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Atlas für Klinik-Vergleiche umstritten: So sieht es für Krankenhäuser in der Region aus

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Die Resonanz auf das staatliche Vergleichsportal ist gemischt. SLK-Kliniken hoffen auf neue Patienten, die Einrichtungen in Heilbronn und Bad Friedrichshall haben aber schlechte Werte bei einem wichtigen Parameter.

Der neue Bundes-Klinik-Atlas ist online.
Der neue Bundes-Klinik-Atlas ist online.  Foto: Soeren Stache (dpa)

Der "Bundes-Klinik-Atlas" des Gesundheitsministeriums ist seit Freitagmittag online. Er soll Patienten helfen, Kliniken und deren Behandlungsqualität zu vergleichen. "Mit wenigen Klicks können sie Kliniken vergleichen und für die benötigte Behandlung in ihrer Nähe die beste Klinik finden", sagte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zum Start des Angebots in Berlin.

Daten wenig aussagekräftig: Profil des SLK-Klinikums am Plattenwald in Bad Friedrichshall unvollständig

Bislang sind die eingespeisten Daten jedoch noch wenig aussagekräftig und teilweise auch fehlerhaft. So sind zum Beispiel beim SLK-Klinikum am Plattenwald große Fachabteilungen wie Kardiologie, Gefäßchirurgie oder Orthopädie/Unfallchirurgie nicht separat aufgelistet, die Anzahl der Behandlungen in den jeweiligen Fachgebieten ist somit nicht nachvollziehbar. Zudem werden nur stationäre Behandlungsfälle aufgelistet, was ein verzerrtes Bild zeichnen kann, da beispielsweise an der Bad Rappenauer Vulpius-Klinik, einer Fachklinik für Orthopädie, fast ebenso viele Behandlungen ambulant stattfinden.

Regional auffällig ist der sogenannte Pflegepersonalquotient, der die Anzahl an Pflegekräften pro Patient unter Berücksichtigung der Fallschwere angibt. Der Wert fällt für die SLK-Häuser in Heilbronn und Bad Friedrichshall schlecht aus, etwa im Vergleich zum RKH-Klinikum in Ludwigsburg, das über ein ähnlich breites Profil wie der Gesundbrunnen verfügt. Eine Bewertung zu dem Atlas-Label "weit unterdurchschnittlich" konnte SLK am Freitagnachmittag nicht abgeben. Schrittweise sollen laut Gesundheitsministerium nun weitere Daten aufgenommen werden, unter anderem Informationen zu Komplikationsraten.

Die Einschätzungen zu dem Atlas, um den es im Vorfeld viel Streit gegeben hatte, fallen in der Region sehr unterschiedlich aus. So hieß es von SLK, sofern er sich etabliere und rege genutzt werde, "sind wir überzeugt davon, dass wir mit unserem breiten Leistungs- und Behandlungsspektrum sowie unserer hohen Qualität punkten und auch potenzielle Patienten, die nicht aus der Region kommen, für uns gewinnen können".

 

Finden Sie Ihr Krankenhaus unter bundes-klinik-atlas.de/

 

Die Krankenhausgesellschaft hält neues Informations-Portal für überflüssig

Kritik kommt dagegen von der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft BWKG. Die Idee, solch eine Übersicht im Internet anzubieten, sei nicht neu, sagt Geschäftsführer Matthias Einwag auf Stimme-Anfrage. So biete etwa das Deutsche Krankenhausverzeichnis schon lange Informationen zu Behandlungsqualität, Fallzahlen und Personalausstattung. "Basis sind dabei die Daten aus den Qualitätsberichten der Krankenhäuser - wie beim Klinik-Atlas von Lauterbach auch." Einwag sieht Gefahren des neuen Atlas: "Er könnte sogar Schaden anrichten, wenn dort Komplikationsraten veröffentlicht würden, ohne die Schwere der Erkrankung der behandelten Patienten zu berücksichtigen." Das könne zu schlechten Werten für eigentlich gute Häuser führen.

Niedergelassener Arzt bleibt auch in Zukunft wichtigster Ansprechpartner für Patienten

Eine Vergleichbarkeit herzustellen sei grundsätzlich gut, sagt der Orthopäde Boris Brand aus Neckarsulm, der gleichzeitig Vize-Vorsitzender des Landesverbands der Orthopäden und Unfallchirurgen BVOU ist. Er gibt zu bedenken, dass die Daten in dem Atlas aufgrund der nachträglichen Erhebung nie auf Echtzeit-Stand seien: "Da frage ich mich schon, wie gut und wie echt sie sind und ob die Situation in der Klinik immer noch dieselbe ist wie vor zwei Jahren." Brand ist überzeugt, dass bei planbaren Eingriffen der niedergelassene Arzt wichtigster Ratgeber bleibt. Er kenne die Situation in den Kliniken und sehe das Ergebnis, schließlich behandle er den Patienten nach einem Klinikaufenthalt weiter.

Bundes-Klinik-Atlas: Hier werden die Daten erhoben

Der Klinik-Atlas des Bundesgesundheitsministeriums ist erreichbar im Internet unter www.bundes-klinik-atlas.de. Auf einer Übersichtskarte sind Daten aus rund 1700 Krankenhäusern in ganz Deutschland zusammengetragen. Gesammelt werden die Daten beim Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG). Es erhält neben Klinikdaten auch Angaben von Zertifizierungsstellen oder Krankenkassen. Die Kliniken sollen vierteljährlich Daten melden.

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