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So lief das Deutsch-Abitur in der Region

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Abitur 2022: Mit Deutsch war am Mittwoch das erste Massenprüfungsfach an der Reihe. Da rauchte mancher Kopf.

Geschafft! Lea Böllinger, Hannah Sauter, Philip Quintes und Kim Radecker (von links) vom Weinsberger Justinus-Kerner-Gymnasium sind erleichtert.
Foto: Anja Krezer
Geschafft! Lea Böllinger, Hannah Sauter, Philip Quintes und Kim Radecker (von links) vom Weinsberger Justinus-Kerner-Gymnasium sind erleichtert. Foto: Anja Krezer  Foto: Krezer, Anja

Am Montag haben die schriftlichen Abiturprüfungen begonnen. Am Mittwoch waren erstmals sehr viele der 2136 Schülerinnen und Schüler an den allgemeinbildenden und beruflichen Gymnasien in der Stadt und im Landkreis Heilbronn sowie im Hohenlohekreis gleichzeitig involviert: Die Klausuren im Hauptfach Deutsch standen an. Zum dritten Mal unter besonderen Corona-Bedingungen.

Eine halbe Stunde mehr Zeit

Zwar entfiel kurzfristig die Maßgabe, getestete und ungetestete Abiturienten in unterschiedlichen Räumen zu platzieren. Die Schüler hatten jedoch - wie in allen schriftlichen Prüfungsfächern - ein halbe Stunde mehr Zeit: von 9 bis 14.45 Uhr. Außerdem konnten die Lehrkräfte, wie schon 2021, aus einer Vorauswahl die Aufgaben auswählen, die am besten zum erteilten Unterricht passten. Davon unbenommen hatten die Abiturienten in der Deutschklausur nochmal die Wahl zwischen drei Formaten.


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Gepokert und Glück gehabt

Lasse Villa Hamann hat gepokert und Glück gehabt. Auf den Kommentar (zu kurzen Texten) hatte der Mönchsee-Gymnasiast gesetzt. "Hat geklappt", sagt der 18-Jährige erleichtert. Mit einer Sachtext-Erörterung wäre er nicht so gut klargekommen. Um den Wandel der Höflichkeit sei es gegangen.

Sein Fazit: "Dass man auf jeden Fall von einem Wandel sprechen kann und ein Auge drauf werfen muss, damit es nicht zum Werteverfall kommt." Schon um 13.15 Uhr war er fertig, einschließlich Durchlesen. Beim Denken halfen ihm Nutella-Brote und Traubenzucker. "Ich war dreimal auf dem Klo", erzählt der Heilbronner. "Bei den Gängen wird der Kopf frei."


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Die Erleichterung kommt daheim

Erstmal mehr platt als erleichtert: Klara Klöpfer (links) und Klara Rappel haben die Klausur in der sonnig-gelben, aber auch sehr warmen Turnhalle des Heilbronner Theodor-Heuss-Gymnasiums geschrieben und die Zeit ausgereizt.
Foto: Mario Berger
Erstmal mehr platt als erleichtert: Klara Klöpfer (links) und Klara Rappel haben die Klausur in der sonnig-gelben, aber auch sehr warmen Turnhalle des Heilbronner Theodor-Heuss-Gymnasiums geschrieben und die Zeit ausgereizt. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Ganz anders die Stimmung bei Klara Rappel und Klara Klöpfer vom Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) nebenan. Nicht, weil sie nicht zufrieden gewesen wären mit der Arbeit. Aber nach Abgabeschluss sind sie einfach nur platt. "Die Erleichterung kommt zu Hause", glaubt Klara Rappel. Beide 18-Jährige haben Hesses "Steppenwolf" und E.T.A. Hoffmanns "Der goldene Topf" auf Basis eines Zitats des Germanisten Rüdiger Safranski erörtert. Es ging darum, dass fehlende Vorstellungskraft das Leben verarmen lasse.


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15 Seiten hat die eine geschrieben (Rappel), 20 die andere (Klöpfer). "Es war nicht das Beste, was ich je geliefert habe, aber es war in Ordnung", spürt Klara Klöpfer. Klara Rappel hat sich "auf das Ende gefreut", sie glaubt: "Das ist das letzte Mal, dass ich so etwas schreiben musste." Beide hätten lieber ein Einzelwerk interpretiert. Deutschlehrer Joachim Köhler weiß aber, warum er den THG-Schülern den "Faust" nicht zumuten wollte: "Das Thema war so gut, aber der vorgegebene Text eines Germanisten, dessen Thesen mit Textbelegen aus dem Klassiker zu interpretieren war, "war einfach unglaublich schwer".

34 Seiten abgeliefert

Punkt 14.45 Uhr betritt Jürgen Kovács die Weibertreuhalle. "So, jetzt machen wir Schluss", sagt der Leiter des Weinsberger Justinus-Kerner-Gymnasiums (JKG). Von den 78 Abiturienten am JKG haben 35 Deutsch als Leistungsfach, legen also eine schriftliche Prüfung ab. Davon schöpfen 20 die volle Zeit aus: Fast sechs Stunden lang beugen sie die Köpfe. Am Ende haben Kim Radecker aus Eberstadt und Hannah Sauter aus Weinsberg knapp 20 Seiten voll geschrieben.

Bei Philip Quintes aus Obersulm sind es 26, Lea Böllinger aus Weinsberg bringt es sogar auf 34 Seiten. Kim Radecker stutzte am Morgen, dass nicht wie sonst zwei Gedichte zu vergleichen, sondern nur eines, von Ingeborg Bachmann, zu interpretieren war. Sie entschied sich dennoch für diese Aufgabe. "Es war absolut machbar." Deutsch-Lehrerin Petra Vollmer, die seit etwa zehn Jahren am JKG junge Menschen zur Hochschulreife führt, zieht auch ein Fazit: "Es war kein ganz leichtes Abitur. Es war schon anspruchsvoll."

Lief ganz gut

Die Uhr hat noch keine 13 Uhr geschlagen, da stehen an der Bushaltestelle vor dem Wirtschaftsgymnasium in Öhringen schon Celina Feo (18) und Bennet Schröder-Son (19). Beide sind ein bisschen erschöpft, vor allem aber erleichtert: Das Deutsch-Abi ist geschrieben. Jetzt kommt noch Mathematik.


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"Horror", lacht Celina und wünscht sich "wenigstens fünf Punkte". "Das kann ich", bleibt Bennet entspannt. Kein Wunder, dass er sich als Studienfach Wirtschaftsmathematik ausgesucht hat. Bis aber auch Mathematik eingetütet ist, gehen noch einige Tage ins Land. Ihr Profilfach Wirtschaft haben die beiden Schüler aus Öhringen aber auch schon hinter sich.

"Gar nicht so schlecht" lief Deutsch für Celina. "Es war eigentlich sogar echt gut", sagt sie. Alles sei gut machbar gewesen. Sie hat die Textinterpretation genommen, sich über das Leben und den Tod Gedanken gemacht. "Das war von Anfang an klar", hat sie die Literaturaufgaben zu "Faust", "Steppenwolf" und dem "Goldenen Topf" nicht einmal durchgelesen.

Bennet hat sich das ebenfalls gespart. Auch für ihn war von vorneherein klar: Es wird das Essay. "Ein bisschen freier zu schreiben liegt mir." Thema waren Privilegien. Drei der fünf vorliegenden Texte mussten zum Dossier verarbeitet werden. Beide haben in der ersten Tranche abgegeben. Gegen 12.20 Uhr. Auch wenn sie wegen Corona mehr Zeit zur Verfügung gehabt hätten. "Aber wir waren einfach fertig", erklären sie ihren Verzicht auf die reguläre Schlusszeit um 14 Uhr.

"Es war einfacher als gedacht", urteilt Celina Feo über die Deutsch-Prüfung. Sie vermutet, dass bei der Aufgabenstellung Rücksicht auf die Corona-Zeit genommen wurde. "Es war alles echt machbar", sagt sie. "Was wir im Unterricht gemacht haben, das war schwerer", ergänzt Bennet Schröder-Son.

Am Freitag ist Englisch an der Reihe

Mehrere Nächte hintereinander hat Hannah Sauter vom Abitur geträumt. Mit Deutsch ist nun ein großer Brocken weg. Jetzt geht die 18-Jährige erst einmal frische Luft schnappen. Aber nicht zu lange, es muss weitergelernt werden: Am Freitag ist Englisch dran. sb/jaz

 
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