Warum die neue Anzeige am Kreuz Weinsberg häufig schwarz bleibt
Manchmal bleibt die Anzeige, die Autofahrern die schnellste Route in Richtung Karlsruhe anzeigen soll, am Weinsberger Kreuz einfach schwarz. Stimme.de erklärt, wie die Verkehrssteuerung im Autobahnviereck aus A81, A6, A5 und A8 funktioniert.

Je zwei große Tafeln über der A6 und der A81 östlich des Weinsberger Kreuzes sollen Autofahrern anzeigen, auf welcher Route sie am schnellsten nach Karlsruhe kommen. Ein Jahr wurde gebaut, 2,8 Millionen Euro ausgegeben. Doch mancher Verkehrsteilnehmer hat sich bereits gewundert: Häufig bleiben die Anzeige einfach schwarz. Wir haben das zuständige Regierungspräsidium gefragt, was es damit auf sich hat.
Der Verkehr soll flexibel verschoben werden
Die im Abstand von 750 Meter nacheinander aufgestellten, dynamischen Schilder sind Teil einer großräumigen "Netzbeeinflussungsanlage", die den Verkehrfluss auf dem durch die Autobahnen A5, A6, A8 und A81 gebildeten Viereck zwischen Stuttgart, Karlsruhe, Walldorf und Heilbronn verbessern soll. Bei Leonberg und bei Walldorf gibt es solche Schilder schon seit Jahren. Bei Weinsberg ist es seit Februar in Betrieb, Karlsruhe folgt noch in diesem Jahr.
Der Stau macht den Unterschied
Die Anzeigen können eine Routenempfehlung geben und so dafür sorgen, dass Lkw und Pkw nicht in einen Stau fahren, wenn sie auf der Alternativroute schneller ans Ziel kämen. Will ein Autofahrer beispielsweise von Öhringen nach Rastatt, kann er entweder über die A6 auf die A5, oder er nimmt die A81 und die A8, um ans Ziel zu kommen. Die zeitlichen Unterschiede bei schwachem Verkehrsaufkommen sind minimal. Die Strecke über das Leonberger Dreieck ist nur zehn Kilometer länger.
Genauer als das TMC im klassischen Navi
Die Intelligenz dahinter sitzt in Stuttgart-Feuerbach in der Verkehrsrechnerzentrale. Dort wird die Reisezeit mithilfe eingekaufter Echtzeitdaten berechnet, sogenannte Floating Car Data. Gegenüber den klassischen und häufig fest in den Fahrzeugen verbauten Navis, die nur den "Traffic Message Channel" TMC über eine Radiofrequenz empfangen, sind die Floating Car Data deutlich genauer.
Nur mit solchen Echtzeitdaten können auch Abschnitte mit stockendem Verkehr berücksichtigt werden - wie es bei vielen Apps auf dem Smartphone üblich ist. Die Reisezeitberechnung wird auf den Tafeln allerdings nicht angezeigt - zu groß wären allein die Unterschiede zwischen Lkw- und Pkw-Geschwindigkeiten.
Details könnten noch angezeigt werden
Die Fahrer haben deshalb nur die Wahl, sich auf die Empfehlung von oben zu verlassen oder sich dagegen zu entscheiden. Nachvollziehbar sind die Angaben in dieser Form nicht. Das soll sich aber ändern. "Künftig ist angedacht, die Verlustzeiten mit anzuzeigen", erläutert Katrin Rochner, Sprecherin des Regierungspräsidiums Tübingen.
Ist nichts los, bleibt die Tafel schwarz

Immer wieder erleben Autofahrer noch etwas anderes: Die Tafeln zeigen gar nichts an. Anfangs dachte deshalb so mancher, der verkündete Start des Projekts habe sich verzögert oder die Anzeige ist schon wieder defekt. Das ist nicht der Fall. "Sind beide Optionen aktuell gleich günstig, bleibt die Anzeige aus", erklärt Rochner.
Dies bedeute dann jedoch nicht zwangsläufig, dass auf den Routen keine Störungen vorliegen. In anderen Fällen werden für beide Routen aktuelle Verkehrsbehinderungen angezeigt, aber dennoch keine Empfehlung gegeben, wenn sich die Reisezeiten nur geringfügig unterscheiden.
Wissenschaftliche Untersuchung? Fehlanzeige.
Wie viele Autofahrer durch die Anzeige auf den richtigen Weg gebracht werden, ist bislang nicht untersucht. Es gebe bisher keine Studie, die den Nutzen der Anlagen quantifiziert, so Sprecherin Rochner. Dass die Anlage wirkt, sei allerdings klar. "Der Nutzen ist qualitativ nachgewiesen."
Kommentar: Was es bringt?
Wer sich schon einmal blind auf sein Navigationsgerät verlassen hat, kennt das: Da wird ein Stau auf der Autobahn Richtung Zielort gemeldet, dann sagt die Stimme aus dem Off "Route wird neu berechnet". Wer den weiteren Anweisungen folgt, findet sich mitten im nächsten Stau auf der parallel verlaufenden Bundesstraße wieder. Zeitersparnis: keine. Gesundes Misstrauen ist also angebracht, wenn man sich mithilfe moderner Technik durch die Gegend lotsen lässt.
Ihre Meinung
Mail an christian.gleichauf@stimme.de
Während man beim eigenen Navi mit jeder Fahrt Erfahrung sammelt, ist das bei der dynamischen Anzeige am Weinsberger Kreuz für die meisten Verkehrsteilnehmer kaum möglich. Es stellt sich also die Frage, wie das Vertrauen in die angezeigten Informationen erhöht werden kann. Andere Länder trauen ihren Autofahrern jedenfalls mehr zu und informieren auf solchen Schildern unaufgeregt auch über den Zeitverlust durch Verkehrsbehinderungen.
Das alles lässt sich natürlich nachbessern. Doch die Frage, was es bringt, kann derzeit nicht beantwortet werden. Die Wirkung einer Anlage, die viele Millionen Euro kostet, ist wissenschaftlich offenbar unzureichend untersucht. Ob sich Autofahrer in die richtige Richtung leiten lassen, sollte aber nicht dem Zufall überlassen werden. Denn der volkswirtschaftliche Nutzen der Anzeige könnte unter optimalen Bedingungen viel größer als die Investitionssumme sein. Diese Bedingungen sollte man baldmöglichst schaffen.


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