz eingespeist werden könnte. "Denn fast alle Wasserstoff-Projekte in Deutschland haben noch ein Problem: Es gibt noch kaum Wasserstoff-Verbraucher", sagt der Verantwortliche für die Wasserstoff-Aktivitäten des Heilbronner Energieversorgers Zeag, Claus Flore.

Das war auch der Grund, warum Flore und der stellvertretende Standortleiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Lampoldshausen, Klaus Schäfer, vor sechs Jahren das Projekt H2orizon starteten. Mit dem Windstrom aus dem Harthäuser Wald wird nun Wasserstoff erzeugt, der unter anderem für Triebwerkstests genutzt werden kann.

Mammut-Projekt macht das Triebwerkstestzentrum CO2-frei

Zuletzt folgte hier ein Großprojekt, das Schlagzeilen machte. Gefördert mit 16 Millionen Euro vom Landeswirtschaftsministerium soll der gesamte DLR-Standort CO2-frei werden - mit der Energie aus dem Wald.

Wasserstoff spielt dabei die entscheidende Rolle. Er soll nun sogar verflüssigt werden, damit die großen Ariane-Triebwerke damit getestet werden können. Blockheizkraftwerke verwandeln das Gas in Strom und Wärme.

Das neue Projekt Zero Emission ist zudem so großzügig angelegt, dass eine mobile Wasserstoff-Tankstelle auch andere Nutzer mit grünem Wasserstoff versorgen kann.

 


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Ein Pfund, mit dem sich (noch) kaum wuchern lässt


 

80 mögliche Akteure in der Region

Manche Firma soll auch auf diesem Weg künftig Teil der Wasserstoff-Initiative werden. Über 80 potenziell relevante Akteure hat der Koordinator der Initiative H2Innovationslabor, Bernd Bienzeisler, identifiziert und mit vielen auch schon gesprochen.

So soll eine regionale Wasserstoffwirtschaft ins Laufen kommen, bei der sich Nachfrage und Angebot im Gleichschritt entwickeln. Die Aussicht darauf soll so überzeugend sein, dass das Land seine nächste Wasserstoff-Region in Heilbronn-Franken ausruft.

47 Millionen Euro, mit denen die Wasserstoff-Wirtschaft ins Laufen kommen soll

Die vom Umweltministerium in Aussicht gestellte Förderung ist beachtlich. 18,5 Millionen Euro kommen von der EU, dazu gibt das Land noch einmal bis zu zwölf Millionen Euro. Macht zusammen 31,5 Millionen, die von Projektpartnern noch einmal um weitere 15,5 Millionen Euro aufgestockt werden müssten.

Und weil die Modellregion Wasserstoff auch wissenschaftlich begleitet werden muss, könnten auch Forschungsinstitutionen wie TUM, Hochschule Heilbronn, Fraunhofer- und Steinbeis-Institut nachhaltig profitieren.

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