Städte und Landkreise fordern mehr Perspektiven bei Flüchtlingsunterbringung

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Städte und Landkreise sind an ihrer Belastungsgrenze und fühlen sich von Bund und Land alleingelassen. Ihr Appell: Bund und Land sollen mehr Einrichtungen zur Verfügung stellen.

Flüchtlinge aus der Ukraine sind in einer Kreissporthalle untergebracht.
Flüchtlinge aus der Ukraine sind in einer Kreissporthalle untergebracht.  Foto: Felix Kästle/dpa/Symbolbild

Nachdem Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) einen Flüchtlingsgipfel angekündigt hat, haben Städte und Landkreise in der Region noch einmal die Dringlichkeit der Lage unterstrichen. Ende des Jahres werden die Kapazitäten erschöpft sein, erwartet Klaus Holaschke, Vizepräsident des Gemeindetages und Eppinger Oberbürgermeister.

Gemeindetagsvize Klaus Holaschke: Kapazitäten bald aufgebraucht

Kommunen und Landkreise in der Region erwarten, dass ihnen von Bund und Land weitere Perspektiven zur Flüchtlingsunterbringung aufgezeigt werden, sagte Holaschke der Heilbronner Stimme.

 


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Die Unterbringung von Ukrainern müsse als Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern und Kommunen begriffen werden. Dazu gehöre auch, dass Land und Bund mehr Einrichtungen zur Verfügung stellen, etwa Zeltstädte aufbauen, sagte Holaschke. Denn: „Wir können sicher sagen, dass wir im November und Dezember alle greifbaren Kapazitäten aufgebraucht haben werden“, sagte er stellvertretend für die 46 Kommunen und den Landkreis. Holaschke lobte aber auch den „enormen“ Zusammenhalt zwischen den Kreisen und Kommunen sowie die große Solidarität der Bürger, die Geflüchtete privat bei sich aufnehmen. Es stehe außer Frage, dass man an dem solidarischen Akt der Flüchtlingsaufnahme festhalte: „Es geht nicht ums Wollen, sondern dass bald keine freien Plätze mehr vorhanden sind.“

Der Landkreis Heilbronn verzeichnet weiterhin eine hohe Zugangsrate von Geflüchteten abseits der Zugänge aus der Ukraine. Allein im Oktober kamen 150 Geflüchtete an. „Vom Land gab es in den vergangenen Wochen keine Zuweisung von ukrainischen Geflüchteten“, teilt Landkreis-Sprecherin Lea Mosthaf mit. Sie kommen dafür wöchentlich bei den Anlaufstellen des Landratsamts an.

Zahlen aus den Landkreisen

Der Landkreis betreibt 36 Gemeinschaftsunterkünfte, in denen 1373 Personen leben. Insgesamt verfügt er über 1450 Plätze für Asylsuchende, nur wenige sind frei. In diesem Monat soll eine neue Unterkunft bezogen werden. „Angesichts der hohen Zugangszahlen hilft uns das aber nur bedingt“, sagt Mosthaf. Sechs größere Unterkünfte betreibt die Stadt Heilbronn. Dazu kommen rund 90 Standorte mit Einzelwohnungen, in denen 1251 Menschen leben.

Insgesamt stehen der Stadt rund 1550 Plätze zur Verfügung, die zu 85 Prozent belegt sind. Diesen Monat wird die Stadt voraussichtlich 55 Asylbewerber aufnehmen, sie rechnet mit rund 40 Ukrainern, wobei die Zahl derzeit schwankt, so eine Sprecherin. Man passe den Bestand der Unterbringungskapazitäten fortlaufend an den Bedarf an.

 


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Bis Jahresende soll der Hohenlohekreis über 836 Plätze verfügen. Elf Sammelunterkünfte wurden seit Januar neu hergerichtet. 402 Plätze sind aktuell mit Flüchtlingen belegt, davon sind 131 Ukrainer. Die Zahl der monatlichen Landeszuweisungen stieg zuletzt stark: Im Juli waren es 16, im Oktober 49. „In den Folgemonaten rechnen wir mit 60 bis acht Flüchtlingen sowie mit 20 bis 100 Ukrainern im Monat“, so Kreissprecher Sascha Sprenger. Bei den Zuweisungen von ukrainischen Geflüchteten gab es extreme Schwankungen: Im Oktober kamen zwei, im September 61 und im August sieben.

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