Jugendschutz, Abgabe in Vereinen, Hanfläden: Noch viele Fragezeichen am Kiffer-Himmel
Zur geplanten Cannabis-Freigabe mehren sich kritische Stimmen. Wer kontrolliert beispielsweise die angedachten Cannabis-Vereine? Unter Konsumenten ruft zudem die pro Person erlaubte Menge Verwunderung hervor.

Straffrei kiffen - der Gesetzesentwurf, den Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) in der vergangenen Woche vorgestellt haben, schlägt weiterhin hohe Wellen. Während Sozialwissenschaftler das Gesetz eher begrüßen, kommt Kritik vor allem von Apothekern und Medizinern. "Das Gesetz ist nicht geeignet, den Schwarzmarkt einzudämmen. Besser wäre eine kontrollierte Abgabe von Cannabis in autorisierten Geschäften mit Alters- und Qualitätskontrolle", stellt Robert Prager Loos klar.
Der Chefarzt der Klinik für Suchttherapie am Weissenhof kann aber die Sorgen von Jugendmedizinern gut verstehen. "Kurzfristig könnte es zur Zunahme des Konsums bei Jugendlichen kommen, dies wird sich aber mit der Zeit nivellieren, wie Beispiele aus anderen Ländern zeigen", sagt Prager Loos. "Der allerwichtigste Punkt ist für mich der Jugendschutz und die Suchtprophylaxe als gesamtgesellschaftliche Aufgabe", betont der Chefarzt.
Wie geht es mit der Prävention an Schulen weiter?
Für Helena Resch, Leiterin der Jugend- und Suchtberatung Heilbronn, ist das Thema Jugendschutz und Prävention noch viel zu wenig im Fokus. Was macht die Polizei, wie sieht die Prävention an Schulen aus, fragt sie. Man müsse erklären, dass man ab einem bestimmten Alter kiffen dürfe, als Jugendlicher aber eben nicht. Befeuert werde das Problem durch den Umgang mit Cannabis in Musikvideos. "Da ist kiffen so ein Lifestyle-Ding, das Jugendlichen vermittelt wird", sagt die 57-Jährige.
Sie gibt zu bedenken, dass Kiffen andere Folgen habe als Alkohol. Psychosen können bei Veranlagung eher ausbrechen. Mit Blick auf Ex-Abhängige fürchtet sie, dass bei öffentlichem Konsum ein Rückfall zu befürchten ist, "wenn es überall nach Gras riecht".
Unter Konsumenten ruft die erlaubte Menge von maximal 50 Gramm pro Monat (einmalig 25 Gramm) Verwunderung hervor. Ein Mann aus der Region, der anonym bleiben möchte, erklärt, dass er pro Tag zwei, drei Joints rauche. Diese enthalten bei seiner Mischung insgesamt täglich höchstens 0,5 Gramm. "Die Menge von maximal 50 Gramm pro Monat ist aus meiner Sicht viel zu hoch gegriffen."
Ob durch die Abgabe über Vereine die Szene entkriminalisiert werde, bezweifelt er. "Das interessiert die nicht. Wenn sich die Situation verändert, verändern sich auch die Dealer." Sie verkauften möglicherweise andere Drogen. Die Abgabe über Clubs könne funktionieren, wobei er sagt: "Ich werde meinen Namen nicht in die Vereinsliste eines Clubs eintragen."
Offen, was das Gesetz für Hanfläden bedeutet
Was das neue Gesetz für die legalen Hanfläden bedeutet, die es auch in der Region gibt, ist derzeit völlig offen. "Im Moment machen wir uns darüber überhaupt noch keine Gedanken", sagt Silvia Pfeiffer, die seit knapp einem Jahr zusammen mit Jürgen Buss die Rubicon Nature GmbH in der Gerberstraße betreibt. Dort werden seit Mai 2022 legale CBD-Artikel wie Öle, Hanfsamen oder Kaffee verkauft, die maximal 0,2 Prozent des Wirkstoffs THC enthalten dürfen. Zum Vergleich: Bisher illegale Cannabis-Produkte haben einen durchschnittlichen THC-Gehalt von über 10 Prozent.
"Es läuft ganz gut, immer besser. So langsam spricht sich in der Stadt und darüber hinaus herum, dass es uns gibt", zieht Sylvia Pfeiffer eine erste Bilanz. Ob das neue Gesetz mögliche Auswirkungen auf Ihren Laden hat, kann sie noch nicht abschätzen: "Wir wissen derzeit ja noch gar nicht, wie das Gesetz tatsächlich aussieht", betont die 59-Jährige.
Auch beim Hanfkultur Store, der am 30. Mai am Heilbronner Bollwerksturm an den Start gehen will, hätte man sich mehr Klarheit gewünscht. "Wir begrüßen die Freigabe und Entkriminalisierung, finden aber den Weg über die Vereine schwierig", betont Jan Hellstern. "Wer soll denn die Clubs künftig kontrollieren", fragt sich Hellstern. "Wir hätten uns gewünscht, dass die Bundesregierung mit professionellen und qualitativ hochwertigen Anbietern zusammenarbeitet", macht der 25-Jährige klar.
Der Handelsfachwirt, der bisher in der Lebensmittelbranche gearbeitet hat, sieht in den legalen Nutzhanfprodukten die derzeit auf dem Markt sind, Mittel, die entzündungshemmend und entspannend wirken. "Wir bieten keine Rauschmittel, sondern Naturheilprodukte an", betont Hellstern. Wie die künftige Gesetzeslage den Markt verändere, müsse man abwarten, macht er klar.
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