Stimme+
Region
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Ein Pfund, mit dem sich (noch) kaum wuchern lässt

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Audi tut viel, was mit der Wasserstoff-Initiative in der Region zusammenpasst. Derzeit ist im VW-Konzern allerdings Zurückhaltung angesagt. Denn die Strategie ist auf Elektromobilität ausgelegt. Eine Analyse.

Der Autohersteller Audi war im vergangenen Jahr beteiligt, so hört man, als das Wirtschaftsministerium die 16 Millionen Euro Fördergeld für das DLR versprach. Und auch zur Initiative des H2Innovationslabors, das von der Dieter-Schwarz-Stiftung finanziert wird, bekennt sich der Autobauer. Beim Netzwerktreffen auf dem Bildungscampus zeigt Audi Flagge. Unter anderem wird die Wasserstoff- und Brennstoffzellenentwicklung präsentiert.

Audi tut viel für klimafreundliche Abläufe

Es gibt zahlreiche Ansätze: Seit Anfang 2020 bezieht Audi am Standort Neckarsulm für den Bau seiner Automobile ausschließlich Ökostrom. Der CO2-neutrale Strom stammt hauptsächlich aus Wasserkraft. Sämtliche Bahntransporte und Logistikverkehre an den Audi-Standorten Ingolstadt und Neckarsulm sind seit Mitte 2017 CO2-frei. Auf Initiative von Audi-Experten transportiert ein Spediteur seine Lieferungen zum Standort Neckarsulm mit biomethangetriebenen Lkw. Das Biogas wird aus Abfall- und Reststoffen gewonnen und ermöglicht einen nahezu klimaneutralen Betrieb.

Und dann kommt auch noch der Wasserstoff zum Einsatz. Seit 2014 unterhält der Autobauer eine eigene Power-to-Gas-Anlage im Emsland, macht dort Windstrom zu Wasserstoff und dann zu grünem Methan. Audi Neckarsulm verantwortet seit 2016 sogar die Entwicklung und Industrialisierung der Brennstoffzellentechnologie federführend im Volkswagen-Konzern. "Audi ist daran interessiert, dass die Wasserstoff-Infrastruktur weiter ausgebaut wird", erklärt eine Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion.

 


Mehr zum Thema

Methanisierungsanlage zur Herstellung von e-gas auf dem Gelände der Audi e-gas-Anlage.  Foto: dpa
Stimme+
Region
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Wasserstoff kommt jetzt zur Anwendung


 

Noch kein Leuchtturm für die Region

Denn es passiert noch mehr. Ab 2021 sollen im Werk Brennstoffzellen-Gabelstapler eingesetzt werden, gefördert durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Das Werk in Neckarsulm ist zweitgrößter Wasserstoff-Verbraucher im Kreis nach dem DLR. Perfekte Voraussetzungen, um sich als weiterer Leuchtturm in der Region zu präsentieren.

Doch nach außen hält sich Audi vornehm zurück. Angesichts der eigenen Wasserstoff-Quellen und der hohen Kosten in der Anfangsphase wird Audi seine Brennstoffzellenentwicklung wohl nicht mit grünem Wasserstoff aus der Nachbarschaft in Lampoldshausen versorgen wollen. Damit kann die Wasserstoff-Region in spe Heilbronn mit dem Pfund Audi nur bedingt wuchern.

Die Neckarsulmer sollen hier wohl auch der Konzernstrategie nicht in die Quere kommen. Derzeit liegt der Fokus bei allen Aktivitäten und ganz besonders bei der Kommunikation auf der Elektromobilität. Wasserstoff-Antriebe kommen mittelfristig wohl allenfalls bei Nutzfahrzeugen zum Einsatz, so dass Audi offenbar kein Interesse hat, in der öffentlichen Wahrnehmung explizit mit Wasserstoff in Verbindung gebracht zu werden. Gut zu wissen, dass die regionalen Akteure trotzdem Unterstützung bei den Verantwortlichen in Neckarsulm finden.

Immerhin: Künftig könnte Wasserstoff auch direkt im Werk produziert werden, teilweise sogar mit grünem Strom von den eigenen Dächern. So dürfte Audi, ob es will oder nicht, auch Teil eines Wasserstoff-Ökosystems Heilbronn-Franken sein. Also heißt es: abwarten.

 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben